PERSONEN

Udo Behrenwaldt

Von Bernd Wittkowski, Frankfurt Börsen-Zeitung, 8.9.2017 Der Finanzplatz Deutschland und die europäische Assetmanagementbranche haben eine Koryphäe, einen souveränen und hoch angesehenen Manager, klugen Ratgeber und nicht zuletzt einen überaus...

Udo Behrenwaldt

Von Bernd Wittkowski, FrankfurtDer Finanzplatz Deutschland und die europäische Assetmanagementbranche haben eine Koryphäe, einen souveränen und hoch angesehenen Manager, klugen Ratgeber und nicht zuletzt einen überaus gewinnenden Menschen verloren, viele in der “Financial Community” darüber hinaus einen guten Freund: Udo Behrenwaldt ist tot. Er stand gut drei Jahrzehnte lang, zuletzt bis 2002 als Sprecher der Geschäftsführung, in den Diensten der zur Deutschen Bank gehörenden Publikumsfondsgesellschaft DWS. Der Geschäftsführung gehörte er seit 1975 an. Über sein Unternehmen hinaus hat sich Behrenwaldt als Vorstandsmitglied und Vorstandssprecher des deutschen Fondsverbandes BVI sowie als Vizepräsident des europäischen Verbandes Fefsi (heute Efama) um die Zunft verdient gemacht. Gegen die KurzfristigkeitAls der Begriff “Nachhaltigkeit” noch nicht in Mode, wenn überhaupt schon erfunden war, gehörte Behrenwaldt längst zu denen, die auch bei Anlageentscheidungen stets über den Tellerrand hinausblickten und in großen Zusammenhängen dachten. Der jeweils nächste Quartalsstichtag war nicht sein Orientierungspunkt, die aus dem angelsächsischen Raum auch nach Deutschland importierte Kurzfristigkeit nicht sein Ding und das Investment Banking nicht seine Welt. “Investmentbanker haben eine eigene Mentalität. Sie denken dealbezogen, das ist Assetmanagement aber gerade nicht”, beschrieb der mit herausragender Expertise und einem feinen Händchen für Chancen und Risiken gesegnete Portfoliomanager einmal im Interview der Börsen-Zeitung das Aufeinanderprallen zweier einander fremder Kulturen in der Deutschen Bank. Ein VordenkerDie Deutsche Asset Management, für die Behrenwaldt nach dem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft weiter als Vice Chairman und Senior Advisor tätig war, würdigt ihn in einer Mitteilung an die Belegschaft als einen “Vordenker des Assetmanagements”. In einer Vielzahl von Funktionen und Mandaten habe er mit seiner Innovationskraft und Weitblick für die Entwicklung des Fondsgeschäfts die Internationalisierung der DWS vorangetrieben und den modernen Investmentprozess geprägt. Unter Behrenwaldts Führung habe die DWS ihren Marktanteil kontinuierlich ausbauen können. Eine Reihe von Fonds, die auch heute wesentlicher Teil der Produktpalette seien, trage seine Handschrift. Als ein Beispiel dafür kann sicher das Flaggschiff “DWS Akkumula” gelten, das Behrenwaldt schon in den frühen siebziger Jahren als Mitglied eines Teams managte.Im Ruhestand tat er auf vielfältige Weise Gutes, vor allem über die 2002 zusammen mit seiner Frau Ingeborg gegründete, mit 5 Mill. Euro ausgestattete Familienstiftung Gingko-Foundation. Diese unterstützt Projekte, die Kinder und Jugendliche in ihrer Bildung und Weltoffenheit fördern. Ein weiterer Förderschwerpunkt sind Projekte der Wissenschaft und Kultur wie Stipendien für Musik- und Medizinstudenten. “Ich hatte in meinem Berufsleben viel Erfolg und Glück. In meiner aktiven Zeit erlebte das Fondsgeschäft einen gewaltigen Aufschwung. Da stellt sich dann zwangsläufig irgendwann die Frage, was man später einmal Sinnvolles tun kann. So entstand, auch angeregt durch die Unterstützung der SOS-Kinderdörfer durch die DWS, die Idee, eine Stiftung zu gründen und einen Teil unseres Vermögens dort einzubringen”, sagte Behrenwaldt.Zu seinen Mandaten gehörten bis zuletzt die Mitgliedschaft im Gesellschafterbeirat des Bankhauses Metzler und der Aufsichtsratsvorsitz bei der Investmentaktiengesellschaft für langfristige Investoren TGV, einer Gruppe von Familienunternehmern, die ihnen anvertraute unternehmerische Lebenswerke in Eigenständigkeit fortführt. Immer Optimist gebliebenAngesichts der politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und auch rechtlichen Verwerfungen der vergangenen Jahre – den erzwungenen Forderungsverzicht gegenüber Griechenland etwa nannte er einen “glatten Rechtsbruch, und das in Europa!” – fiel Behrenwaldts Einschätzung der allgemeinen Lage in jüngerer Zeit zwar durchaus besorgt aus. Doch letztlich blieb er immer dem Lager der Optimisten treu: Man dürfe nicht zu sehr schwarzsehen. Führe man sich vor Augen, was frühere Generationen erleben mussten, gehe es uns heute ja nicht so schlecht.In eigener Sache hat am Ende aller Optimismus nicht geholfen. Nach längerer Krankheit ist Behrenwaldt am Dienstag, begleitet von seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn, zu Hause verstorben – allzu früh im Alter von 75 Jahren.