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Udo Steffens 70

Von Tobias Fischer, Frankfurt Börsen-Zeitung, 24.3.2020 Auszubildender zum Industriekaufmann, Berufsschullehrer, Dozent, Entwicklungshelfer in Afrika, gut zwei Jahrzehnte Leiter der Frankfurt School of Finance & Management und seit zwei Jahren...

Udo Steffens 70

Von Tobias Fischer, Frankfurt Auszubildender zum Industriekaufmann, Berufsschullehrer, Dozent, Entwicklungshelfer in Afrika, gut zwei Jahrzehnte Leiter der Frankfurt School of Finance & Management und seit zwei Jahren Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung: Mit seiner breiten Expertise in Theorie und Praxis und als ein prägender Akteur des Finanzplatzes Frankfurt ist Udo Steffens gefragter Gesprächspartner und Ratgeber in Politik und Finanzbranche.Als er im April 2018 die Leitung der Frankfurt School nach 21 Jahren als Präsident und Geschäftsführer in die Hände von Nils Stieglitz legte, tat er das in der Gewissheit, die frühere Bankakademie zu einer international renommierten Business School entwickelt zu haben. Nachdem er den Schlussstein seiner Arbeit mit der Ansiedlung der privaten Hochschule in der früheren Oberfinanzdirektion an der Adickesallee gelegt hatte und als Professor emeritiert wurde, widmete sich Udo Johann Erich Steffens umgehend neuen Aufgaben. Als Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung treibt er die Arbeiten voran, um das von ihr getragene Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung (Firm) zu einer der bundesweit führenden Einrichtungen zur Förderung von Forschung und Lehre in Risikomanagement und Regulierung in Deutschland zu machen.Firm zählt rund 60 Banken, Versicherer, Finanzdienstleister, Beratungsgesellschaften, das Land Hessen und die Finanzaufsicht zu ihren Mitgliedern und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Risikomanager aus- und weiterzubilden und Forschung in Sachen Regulierung sowie Politikberatung zu betreiben. Die Finanzkrise habe gezeigt, heißt es von Firm, dass im Risikomanagement der Banken Nachholbedarf herrsche und das diesbezüglich in Lehre wie Forschung zwar breite, aber zersplitterte Angebot der Bündelung bedürfe.Aufbauarbeit leistete Steffens auch in einem gänzlich anderen Kontext, der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit. In Togo errichtete und leitete er einen Verlag und eine Druckerei, in Kamerun beriet er für die Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe. Dass sich die Tätigkeit als Entwicklungshelfer, die auch die Sanierung von nach eigenem Bekunden “Missionsruinen” beinhaltete, und als Vertreter der Finanzbranche nicht ausschließen, gab er einmal Hochschulabsolventen mit auf den Weg. Das Streben nach Geld und die Entwicklungszusammenarbeit seien keine Widersprüche, vielmehr könne letztere nur deshalb auf überschaubare Resultate verweisen, weil sie sich vorwiegend an “Gutmenschen” orientiere und nicht an wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten.So verbindlich Steffens im Ton ist, so klar seine Aussage. Das mag auch daran liegen, dass der Ostfriese auf einem Bauernhof aufwuchs und mit seinen neun Geschwistern kräftig mit anzupacken hatte. Nach der Ausbildung, klassisch auf einer Schiffswerft in Emden, verschlug es ihn zur Uni. Dem Studium der Wirtschaftswissenschaften, der Wirtschaftspädagogik und der Politikwissenschaften in Dortmund, Münster und Darmstadt und anschließender Promotion, Tätigkeiten im Lehrbetrieb und in Afrika folgte 1992 der Eintritt in die Bankakademie, die 2007 in die Frankfurt School of Finance & Management überführt wurde, und der er bis 2018 treu blieb. Am heutigen Dienstag feiert Steffens seinen 70. Geburtstag.