Umgehung der Handelstransparenz
Umgehung der Handelstransparenz
dm Frankfurt – In einem Brief an den Chef der Europäischen Marktaufsicht ESMA, Steven Maijoor, hat der für die Finanzmarktrichtlinie Mifid II zuständige Berichterstatter im Europaparlament, Markus Ferber, schwere Bedenken gegen sogenannte periodische Aktionssysteme geäußert. Laut dem Brief, welcher der Börsen-Zeitung vorliegt, habe sich seit Inkrafttreten von Mifid II das ohne Vorhandelstransparenz abgewickelte Handelsvolumen – sogenanntes “trading in the dark” – nicht substanziell verändert. Die ESMA hat seit Mitte März Schwellenwerte für Transaktionen auf Dark Pools für verbindlich erklärt. Dadurch können über 750 Aktien nicht mehr in Dark Pools gehandelt werden. Dies führt offenbar dazu, dass immer mehr Transaktionen in sogenannte periodische Auktionssysteme verschoben werden. Dark bezeichnet ein Orderbuch ohne Vorhandelstransparenz – andere Marktteilnehmer können dann nicht erkennen, zu welchem Preis und mit welchem Volumen Transaktionen eingestellt werden.Eine erklärte Absicht von Mifid II ist es aber, die Transparenz im Markt sowie den Anlegerschutz zu verbessern. “Periodic-Auctioning-Systeme werden von ihren Betreibern explizit als Umgehungsmöglichkeit für die Dark-Pool-Regulierung angepriesen”, sagte Ferber. Die Idee von Mifid II sei aber, “einen möglichst großen Anteil des Handels auf regulierte und transparente Märkte zu lenken” – nur so könne eine optimale Preisfindung und hohe Markteffizienz erreicht werden. Laut Bloomberg hat die US-Investmentbank Goldman Sachs am 21. März einen periodischen Auktionsservice eingeführt, der es erlaubt, Aktienhandelsgeschäfte etwa von Fondsmanagern im Verborgenen zu lassen. UBS werde später in diesem Monat mit einem eigenen Service folgen. Beide Finanzinstitute würden damit auf die Nachfrage ihrer größten Kunden reagieren, so Bloomberg. Fondsmanager wollten in der Lage sein, ihre Handelsgeschäfte abzuschließen, ohne dass sich die Aktienkurse gegen sie verschieben. Auktion nicht gleich AuktionFerber rief die ESMA dazu auf, sich diese “Umgehungstatbestände, die die Ziele von Mifid II aushöhlen”, genau anzuschauen und diesem Treiben Einhalt zu gebieten. “Wenn der Markt kreative Umgehungsmöglichkeiten entwickelt, muss auch die Aufsicht schnell und entschlossen einschreiten und diese Schlupflöcher schließen”, so der CSU-Abgeordnete. Allerdings sind periodische Auktionen und periodische Auktionen zwei paar Schuh. Der Börsenbetreiber CBOE Global Markets bietet seit 2015 ein periodisches Auktionsbuch an, das “lit”, also mit Vorhandelstransparenz, läuft und auch Best-Execution-Transaktionen unter Mifid II ermöglicht. Das Volumen in diesem Orderbuch ist zuletzt markant gestiegen. Festhalten lässt sich, dass die Transparenz aber nicht gestiegen ist: Laut dem Datendienstleister Fidessa hat sich der Anteil des transparent abgewickelten Handelsvolumens (“lit”) etwa im Blue-Chip-Index Dax seit der Einführung von Mifid II von rund 50 % auf rund 40 % verringert. 2017 lag der Anteil des Lit-Handels auch niedriger, doch zeigt sich, dass ein Ziel von Mifid II bisher nicht erreicht worden ist. Der sogenannte Off-Book-Handel in Dax-Titeln macht laut Fidessa nämlich rund 23 % und der Handel über systematische Internalisierer inzwischen rund 22 % aus. Systematische Internalisierer haben von Mifid II enorm profitiert – vor Januar war ihr Anteil kaum größer als 1 %. Der Handel über Auktionen macht laut Fidessa rund 12 % aus, wovon der größte Teil im Dax auf die Deutsche Börse zurückgeht.