Unicredit sorgt für Überraschungen

Vorzeitige Bekanntgabe der vorläufigen Quartalszahlen - Gewinnsprung dank Pioneer-Verkauf

Unicredit sorgt für Überraschungen

Eine IT-Panne hat die Unicredit veranlasst, ihre Quartalszahlen zwei Wochen früher als geplant zu veröffentlichen. Dank eines milliardenschweren Buchgewinns aus dem Verkauf der Tochter Pioneer lässt sich das Ergebnis aber sehen.tkb Mailand – Die HVB-Mutter Unicredit hat am Dienstag für Aufsehen gesorgt. Nicht etwa der Gewinnsprung im dritten Quartal überraschte; dieser war vorherzusehen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse brachte den Finanzmarkt leicht aus der Fassung. Denn Unicredit hatte ursprünglich den Termin für die Bekanntgabe der Quartalsergebnisse am 9. November festgesetzt. Eine angebliche Datenpanne habe den Verwaltungsrat dazu bewogen, eine Krisensitzung einzuberufen und die provisorischen Quartalsdaten bereits Dienstagfrüh vor Börsenstart zu veröffentlichen. Wie die Bank selbst mitteilte, waren montags in E-Mails an Analysten und auf der Website der Bank versehentlich Tabellen mit Teilen der Geschäftszahlen des abgelaufenen Quartals veröffentlicht worden.Ob es sich um eine technische Panne oder um einen Hackerangriff handelt, blieb zunächst unklar. An der Mailänder Börse gab die Unicredit-Aktie trotz des Gewinnsprungs anfänglich nach, konnte sich aber im Lauf der Börsensitzung wieder erholen. Bereits im Sommer hatte Unicredit vor einem möglichen Hackerzugang gewarnt. Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier befindet sich derzeit in Abu Dhabi, wo die Bank eine neue Filiale eröffnet. Analysten in Mailand bezeichneten die Panne als Schock. Mailänder Börsenkreise fragen sich auch, inwieweit der derzeit stattfindende Personalumbau und -abbau bei Unicredit sich auf die Qualität auswirkt. Mustier hat der Bank nach seinem Amtsantritt im Sommer vergangenen Jahres einen harten Sparkurs verordnet, dem bis 2019 insgesamt 14 000 Stellen zum Opfer fallen. Auch hat der Bankenchef neben einer einmaligen Kapitalerhöhung von 13 Mrd. Euro u.a. auch die Beteiligung bei der polnischen Pekao-Bank, bei der Online-Bank Fineco und die Ukraine-Tochter veräußert.Laut Bloomberg-Analysten entsprach der Überschuss von 2,82 Mrd. Euro im Zeitraum Juli bis September den Erwartungen. Denn der Buchgewinn aus dem im Juli verkauften Assetmanagement-Unternehmen Pioneer an Amundi (Crédit Agricole) machte 2,1 Mrd. Euro aus. Der Nettogewinn hätte ohne den Erlös aus dem Verkauf der Fondstochter Pioneer 838 Mill. Euro gegenüber 447 Mill. im Vorjahr betragen. Unter den Erwartungen lag hingegen die Ertragsentwicklung, da die Erlöse aus dem Handelsgeschäft im Zeitraum Juli bis September 2017 um knapp ein Fünftel auf 381 Mill. Euro und die Zinserträge um 3,5 % auf 2,5 Mrd. Euro sanken. Eine leicht positive Entwicklung bei den Provisionserlösen konnte den gesamten Ertragsrückgang nicht bremsen. Diese fiel im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4 % auf 4,65 Mrd. Euro zurück.Die von Mustier vor einem Jahr eingeleitete Sanierung beginnt Erfolg zu zeigen. Nachdem die HVB-Mutter zur Jahreswende 17,7 Mrd. Euro fauler Kredite abgab und nun dabei ist, weitere 1 Mrd. NPL zu veräußern, haben sich Rücklagen für faule Kredite im dritten Quartal im Jahresvergleich von 977 auf 598 Mill. Euro reduziert. In den ersten neun Monaten sanken sie von 2,6 Mrd. auf 800 Mill. Euro im Jahresvergleich.Erfolge zeigen sich auch beim Kostenabbau. Im Zeitraum Januar bis September 2017 wurden die operativen Kosten von 8,9 Mrd. im Vorjahr auf 8,5 Mrd. Euro verringert. Die harte Kernkapitalquote erreichte Ende September 13,5 % nach 12,8 % zur Jahresmitte. Der Vorsteuergewinn stieg von 1,5 auf 2,7, der Nettogewinn von 1,77 auf 4,67 Mrd. Euro.—– Wertberichtigt Seite 8