Union Investment mag Verlagerung

Arbeitspapier: Abzug des Euro-Clearing von London zu Eurex Clearing könnte bis zu 30 Prozent einsparen

Union Investment mag Verlagerung

Für die Fondsbranche würde die Verlagerung des Euro-Clearings auf den Kontinent Kosteneinsparungen mit sich bringen, sagt der Fondsverband BVI und stützt sich auf eine Berechnung von Union Investment.dm Frankfurt – Der Fondsverband BVI begrüßt ausdrücklich eine mögliche Verlagerung des Euro-Clearings weg von London zur Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing. Denn die Buy Side, also Vermögensverwalter und institutionelle Anleger, sowie Fondsanleger könnten dabei von niedrigeren Gebühren profitieren. Damit widerspricht der BVI einer im Markt verbreiteten Einschätzung, wonach eine Verlagerung des Clearings von Euro-denominierten Zinskontrakten (Swaps) und Kreditausfallversicherungen zu Mehrkosten für die Finanzmarktakteure führen würde, weil ein großer Liquiditätspool auseinandergerissen würde. In London kursieren Schätzungen wie jene des Finanzdatendienstleisters Clarus, die von bis zu 77,5 Mrd. Dollar Mehraufwand für die Hinterlegung zusätzlicher Sicherheiten für den Ersteinschuss (Initial Margin) ausgehen (vgl. BZ vom 14. Juni).Der BVI bezieht sich dabei auf ein Arbeitspapier von Union Investment. Demnach würden “währungsübergreifende Netting-Effekte deutlich überbewertet”. Das Optimierungspotenzial für Marktteilnehmer durch eine alternative Zusammenstellung existierender Liquiditätspools bei einer Verlagerung des Euro-Clearings werde dabei “nicht ausreichend berücksichtigt”, so Union Investment. “Wenn es gelingt, das Euro-Clearing an den internationalen Finanzplatz Frankfurt zu holen, profitieren von den zu erwartenden Kosteneinsparungen auch die deutschen Fondsanleger”, wird Jens Wilhelm, Kapitalmarktvorstand bei Union Investment, in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung des BVI zitiert. Bei der Eurex Clearing seien “bereits heute alle rechtlichen und technischen Voraussetzungen für ein Euro-Clearing gegeben”.In dem Arbeitspapier von Union Investment wurden mittels Portfolioanalysen sowie Unterstützung von Eurex Clearing die Auswirkungen einer Verlagerung des Euro-Zinsswap-Geschäfts von dem Londoner Clearinghaus LCH zu Eurex Clearing untersucht. Direktionales PortfolioBeispielhaft wurde eine Swap-Transaktion über 100 Mill. Euro über fünf Jahre Laufzeit und Halten bis zur Fälligkeit angenommen, die sich in einem direktionalen Portfolio befindet. Ein direktionales Portfolio setzt entweder nur auf steigende oder nur auf fallende Kurse. Union Investment errechnete, dass sich durch eine Verlagerung etwa zu Eurex Clearing bis zu 30 % der Kosten für den Vermögensverwalter einsparen ließen. Dabei verteilen sich die Einsparungen auf günstigere Gebühren des zentralen Kontrahenten (CCP), Eurex Clearing, gegenüber der zur London Stock Exchange (LSE) gehörenden LCH sowie auf geringere Einschusspflichten (Initial Margin). Auch würden die Gebühren der Clearing-Broker, also Vermittler wie Großbanken, die einem Vermögensverwalter erst Zugang zu einem Clearinghaus bieten, mittelfristig durch neue Zugangsmodelle zu Eurex Clearing sinken. OptimierungspotenzialIm beschriebenen Fall würden die Kosten für eine über LCH geclearte Swap-Transaktion in einer Bandbreite von 44 500 Euro bis 67 000 Euro liegen, während bei einer Verrechnung über einen zentralen Kontrahenten innerhalb der EU-27 wie Eurex Clearing 39 000 Euro bis 58 000 Euro bezahlt werden müssten. Mittelfristig könnten die Kosten durch eine Verringerung der Geld-Brief-Spanne, die wegen der Verlagerung des Euro-Clearings zunächst größer wird, auf 31 500 Euro bis 48 000 Euro sinken.Die Untersuchung nimmt an, dass die Netting-Effizienz in dem Portfolio rund 20 % beträgt und es keine produktübergreifende Anrechnung von Sicherheiten (cross-product margining) gibt. Die Kosten für den Ersteinschuss des Vermögensverwalters würden sich bei einer Verlagerung “deutlich reduzieren”, schreibt Union Investment. Optimierungspotenzial ergebe sich durch die Abwicklung von Euro-denominierten börsengehandelten Derivaten und OTC-Transaktionen auf einer Plattform, wie etwa das außerbörsliche Euro-denominierte Swap-Buch mit Euro-denominierten börsengehandelten Derivaten oder auch Repo-Transaktionen. Beim Wettbewerber LCH sind Repo-Geschäfte über die in Paris ansässige Tochter LCH SA möglich, doch wäre ohne gleichzeitige Verlagerung des Zinsswap-Geschäfts eine entsprechende Optimierung nicht möglich.Fast alle Zinsswaps von Vermögensverwaltern über LCH müssten mit Bargeld beziehungsweise Staatsanleihen besichert werden. Dadurch müssten Assetmanager entsprechende Cash-Bestände vorhalten beziehungsweise können Staatsanleihen nicht für andere Zwecke wie Wertpapierleihe nutzen. Das breitere Spektrum an erlaubten Sicherheiten an der Eurex werde “ergänzt durch die Möglichkeit, Wertpapiere aus anderen Finanztransaktionen erneut zu nutzen, so Union Investment.Der für Zahlungsverkehr zuständige Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele sagte unterdessen, es erscheine ihm als “Ultima ratio” zwingend notwendig, dass ein zentraler Kontrahent eines Drittstaates dann, wenn von ihm erhebliche Risiken für die EU und den Euro ausgehen, sein Euro-Clearing-Geschäft in letzter Konsequenz in die EU verlagern müsse.