Vom Ende einer Erfolgsstory und dem Wunderwuzzi EZB
Vom Ende einer Erfolgsstory und dem Wunderwuzzi EZB
Die Commerzbank ist 150 Jahre alt geworden. Dabei ging ein anderes Jubiläum etwas unter: Die Comdirect, nach Meinung mancher Beobachter schon lange das Beste an der Commerzbank, wurde gerade 25. Mit der deutlich breiter als die “Wertpapiersupermärkte” Direkt Anlage Bank und Consors – sie waren etwas früher gestartet – aufgestellten Direktbanktochter waren die Gelben ein absoluter Trendsetter. Ende Februar 1995 präsentierte das damalige Vorstandsmitglied Erich Coenen den Neuling, der das Tagesgeldkonto mit 3,8 % verzinste, vor der Presse. 50 000 Kunden und eine Bilanzsumme von 1 Mrd. DM lauteten die ehrgeizigen Ziele für das erste Jahr. Ende 2019 zählten die Quickborner mehr als 2,7 Millionen Kunden und betreuten ein Vermögen von 80 Mrd. Euro. Doch das Lebensalter 26 wird die bald komplett in die Muttergesellschaft integrierte Comdirect nicht mehr in Selbständigkeit erreichen – trauriges Ende einer Erfolgsstory. *Die Bilanzsaison am Bankenplatz läuft auf Hochtouren. Zu den Höhepunkten gehört stets die Jahrespressekonferenz des hessisch-thüringischen Sparkassenverbandes (SGVHT), dessen Chef Gerhard Grandke ein begnadeter Rhetoriker und höchst unterhaltsamer Kommunikator ist. Zu seinem Pflichtprogramm gehört seit Jahren, sich an der Politik der EZB abzuarbeiten. Mitunter hält er es aber auch für nötig, die Zentralbank gegen eine Instrumentalisierung durch die Politik in Schutz zu nehmen. Am Freitag warnte Grandke, die EZB dürfe im Zuge ihrer Strategieüberprüfung nicht zum “Wunderwuzzi” werden. So nennen Österreicher die eierlegende Wollmilchsau. Wenn Grandke die Debatte verfolgt, schwant ihm genau das: Die EZB solle stabile Preise gewährleisten, die Kreditvergabe verbessern, die Wirtschaft ankurbeln, die Banken beaufsichtigen, für Finanzstabilität sorgen, gegen Geldwäsche vorgehen, eine digitale Währung entwickeln und den Klimawandel bekämpfen. “Sie soll am besten mal kurz die Welt retten.” Und Strukturpolitik betreibe sie auch noch. Je mehr sich aber die Aufgaben vermischen, so Grandkes nachvollziehbares Petitum, desto weniger könne die EZB unabhängig bleiben. Sie müsse dann vielmehr demokratisch legitimiert und kontrolliert werden. *Ein anderes Highlight der Saison ist allweil die Bilanzpressekonferenz der DZ Bank, schon wegen der zumeist guten Nachrichten, die dort verkündet werden. Das gibt es ja am Bankenplatz nicht alle Tage. Zum zweiten Mal präsentierten jetzt die Co-Chefs Uwe Fröhlich und Cornelius Riese das Zahlenwerk. Fröhlich hatte einst zugesagt, das Duo werde das – eingedenk von Erfahrungen an anderer Stelle umstrittene – “Modell des Co-Vorstandsvorsitzes in der deutschen Bankenbranche zum Wohl der genossenschaftlichen Finanzgruppe neu definieren”. Mit der Umsetzung dieses Anspruchs sind sie gut unterwegs. Der anfängliche Eindruck bestätigt sich, dass zwischen die beiden kein Blatt Papier passt.