MUNICH RE ZIEHT BILANZ

Vorstand erwartet keine Rezession

Corona-Epidemie ohne große Auswirkung auf Rückversicherer - Keine Abnehmer für Pandemie-Police

Vorstand erwartet keine Rezession

Die Corona-Epidemie führt nach aktuellem Stand zu keinen deutlichen wirtschaftlichen Einbrüchen. Diese Ansicht vertrat die Munich Re auf der Bilanzpressekonferenz. Der Rückversicherer erwartet daher keine dramatischen Auswirkungen auf das Kapitalanlageergebnis. Darüber hinaus rechnet er nicht mit hohen Belastungen in der Rückversicherung. mic München – Die Munich Re hält die Folgen der Corona-Epidemie für die Konjunktur zum gegenwärtigen Zeitpunkt für begrenzt. “Aktuell rechnen wir nicht damit, dass es zu einer globalen Rezession führt mit deutlichen wirtschaftlichen Einbrüchen”, sagte Finanzvorstand Christoph Jurecka auf der Bilanzpressekonferenz. In dem Rückgang der Aktienmärkte möge vielleicht sogar eine Überreaktion enthalten sein, sagte Jurecka, je nachdem, wie sich die Epidemie weiter entwickle.Der Rückgang der Kurse gehe nicht spurlos an der Munich Re vorüber, räumte Jurecka zwar ein. Er betonte jedoch: “Umso mehr sind wir froh, dass wir Reserven aufgebaut haben, die wir jetzt sehr gebrauchen können, um die Effekte abzupuffern.” In der Rückversicherung sei die Munich Re momentan sowieso defensiv positioniert, was Aktien angehe. Das Fazit: Zum jetzigen Zeitpunkt seien die Auswirkungen nicht dramatisch. Jurecka hielt an der Prognose fest, den Nettogewinn 2020 von 2,7 Mrd. Euro auf 2,8 Mrd. Euro zu steigern.Eine Absicherung gegen das Pandemierisiko war für Wirtschaft und Gesellschaft in den vergangenen Jahren kein Thema, hat die Munich Re beobachtet. Man habe aktiv versucht, eine derartige Deckung zu verkaufen, sagte der zuständige Rückversicherungsvorstand Torsten Jeworrek: “Es gab nicht viel Nachfrage.” Dies habe leider mit der Risikowahrnehmung zu tun. Die Pandemiedeckung wäre ausgelöst worden, wenn sich eine Krankheit zeitlich oder regional in vorher definierter Weise ausdehnt.Munich-Re-Vorstandsvorsitzender Joachim Wenning berichtete, die Munich Re habe gemeinsam mit anderen Versicherern und der Weltbank eine Pandemie- bzw. Epidemiedeckung aufgesetzt. Damit würden medizinische Notfallmaßnahmen in potenziell betroffenen Regionen in den ärmsten der armen Länder – vor allem in Afrika – finanziert. Auf die Munich Re entfalle ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag. Aktuell seien diese Deckungen nicht ausgelöst worden. Er wies darauf hin, dass man in einer Bilanzpressekonferenz über die finanziellen Folgen rede, aber “das Thema hat auch eine emotionale Bedeutung”.Die Munich Re ist ebenso wie die Allianz der Auffassung, dass die Unternehmen die Kosten für Betriebsunterbrechungen infolge der Corona-Epidemie selbst tragen müssen (vgl. Bericht auf Seite 1 dieser Ausgabe). Es gebe spezielle Policen, die auch ohne vorherigen Sachschaden zahlten, hatte zwar Allianz-Vorstand Giulio Terzariol vor kurzem eingeräumt. Jedoch habe sein Unternehmen diese nicht vertrieben. Sein Munich-Re-Kollege Jeworrek sagte, weltweit möge es Graubereiche in der rechtlichen Interpretation geben, welcher Schaden zur Betriebsunterbrechung qualifiziere. Er ließ jedoch erkennen, dass er dies für Ausnahmetatbestände in einigen Regionen hält.Trotzdem könne das Coronavirus eine Bedeutung für Erst- und Rückversicherer haben, sagte Jeworrek: “Ein Veranstaltungsausfall ist ein Thema.” Dies könnten beispielsweise Sport- oder Konzertereignisse sein. Dies bedeute allerdings nicht, dass Epidemien und Pandemien automatisch gedeckt seien. Es hänge davon ab, ob die Police im Einzelfall dies einschließe: “Das kann man nicht pauschal sagen.” Teure Olympische SpieleJeworrek zufolge hat die Munich Re die Olympischen Sommerspiele in Tokio versichert – bisher gibt es keine Entscheidung für eine Absage. Es handle sich um einen Vertrag im dreistelligen Millionenbereich, sagte Jeworrek. Inwieweit die Munich Re bei einer Absage zahlen muss, wollte der Vorstand nicht offenlegen: “Ich kann über die Deckungsbedingungen nicht sprechen.”Die Gesamthaftung des Versicherers für die Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea hatte 250 Mill. Euro betragen. Die versicherbaren Interessen umfassten damals unter anderem internationale Sportgremien, nationale Organisationskomitees, Fernsehsender, Sponsoren, Hersteller von Merchandising-Artikeln, Tourismusunternehmen und Hotelbesitzer.Die Corona-Epidemie habe bereits zu einer Reihe von Absagen kleinerer und mittlerer Veranstaltungen insbesondere in Asien geführt, sagte der Vorstand. Dies seien größere oder mittlere einstellige Millionenbeträge gewesen: “Das ist noch kein großes Thema.”Betroffen ist die Munich Re in der Lebens- und Krankenversicherung sowie in deren Rückversicherung. Jeworrek gab jedoch aus seiner Sicht Entwarnung. “Bevor es materiell wird, muss es in die Hundertausende Tote weltweit gehen.” Im Fall von Millionen Toten könne die Belastung der Munich Re in die Größenordnung von rund 1,5 Mrd. Euro kommen. Dies sei jedoch kein Thema dieser Corona-Epidemie.Die Allianz erwartet darüber hinaus geringfügige Belastungen in der Reiseversicherung. Es sei nicht Allianz Partners betroffen, hatte Finanzvorstand Terzariol auf der Allianz-Bilanzpressekonferenz erläutert, sondern es gehe um bestimmte Verträge, die in Asien verkauft worden seien. Es handle sich aber um eine minimale Exponierung für die Gruppe. Zudem würden aktuell weniger Lebensversicherungen in China verkauft, so dass dort der Neugeschäftswert zurückgehe. Doch auch dies sei nicht wirklich maßgeblich für die Gruppe. Die Schlussfolgerung des Allianz-Vorstandsvorsitzenden Oliver Bäte mit Blick auf die Epidemie: “Von den Zahlen ist es bisher für uns kein großes Problem.”Im Asset Management könne die Epidemie aus Allianz-Sicht geringfügige positive Auswirkungen haben, weil sie zu geringeren Zinssätzen und einer Aufwertung des Dollar führen könne, sagte Terzariol im Gespräch mit Analysten. Dies solle jedoch nicht überbewertet werden.