Weimer setzt auf Zukäufe
Weimer setzt auf Zukäufe
Unter dem Eindruck großer Akquisitionen in der Branche setzt auch die Deutsche Börse verstärkt auf großvolumigere Zukäufe. Dies stellte Börsenchef Weimer in Aussicht. Im Mai will der Börsenbetreiber ein neues strategisches Optimierungsprogramm für den Konzern präsentieren.ku Frankfurt – Die Deutsche Börse setzt verstärkt auf Zukäufe. Dies machte der Vorstandsvorsitzende Theodor Weimer anlässlich der Bilanzpressekonferenz des Marktbetreibers in Frankfurt deutlich. Die Deutsche Börse reagiert damit auf eine Reihe großvolumiger Zukäufe und Übernahmeversuche von konkurrierenden Börsenbetreibern, die die Branche zunehmend prägen. Man habe für Akquisitionszwecke rund 2 Mrd. Euro in der Kasse. Hinzu komme zusätzliche “Feuerkraft” durch eigene Aktien, die die Deutsche Börse im Bestand hält, sowie die Möglichkeit, die Aktionäre um eine Kapitalerhöhung zu ersuchen.Die Deutsche Börse sieht sich durch die jüngsten Transaktionen, so etwa den Kauf von Refinitiv durch die London Stock Exchange (LSE) für 27 Mrd. Dollar, offensichtlich unter einem gewissen Druck: “Wir haben den Anspruch, dass uns LSE und andere Wettbewerber nicht zu weit enteilen. Wenn wir nicht wachsen, werden wir durchgereicht”, bekannte Weimer. Insofern sei die Übernahme durch die LSE ein Ansporn. Sehr großvolumigen und anspruchsvoll bewerteten Transaktionen wie dem Refinitiv-Deal erteilte er gleichwohl eine Absage: “Wir hätten uns eine Verschuldung wie die LSE und ein derart hohes Leverage nicht leisten können und wollen”, räumte er ein. Offerten für branchenfremde Ziele nach dem Vorbild des Interesses der US-Börse ICE an Ebay schließt Weimer grundsätzlich aus.Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in der Größenordnung von 24 verfüge die Deutsche Börse zwar über eine gute, aber nicht über eine hohe Bewertung, die Verschuldung als eine Währung für Akquisitionen billig machen würde. Und was die hohen Bewertungen von Wettbewerbern der Deutschen Börse betrifft, so stelle sich die Frage, ob dies immer so bleiben werde.Bezogen auf die Größenverhältnisse der jüngsten Übernahmen der Deutschen Börse wie der Einstieg bei Axioma für rund 850 Mill. Dollar und bei der UBS-Fondsvertriebsplattform Fondcenter für 360 Mill. Euro sagte Weimer, dass noch Luft nach oben bestehe für größere Deals. Unter dem Zugzwang, rasch Transaktionen vorweisen zu können, sieht sich Weimer allerdings wohl nicht. Es sei der größte Fehler, sich unter Zeitdruck setzen zu lassen und Deals durchzuführen, die dann auf die Füße fielen. Es sei sein Anspruch, betonte er, mit Transaktionen zu expandieren, deren Integration funktioniere. Hinsichtlich möglicher Übernahmeziele sagte Weimer auf Nachfrage, man würde ohne Zweifel daran interessiert sein, den Mailänder Börsenbetreiber Borsa Italiana zu übernehmen, sollte dieser von der LSE zum Verkauf gestellt werden. Interesse zeigte er zudem für den Bereich ESG (Environmental, Social, Governance). Derartige Themen müsse auch die Deutsche Börse aufnehmen.Auf die Frage, ob die Deutsche Börse auch an der Devisenhandelsplattform Currenex interessiert sei, sagte der Deutsche-Börse-Chef, der Handel mit Währungen sei ein Bereich, in dem der Frankfurter Marktbetreiber weiter wachsen wolle. Ferner sehe sich die Deutsche Börse die Abwicklung von Wertpapieren per Blockchain (“Tokenisierung”) an: “Das dürfen wir nicht an uns vorbeigehen lassen”, so Weimer. Gefahr für ClearstreamDiese Entwicklung könnte aber das Geschäft der Abwicklungssparte Clearstream langfristig in Frage stellen, wie Finanzvorstand Gregor Pottmeyer einräumt. Pottmeyer merkte an, dass eine Blockchain, die alle zehn Minuten ersetzt werde, sicherlich nicht den teilweise in Nanosekunden abgewickelten Handel bedrohe, aber schon eher die Abwicklung von Wertpapieren, die mit zwei Tagen Verzögerung (“T+2”) erfolge.Der Verbleib von Clearstream im Konzernverbund der Deutschen Börse wird von Weimer nicht in Frage gestellt. Es handele sich um einen integralen Bestandteil des Geschäftes. Clearstream biete 3 bis 5 % strukturelles Wachstum pro Jahr über die nächsten zehn Jahre. Das Volumen der Assets sei zuletzt von 13,5 auf 14,7 Bill. Euro gesteigert worden. “Das Geschäft gibt uns Sicherheit. Ich sehe nicht, dass wir dort Hand anlegen”, stellt er klar.Zum Londoner Kapitalmarkttag des Konzerns im Mai will der Vorstand ein neues mittelfristiges Optimierungsprogramm unter dem Namen “Compass 2023” präsentieren, dass die auslaufende “Roadmap 2020” ersetzen soll. Die Strategie des Konzerns werde aber evolutorischen Charakter haben. “Erwarten Sie genau das Gleiche, nur unter anderem Namen”, kündigte er an. Was Veränderungen im Konzernverbund der Deutschen Börse betrifft, so betonte Weimer, man fühle sich mit allen neun Segmenten im Portfolio der Deutschen Börse wohl. Anpassungsbedarf gebe es lediglich im Bereich der Subsegmente.Sehr positiv äußerte sich Pottmeyer zur Strombörse EEX. Diese sei das am besten performende Asset der vergangenen Jahre. So sei der Marktanteil bei europäischen Stromderivaten von 10 auf 40 % gestiegen. Ein ähnliches Wachstum von 20 auf knapp 50 % verzeichne die US-Strombörse Nodal.