Wells Fargo droht Sammelklage
Wells Fargo droht Sammelklage
Der US-Retailbank Wells Fargo droht der nächste Totalschaden. Die Bank, die in den vergangenen Jahren im Vertrieb einen besonders heißen Reifen fuhr, hat 900 000 Autokreditkunden unnütze Autoversicherungen verkauft. Einer von ihnen hat jetzt eine Klage eingereicht.sp New York – Der US-Retailbank Wells Fargo droht wegen des Vertriebs von unnützen Autoversicherungen an ihre Kreditkunden eine Sammelklage. Erst vor wenigen Tagen hatte das Institut nach einer internen Untersuchung eingeräumt, in den vergangenen Jahren mehr als 900 000 Kreditkunden unnötige Policen verkauft zu haben (vgl. BZ vom 29. Juli). Wells Fargo hatte angekündigt, bis zu 80 Mill. Dollar Entschädigung an die betroffenen Kunden zu zahlen, die in vielen Fällen in finanzielle Schieflage gerieten und ihr Auto nicht halten konnten. Jetzt hat ein erster Kunden eine Sammelklage eingereicht, in der er der Bank Betrug vorwirft. Wells Fargo habe für die zusätzlich abgeschlossenen Versicherungen Kickbacks vom Vertriebspartner General Holdings Corp. erhalten, heißt es in der in San Francisco eingereichten Klageschrift.Die Aktie notierte nahezu unverändert. Analysten hatten bereits darauf hingewiesen, dass die mit der Untersuchung verbundenen Rechtsrisiken höher als die von Wells Fargo veranschlagten 80 Mill. Dollar liegen. Kummer gewöhntDie Aktionäre von Wells Fargo, einer der größten Eigentümer ist Berkshire Hathaway, sind mit Blick auf die Vertriebspraktiken der Bank Kummer gewöhnt. Erst vor rund zehn Monaten hatte das Institut öffentlich eingeräumt, dass Mitarbeiter von Wells Fargo in den vergangenen Jahren mehr als 2 Millionen Phantomkonten für Kunden eröffnet haben, um ambitionierte Vertriebsziele zu erreichen. In einem Vergleich mit den Aufsichtsbehörden zahlte die Bank 185 Mill. Dollar. Insgesamt hat der Skandal das Institut mehr als 500 Mill. Dollar und viel Reputationskapital gekostet.Unter dem neuen CEO Tim Sloan, der wenige Wochen nach dem Bekanntwerden des Skandals den langjährigen Chef John Stumpf an der Unternehmensspitze ablöste, hat Wells Fargo zuletzt wieder positive Schlagzeilen gemacht. Nachdem die erbosten Investoren Ende April am Ende doch noch Sloans Bitte folgten und den gesamten Board bestätigten, schaffte es Wells Fargo Ende Juni zur Überraschung vieler Marktbeobachter ohne Rüffel durch den Bankenstresstest der Federal Reserve.Zweifel an der Corporate Governance von Wells Fargo kamen zuletzt wieder auf, als bekannt wurde, dass im Zuge einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Mitarbeiter die Daten von 50 000 Kunden der Bank ohne Autorisierung und Verschwiegenheitserklärung bei den Anwälten der Gegenpartei gelandet waren, was Anfragen von mehreren Aufsichtsbehörden nach sich zog.Das Eingeständnis der Bank, ihren Kunden im Geschäft mit Autokrediten auch unnütze Versicherungen verkauft zu haben, brachte Wells Fargo neuerlich scharfe Kritik ein. Elizabeth Warren, US-Senatorin der Demokratischen Partei aus Massachusetts, forderte die Federal Reserve zum wiederholten Mal auf, Boardmitglieder von Wells Fargo zu entfernen. Warren hatte mit ihrer öffentlichen Kritik an Stumpf im vergangenen Herbst wesentlichen Anteil an seinem Rücktritt.