Wells Fargo holt die Vergangenheit ein

US-Bank bucht 1 Mrd. Dollar Aufwand wegen Untersuchung zu Hypothekenmarkt - BofA überrascht positiv

Wells Fargo holt die Vergangenheit ein

Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise muss Wells Fargo überraschend einen Aufwand von 1 Mrd. Dollar in Zusammenhang mit einer Untersuchung zum US-Hypothekenmarkt verkraften. Der Gewinn bricht ein. Für die Kollegen bei der Bank of America (BofA) läuft es deutlich besser.sp New York – Die US-Retailbank Wells Fargo hat im dritten Quartal einen Ergebniseinbruch verzeichnet und die Erwartungen verfehlt. Grund sind Kosten in Höhe von 1 Mrd. Dollar, die im Zusammenhang mit Untersuchungen zum Geschäftsgebaren der drittgrößten US-Bank auf dem US-Hypothekenmarkt vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise stehen. Für die Konkurrenz bei Bank of America (BofA) lief es besser. Unter dem Strich schaffte das zweitgrößte US-Institut gestützt auf üppige Zinserträge das beste Quartalsergebnis seit sechs Jahren. Bereits am Donnerstag hatten Branchenprimus J.P. Morgan und Citi-group solide Zahlen abgeliefert (vgl. BZ vom 13. Oktober). Die BofA-Aktie kletterte um gut 1 %, während Wells Fargo mehr als 3 % einbüßten.Wells Fargo ist eine der wenigen US-Banken, die mit den Behörden, die rund um die vor zehn Jahren ausgebrochene Krise auf dem Hypothekenmarkt ermitteln, noch zu keinem Vergleich gefunden haben. Die jetzt im Zusammenhang mit diesen Ermittlungen aufgelaufenen Kosten katapultierten die Ausgaben auf rekordhohe 14,4 Mrd. Dollar. Unter dem Strich stehen 4,6 Mrd. Dollar Gewinn, während Analysten im Schnitt mit 5,1 Mrd. Dollar gerechnet hatten. Im Vergleich mit dem Vorjahr ist der Gewinn um ein Fünftel eingebrochen. Ohne den Sonderaufwand in Höhe von 20 Cent je Aktie hätte das Institut die Erwartungen im Ergebnis leicht übertroffen. Reputationsschaden belastetAuch operativ offenbarte die Bank aus San Francisco, die seit dem Bekanntwerden von unlauteren Vertriebspraktiken vor etwas mehr als einem Jahr in der Kritik steht, Schwächen. Die Erträge gingen um 2 % auf 21,9 Mrd. Dollar zurück. Vor allem das Community Banking, also das Kreditgeschäft mit US-Verbrauchern, in dem die Bank mit dem Reputationsschaden infolge diverser Vertriebsskandale zu kämpfen hat, schwächelte. Das Volumen neuer Autokredite war ebenso rückläufig wie die Gebühren aus dem Hypothekengeschäft. Das Kreditkartengeschäft entwickelte sich seitwärts.Vor einem Jahr musste die Bank öffentlich einräumen, dass Mitarbeiter mehr als 2 Millionen Phantomkonten eingerichtet hatten, und wurde zu einer Strafe von 185 Mill. Dollar verdonnert, worauf CEO und Chairman John Stumpf seinen Hut nahm und der damalige COO Tim Sloan an die Spitze aufrückte. In der Zwischenzeit sind sowohl die Zahl der Phantomkonten als auch die Strafzahlungen gestiegen. Zuletzt wurde bekannt, dass Kunden von Wells Fargo mit unnötigen Autoversicherungen beglückt wurden und im Hypothekengeschäft ungerechtfertigt hohe Gebühren bezahlt haben.CEO Tim Sloan musste erst vor wenigen Tagen zu einer Anhörung vor dem US-Senat antreten, bei der ihm der Kopf gewaschen wurde. Warren Buffett, der mit Berkshire Hathaway seit Jahren zu den größten Aktionären der Bank zählt, äußerte zuletzt ebenfalls scharfe Kritik. Das enttäuschende Abschneiden im dritten Quartal erhöht den Druck auf die Unternehmensspitze weiter.Für BofA-Chef Brian Moynihan hatte Buffett zuletzt nur lobende Worte. Moynihan mache einen “fantastischen Job”, erklärte die Investorenlegende vor kurzem dem Sender CNBC. Buffett ist vor wenigen Monaten zum größten Aktionär aufgestiegen. Zuvor hatte die Bank eine kräftig steigende Dividende in Aussicht gestellt, worauf Berkshire Hathaway ein milliardenschweres Paket an Vorzugsaktien in Namensaktien wandelte und dabei einen Buchgewinn von 11,5 Mrd. Dollar machte.Im dritten Quartal legte der Gewinn von BofA um 15 % auf 5,1 Mrd. Dollar zu und übertraf die Erwartungen. Die Erträge legten um 1 % auf 21,8 Mrd. Dollar zu und blieben damit etwas unter den Analystenschätzungen. Der Einbruch im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren wurde gestützt auf die von der US-Notenbank zuletzt mehrfach angehobenen Zinsen im Kreditgeschäft kompensiert. Bei J.P. Morgan und Citi hatte sich am Donnerstag ein ähnliches Bild gezeigt. Am Dienstag schließen Morgan Stanley und Goldman Sachs die Berichtssaison der wichtigsten US-Banken ab.—– Wertberichtigt Seite 6