IM INTERVIEW: REINHARD KLEIN

"Wir können jetzt wieder voll auf Angriff spielen"

Bausparkasse Schwäbisch Hall rechnet 2018 mit einem moderaten Wachstum - Genossenschaftliche Gruppe erwägt Einstieg in Makler-Plattformen

"Wir können jetzt wieder voll auf Angriff spielen"

Der Vorstandschef von Schwäbisch Hall, Reinhard Klein, sieht sein Institut nach dem Sparkurs seit 2014 gut für die Zukunft gerüstet. 2019 will die Bausparkasse ihren ersten Pfandbrief begeben und das neue Kernbanksystem der großen privaten Bausparkassen einführen. – Herr Klein, Sie haben den Vorstandsvorsitz bei Schwäbisch Hall im Sommer 2014 übernommen und haben seither vor allem Kosten gesenkt und Prozesse optimiert. Mit welchem Ergebnis?Ja, die ersten Jahre waren aufgrund des Niedrigzinsumfeldes davon geprägt, das Unternehmen strukturell zu konsolidieren und für die Zukunft aufzustellen. Das betraf auf der einen Seite Kostenmaßnahmen, aber auch die Marktseite und den Vertrieb mit neuen Bauspartarifen und einer Forcierung des Baufinanzierungsgeschäfts. Die Maßnahmen haben gut gegriffen. Wir können jetzt wieder voll auf Angriff spielen. – Was heißt das in Zahlen? Wir haben die Kosten einmalig im zweistelligen Prozentbereich gesenkt. Wir hatten 2014 das höchste Kostenniveau mit knapp 500 Mill. Euro, das wir bis auf 453 Mill. Euro heruntergefahren haben. 2017 lagen wir bei 470 Mill. Euro. Die Steigerung war wegen höherer Investitionen geplant. Damit haben wir ein gutes Kostenniveau erreicht. Dazu gehörte auch der Abbau von 220 Stellen im Innendienst, der geräuschlos erfolgte. Im Moment ist keine weitere Stellenreduzierung geplant. – Wie hat sich das Neugeschäft 2017 entwickelt?Wir haben im Bausparen unser Ziel eines Marktanteils von 30 % übertroffen und liegen nach unseren bisherigen Erkenntnissen bei 30,9 %. Bei den Tarifen steht wieder das klassische Bausparen im Vordergrund, das auf Finanzierung und Zinssicherung ausgerichtet ist. Renditegetriebene Tarife werden nicht angeboten. Bei der Baufinanzierung sind wir im Zusammenspiel mit der genossenschaftlichen Finanzgruppe subsidiärer Vollsortimenter. Wir konnten das Baufinanzierungsgeschäft 2017 um 5 % steigern, das sind bei uns etwa 700 Mill. Euro. Insgesamt haben wir ein Neugeschäftsvolumen von 14,6 Mrd. Euro erreicht. Damit dürften wir zu den Top drei Baufinanzierern in Deutschland zählen.- Was bedeutet das im Ergebnis? Wir gehen von einem Ergebnis über 300 Mill. Euro aus. Das ist deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Unsere veränderte Tarifstruktur hat gegriffen und das wachsende Baufinanzierungsgeschäft schlägt sich positiv in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung nieder. Die geplanten Kosten wurden zudem deutlich unterschritten, so dass wir bei der Cost-Income-Ratio wieder unter 60 kommen. – Was erwarten Sie im laufenden Jahr?Für 2018 rechnen wir mit moderatem Wachstum. Trotz des Booms sehen wir den Baufinanzierungsmarkt bei einem Volumen von etwa 240 Mrd. Euro – und damit auf hohem Niveau – stabil. Hier wollen wir zusammen mit den Genossenschaftsbanken weitere Marktanteile gewinnen. Beim Bausparen erwarten wir, dass sich der Markt erholen wird. Wir erleben derzeit ja einen Hauch von Zinsanstieg und merken das auch in den Gesprächen mit Kunden. Die werden für das Thema Zinssicherung wieder sensibler. Bausparen stand in den letzten Jahren in der Kritik. Aber: Wenn es jemals Sinn machte, sich ein Zinsniveau im Darlehensbereich zu sichern, dann jetzt auf diesem Niveau. – Von wem wollen Sie denn Marktanteile gewinnen? Unser Ziel beim Bausparen ist nicht schiere Größe, sondern ein profitabler Marktanteil von 30 % plus. Hier gibt es viele Wettbewerber, aber am Ende konzentriert es sich natürlich auf die Großen der Branche, und das sind Wüstenrot, BHW und die Landesbausparkassen. Bei der Baufinanzierung haben wir durch die genossenschaftliche Gruppe einen Infrastrukturvorteil. Denn bei aller Konsolidierung in der Bankenlandschaft sind wir noch immer am nächsten am Kunden und am tiefsten in der Fläche. Und das ist bei unseren Produkten ein Vorteil. – Was meinen Sie konkret, wenn Sie sagen, dass Sie wieder auf Angriff spielen wollen? Der Markt für Bauen und Wohnen gibt uns Rückenwind. In Deutschland fehlen nach Expertenschätzungen derzeit mehr als eine Million Wohnungen. Der Wohnraum bleibt also knapp. Wir müssen alles dafür tun, uns in diesem Markt zu positionieren. Mit unseren Angeboten in der Baufinanzierung und dem Bausparen, aber auch damit, wie wir den Zugang zu unseren Kunden ausbauen. Stichwort Digitalisierung. Wir haben erkannt, dass wir dafür unsere IT komplett neu aufstellen müssen und investieren einen dreistelligen Millionenbetrag in ein neues Kernbanksystem. Unsere zukünftige SAP/Hana-Infrastruktur ist technologisch auch für datengetriebene Geschäftsmodelle ausgelegt. – Wie könnten solche Geschäftsmodelle aussehen? Es reicht nicht, einfach ein Produkt online anzubieten. Wir müssen die Kundenansprache komplett ändern. Wenn der Kunde nur noch im Netz sucht, müssen auch wir uns im Netz bewegen. Dafür haben wir auch zum Beispiel unsere Kooperation mit Google weiter ausgebaut. – Worin besteht die Kooperation? Um den Kunden besser zu verstehen, brauchen wir analytische Methoden, und da verfügt Google über sehr gute Expertise. Kunden informieren sich heute zu über 90 % im Netz über Immobilien. Wir müssen wissen, wann der Kunde im Netz anfängt, sich zu informieren und wann er in die Entscheidungsphase kommt, eine Immobilie zu erwerben und zu finanzieren. Da dies in der Regel die größte finanzielle Entscheidung im Leben ist, wird nach der Online-Recherche der Vertragsabschluss noch zu über 95 % im Rahmen einer qualifizierten Beratung vorgenommen. Da drückt man nicht – zumindest heute noch nicht – einfach auf den Knopf und lässt sich schnell mal 300 000 Euro überweisen. Wenn es uns gelingt, unser Vertriebsnetz über die genossenschaftlichen Banken mit den Möglichkeiten von Google Analytics zu verknüpfen, tragen wir genau diesem Kundenverhalten Rechnung. – An dem Kernbankensystem sind auch Wüstenrot und BHW beteiligt. Mit welchem Ziel? Wir wollen das bestehende Geschäftsmodell komplett digitalisieren und papierlos machen. Das ginge zwar auch in den bestehenden Systemen, wäre aber sehr teuer und nicht zukunftsfähig. Außerdem gibt es Überlegungen, das Thema Bauen und Wohnen über die reine Finanzierung hinaus weiterzuentwickeln. Dafür ist die alte Infrastruktur nicht geeignet. Das Kernbanksystem muss die Kerndaten und die Grundfunktionen bereitstellen können und gleichzeitig in der Lage sein, Drittanbieter zu integrieren. Wir müssen also Systemintegrator werden.- Ab wann werden Sie das System nutzen? Wir werden ab dem Frühjahr 2019 die Kreditneuanträge darüber laufen lassen. Die komplette Umstellung inklusive der Migration aller Altbestände wird dann bis 2022 erfolgen. – Der IT-Dienstleister iBS baut das System für Sie auf. Können die IT-Dienstleister in der genossenschaftlichen Gruppe das nicht? Das ist nicht das Thema. Aber es ist sicher sinnvoll, mit jemandem zu arbeiten, der hier die entsprechende Erfahrung mitbringt. – Werden Kooperationen unter Wettbewerbern mit Blick auf die Digitalisierung jetzt auch bei Bausparkassen üblich?Man kann im Rahmen des wettbewerbsrechtlich Möglichen über viele Dinge nachdenken. Aber das ist jetzt erst einmal das erste große Projekt in dem Umfeld. Wir sind auch ein Stück weit stolz darauf, weil es oft nicht so einfach ist, sich mit dem Wettbewerb an einen Tisch zu setzen. Ich finde, das läuft sehr gut. In dem Dreierbündnis findet, auch wenn es zu Problemen kommt, ein schneller konstruktiver Austausch statt, der sich auf die Lösung konzentriert und nicht auf die Frage, wer Schuld hat. – Im Versicherungsgeschäft spielen Vergleichsplattformen eine immer größere Rolle. Wie ist das bei Baufinanzierungen? Das Plattformgeschäft nimmt stark zu und hat mittlerweile einen Anteil von 20 % bis 25 % im Baufinanzierungsgeschäft. Wir diskutieren intern auch konkrete Projekte mit der genossenschaftlichen Organisation, wie wir uns als Bankengruppe beim Thema Vergleichsplattformen positionieren wollen. Bei uns ist der Anteil noch gering, wir sehen hier für die Gruppe aber großes Wachstumspotenzial. – Inwiefern? Jeder kann seine Leistungen auf einer Plattform anbieten, aber perspektivisch wird man so zu einem reinen Produktlieferanten. Der Charme würde darin bestehen, als genossenschaftliche Organisation eine neue Plattform zu schaffen. Dabei muss man eines beachten: Der größere Anteil des Geschäfts – etwa zwei Drittel -, das über Plattformen läuft, ist B2B-Geschäft und betrifft Plattformen, über die Makler arbeiten. – Und in diese Richtung gehen auch Ihre Überlegungen? Genau. – Mit der Novellierung des Bausparkassengesetzes Ende 2015 hat der Gesetzgeber der Branche einige Erleichterungen verschafft. Welche nehmen Sie in Anspruch?Wir wollen beispielsweise die Möglichkeiten nutzen, zur Refinanzierung unseres wachsenden Baufinanzierungsgeschäfts Pfandbriefe auszugeben. Wir wollen 2019 den ersten Pfandbrief begeben und sind gerade dabei, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Zudem gibt uns das Gesetz neue Möglichkeiten in der Geldanlagepolitik, die wir auch nutzen. – Sie können jetzt auch in Aktien anlegen, machen Sie das? Wir untersuchen das gerade und schaffen dafür die grundsätzlichen Voraussetzungen. – Haben Sie auch Mittel aus dem “Fonds zur bauspartechnischen Absicherung” zur Ertragssicherung genutzt? Der Fonds war ursprünglich nur für Hochzinsphasen vorgesehen, falls die Bausparkassen aufgrund stark steigender Zinsen in Zuteilungsschwierigkeiten kommen. Das neue Gesetz ermöglicht auch den Zugriff in Niedrigzinszeiten zur Risikoabwehr, und das haben wir genutzt. Wir haben das Geld aus dem Fonds lediglich umgeschichtet in den Sonderposten für allgemeine Bankrisiken, da die Mittel aus dem Fonds in der IFRS-Rechnungslegung nicht Teil des Eigenkapitals sind. Wir haben die Reserven umgeschichtet und unsere Eigenkapitalquote verbessert – und nicht aufgelöst, um Dividenden zu zahlen oder Gewinne auszuweisen. – Um welche Summe handelte es sich 2017 dabei?Das waren 425 Mill. Euro. – Und nun fühlen Sie sich beim Eigenkapital gut aufgestellt? Beim Eigenkapital sind wir komfortabel aufgestellt. – Seit Januar müssen Sie den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS9 umsetzen. Wird das Auswirkungen auf Ihr Eigenkapital haben?Das stellt für uns über den regulatorischen Aufwand hinaus keine massive Herausforderung dar. – Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie sorgte in der ersten Fassung dafür, dass beispielsweise Ältere schlechter an Kredite kamen. Seither wurde bei der Richtlinie nachjustiert – spüren Sie das? Der gesamte Markt hatte, als die Richtlinie herauskam, aufgrund der entstandenen Unsicherheit einen kleinen Einbruch beim Neugeschäft. Alle wurden bei der Kreditvergabe zunächst vorsichtiger. Das hat sich wieder normalisiert. – Was kostet Sie die Regulierung eigentlich? Seit meinem Amtsantritt haben wir ungefähr 100 Mill. Euro in die Regulierung gesteckt und rund 100 Mitarbeiter dafür beschäftigt. Aber der Aufwand bemisst sich ja auch in der Aufmerksamkeit, die man dem Thema widmen muss. Bei Vorstandssitzungen haben früher Markt- und Wachstumsthemen dominiert. Heute ist die Regulatorik mindestens gleichgewichtig. Wir haben eine Bilanzsumme von fast 70 Mrd. Euro und bekommen das schon hin. Aber kleinere Finanzdienstleister müssen die Regeln auch einhalten, bei deutlich geringeren Ressourcen. Das kann nur zu Lasten der Kunden- und Marktbearbeitung gehen. – Wären Sie für eine Regulierungspause? Wir machen im eigenen Unternehmen ja auch regelmäßig Strategie-Reviews, und nach zehn Jahren kann man schon mal schauen, was sich bewährt hat und wo man möglicherweise den Mut haben muss, frühere Entscheidungen zu korrigieren. Bei aller Notwendigkeit der Regulierung: Ich kenne keine Branche, die durch immer stärkere Regulierung langfristig besser geworden ist.- Ihre Branche ließ zuletzt durch viele Gerichtsprozesse aufhorchen. Die Kündigung von Altverträgen nach zehn Jahren Zuteilungsreife wurde vom BGH für rechtens erklärt. Es laufen aber weitere Klagen gegen Gebühren- und Kündigungsklauseln. Wie ist bei Ihnen der Stand der Dinge?Zunächst einmal ist mir wichtig, bei dem Thema Ursache und Wirkung darzustellen. Die Niedrigzinspolitik der EZB ist ein hoheitlicher Eingriff in die Preisfindung am Markt. Wenn der Preis am Markt entstehen würde, dann hätten wir wahrscheinlich einen zehnjährigen Zins zwischen 2 und 4 %, und niemand in der Branche würde über Vertragskündigungen reden. Wir mussten aber auf die Preisänderung reagieren. Mit dem BGH-Urteil stehen die Kündigungen auf einer klaren rechtlichen Grundlage. Es macht natürlich keinen Spaß, Verträge zu kündigen, aber es ging unter den Rahmenbedingungen nicht anders. – Bei den Kündigungen müssten Sie mit dem größten Teil durch sein. Ja, das ist auch so. Bei uns sind von insgesamt 8,5 Millionen Verträgen 1 bis 2 % betroffen. – Und bei den laufenden Prozessen gegen Kündigungsklauseln, auch in Musterverträgen?Davon sind wir im Augenblick nicht direkt betroffen, aber das könnte natürlich Auswirkungen auf uns haben. Wir hatten als Branche früher keine Kündigungsklausel in den Verträgen und haben uns als Branche dann vorgenommen, mehr juristische Klarheit zu schaffen, unter welchen Bedingungen eine Bausparkasse einen Vertrag kündigen kann. Gegen diese Klausel wurde wieder geklagt. Wir wollen gerne klären, auch mit Verbraucherschützern, wie man diese Kündigungsklausel formulieren kann, damit sie transparenter ist. Aber wir wollen das so regeln, dass es sowohl für die Kunden als auch für die Branche vernünftig ist. – Gibt es eine informelle Gesprächsebene oder diskutieren Sie nur vor Gericht? Unsere beiden Branchenverbände, der öffentlich-rechtliche und der private, stimmen sich dazu gut ab und haben eine gemeinsame Position. Darüber versuchen wir natürlich auch mit den relevanten Ansprechpartnern ins Gespräch zu kommen. – Während die niedrigen Zinsen Ihren Ertrag belasten, steigt dadurch gleichzeitig die Nachfrage nach Immobilien. Das Thema spielte auch in den Koalitionsverhandlungen eine Rolle. Was halten Sie vom Ergebnis? Die Politik hat erkannt, dass auf diesem Gebiet großer Nachholbedarf besteht. Daher begrüßen wir die geplanten Maßnahmen in Richtung Bauen und Wohnen grundsätzlich. Um tatsächlich 1,5 Millionen neue Wohnungen zu schaffen, muss der private Wohnungsbau gestärkt werden. Dazu gehören Maßnahmen wie die Einführung eines Baukindergelds oder die Verbesserung der Wohnungsbauprämie. Da die hohen Nebenkosten beim Immobilienerwerb oft ein Hindernis darstellen, befürworten wir natürlich auch den in Aussicht gestellten Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer. – Und mit Blick auf den Immobilienbestand?Die 19 Millionen private Immobilien in Deutschland sind für 23 % des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Das Pariser Klimaabkommen sieht bis 2050 eine Reduktion des Primärenergieverbrauchs um 80 % vor. Wenn wir nicht an den Wohnungsbestand herangehen, wird das nicht funktionieren. Man muss, etwa über steuerliche Anreize, die Eigentümer dazu motivieren, ihre Immobilien energetisch zu sanieren. Zudem wird es mit Blick auf den demografischen Wandel wichtig, altersgerechte Wohnungen zu schaffen, damit die Menschen möglichst lange zu Hause wohnen können. Es geht nicht nur um mehr Wohnraum, sondern darum, den Wohnraum so zu gestalten, dass unsere Gesellschaft darüber ihren energetischen Zielen und demografischen Herausforderungen gerecht wird.- Wie entwickelt sich Wohn-Riester bei Ihnen? Wir haben in dem Bereich einen Marktanteil von rund 35 %. 2017 war der Markt leicht rückläufig. Auch, weil das Thema in der öffentlichen Diskussion fälschlicherweise oft schlechtgeredet wurde. Ein grundsätzlich gutes System, in das 18 Millionen Menschen – auch aufgrund der staatlichen Förderung – investiert haben, schlechtzureden, ohne eine Alternative oder eine neue Idee zu haben, das fördert die private Altersvorsorge nicht. – Glauben Sie, dass der Rückgang weitergeht? 2018 wurde die Grundzulage noch einmal erhöht. Das ist ein gutes Signal seitens der Politik, dass das Produkt eine Zukunft hat und haben muss. Ich habe noch keine genauen Zahlen für den Januar, aber ich gehe davon aus, dass sich das Geschäft wieder ein Stück weit belebt. – Die Wohnungsknappheit bedeutet auch, dass die Immobilienpreise in Metropolregionen stark steigen. Wird das weiter gehen? Eine Immobilienblase ist meist spekulativ bedingt und kommt mit hohen Ausläufen in der Finanzierung, wie wir das in den USA erlebt haben. Wenn aber eine Million Wohnungen fehlen und sich die Preise in Ballungsräumen und ländlichen Regionen stark unterschiedlich entwickeln, dann ist dies nachfragegetrieben. Hinzu kommt: Vor vier bis fünf Jahren lag das Fremdmittelaufkommen bei einer Immobilienfinanzierung im Schnitt bei 75 %, heute sind es 78 %. Sollten die Preise einbrechen, dann wäre das vielleicht für den Einzelnen ein Problem. Aber aus Marktsicht ist die Finanzierung noch immer solide. In der Fläche würden wir daher im Augenblick nicht von einer Blase sprechen. In den Ballungsräumen könnten die Preise weiter leicht steigen. Aber wir kommen langsam auch an eine Obergrenze, an der die Gegenseite fehlt, die das alles finanzieren kann. —-Das Interview führten Isabel Gomez, Thomas List, Claus Döring und Detlef Fechtner.