"Wir verteilen keine Spenden"

BayernLB-Vorstandschef Winkelmeier ist gegen laxe Kreditprüfung - Neue Strategie wird weiter verfolgt

"Wir verteilen keine Spenden"

Der Vorschlag aus der Politik, Kreditprüfungen lockerer anzugehen, ist mit der BayernLB nicht zu machen. Pragmatisch, aber kaufmännisch korrekt lautet die Devise von Vorstandschef Stephan Winkelmeier. Auf dem Weg zur neuen Strategie will er sich vom Coronavirus nicht aufhalten lassen. jh München – Die Bayerische Landesbank (BayernLB) hält ungeachtet der Coronakrise an der Neuausrichtung ihrer Strategie fest. “Wir nehmen nicht den Fuß vom Gas”, sagte der Vorstandsvorsitzende Stephan Winkelmeier in der Bilanzpressekonferenz via Telefon. Die Bank ist dabei, die Direktbank DKB und das Geschäft mit Gewerbeimmobilien auszubauen. Das Firmenkunden- und das Kapitalmarktsegment sind seit Beginn dieses Jahres zusammengelegt. Manches könne sich allerdings verzögern, betonte Winkelmeier. Im Kreditgeschäft etwa habe der Beitrag der BayernLB zum Bewältigen der Krise Priorität. “Wir haben eine riesige Verantwortung für unser Land und die Menschen”, betonte der Vorstandschef. Eine laxe Kreditprüfung, wie von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erbeten, ist nach seinen Worten mit der Landesbank jedoch nicht zu machen: “Wir verteilen keine Spenden.” Die BayernLB finde einen pragmatischen Weg, um die Förderkredite von KfW und LfA abzuwickeln und gleichzeitig ihre kaufmännischen Verpflichtungen zu erfüllen.2019 sank das Ergebnis der BayernLB vor Steuern auf 653 Mill. Euro (siehe Tabelle). Damit schnitten die Bayern abermals besser ab als die LBBW (612 Mill. Euro) und die Helaba (533 Mill. Euro). Zwar profitierte die Bank wieder von Sondererträgen. Doch für den Abbau von 400 Arbeitsplätzen im Kapitalmarktgeschäft stellte die Bank 210 Mill. Euro zurück. Ohne das Restrukturierungsergebnis von – 217 (i. V. 2) Mill. Euro wäre das Ergebnis vor Steuern einen Tick höher als 2018. Grund für den Rückgang des Konzernergebnisses ist zudem der auf 187 (41) Mill. Euro gestiegene Steueraufwand. Finanzvorstand Markus Wiegelmann berichtete, dieser habe sich im vergangenen Jahr normalisiert. “Halten einiges aus”Die geplante Dividendenzahlung an die Gesellschafter Freistaat und bayerische Sparkassen setzt die Bank gemäß der allgemeinen Empfehlung der Europäischen Zentralbank zunächst aus (vgl. BZ vom 3. April). Vorgesehen waren 150 (175) Mill. Euro, wie Winkelmeier berichtete.Eine Geschäftsprognose für dieses Jahr ist nach Meinung des Vorstands nicht möglich. Klar ist nach Winkelmeiers Worten, dass die Coronakrise das Jahresergebnis beeinträchtigen wird. Wichtig sei, dass die BayernLB eine sehr gute Ausgangsposition habe. Mehrmals wiesen die beiden Vorstände auf eine solide Ausstattung mit Kapital und Liquidität hin. “Wir sind robust aufgestellt und halten an der Ecke einiges aus”, formulierte es Wiegelmann. Auch LBBW und Helaba hatten im vergangenen Monat betont, für die Coronakrise gerüstet zu sein.Über mögliche Sondereffekte und Belastungen in diesem Jahr unabhängig von Corona äußerte sich das Management der BayernLB nur zurückhaltend. “Dafür ist es noch zu früh”, sagte Wiegelmann. Bekannt ist, dass in der Münchner Kernbank noch mehr Stellen als die bisher genannten 400 gestrichen werden. Wie viele und wie dies das Ergebnis belasten wird, war nicht zu erfahren. “Das kommt zu einem späteren Zeitpunkt”, kündigte Winkelmeier an. Millionen von der HetaEin positiver Effekt war 2019 die nochmals gestiegene Auflösung von Risikovorsorge (s. Tabelle). Ende Dezember habe die Landesbank 265 Mill. Euro von der Heta erhalten, berichtete Finanzchef Wiegelmann. 2018 hatte es 150 Mill. Euro gegeben. Die Heta ist die Bad Bank der Hypo Alpe Adria in Österreich, deren Kauf 2007 die BayernLB in große Nöte gebracht hatte. Die Erträge in beiden Jahren resultieren aus einem Vergleich, mit dem alle Rechtsstreitigkeiten mit der Heta beendet wurden. Keine Risikoauflösung mehr Der Blick auf die Geschäftssegmente zeigt, dass die BayernLB mehr oder weniger nur mit der DKB und dem Geschäft mit Gewerbeimmobilien und den Sparkassen Geld verdient hat (siehe Grafik). Im Firmenkundengeschäft blieb zwar der Zinsüberschuss mit 265 Mill. Euro stabil und der Provisionsüberschuss sank nur um 5 Mill. auf 103 Mill. Euro. Doch in der Risikovorsorge wechselte das Vorzeichen: 2018 überwogen die Auflösungen mit 55 Mill. Euro, 2019 wurde eine Vorsorge im Umfang von 81 Mill. Euro gebildet. – Wertberichtigt Seite 6