"Wir wollen eigenständig bleiben"
"Wir wollen eigenständig bleiben"
Die Bayerische Börse gewinnt Marktanteile im Aktienhandel und ist mit dem geschäftlichen Erfolg der vergangenen Jahre zufrieden. Vorstand Robert Ertl pocht auf die Eigenständigkeit des Handelsplatzes und lehnt einen Zusammenschluss von Trägergesellschaften wie von Düsseldorf mit Hamburg/Hannover ab.Von Michael Flämig, München”Wir liegen genau im Businessplan, den wir uns bis zum Jahr 2020 vorgenommen haben”, sagt der neue Vorstand Robert Ertl im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Mit dem Börsenplatz Gettex für den aktiven Privatanleger, dem Spezialistenmodell Max-One und dem Mittelstandssegment M:access lege die Bayerische Börse aktuell den absoluten Fokus auf den Wertpapierhandel. Strategisch sei angesichts dieser Aufstellung unverändert klar: “Wir wollen eigenständig bleiben.”Die Bayerische Börse hatte im Januar 2015 ihre Handelsplattform Börse München samt Max-One um die Plattform Gettex erweitert, die unter dem Marketmaker Baader Bank ein häufiges Handeln ohne Courtage oder andere Entgelte ermöglicht. Das Ziel, Ende 2016 alle relevanten Online-Banken in Gettex integriert zu haben, sei zwar nicht erreicht worden, räumt Ertl ein. “Das war aber fast ausschließlich bedingt dadurch, dass die Ressourcen der Banken gebunden waren durch die Einführung der Finanzmarktrichtlinie Mifid II.” Die Börse wolle nun die fehlenden großen Online-Institute bis Ende des laufenden Jahres anschließen: Consorsbank, S Broker, Onvista, Targobank und Deutsche Wertpapier-Service Bank. Bis zum Jahr 2020 sollen außerdem einige ausländische Broker angebunden sein.Damit aber ist es aus Sicht von Ertl nicht getan: “Es ist das erklärte Ziel, in der Ordermaske der angeschlossenen Banken unter den Top 3 aufzutauchen.” Denn nur bei einer derartigen Platzierung ist es wahrscheinlich, dass die Kunden Gettex ansteuern. Bisher ist der Börsenplatz bei ING-DiBa und Comdirect so weit vorne platziert. Wichtig für die Institute sei neben Qualität und Entgelt auch die Marktstellung des Börsenplatzes. “Ein Henne-Ei-Problem”, kommentiert Ertl – denn Volumen wird eben auch durch eine prominente Platzierung in der Ordermaske generiert. Zusätzlichen Schub bringt Ertl zufolge der Einstieg in den Zertifikatemarkt im Jahr 2016. “Wir hatten immer gesagt: Solange es nichts Neues gibt, werden wir nicht die Nächsten sein, die den Zertifikatehandel einführen”, erinnert sich Ertl. Mit der HVB habe die Bayerische Börse dann aber ein Modell geschaffen, in dem der Emittent der Marketmaker für seine eigenen Zertifikate auf Gettex sei: “Das ist einzigartig in Deutschland und wird vom Markt sehr interessiert aufgenommen.” Mit HSBC werde aktuell der zweite Emittent integriert, künftig sollten jährlich zwei neue Adressen hinzukommen. Der Zertifikatehandel auf Gettex sei günstiger als der außerbörsliche Tausch. Die Entgelte seien ähnlich, aber die Komplexität für die Emittenten werde deutlich reduziert: “Wir sind Pionier mit diesem Vorgehen.” Marktanteil steigtIn der Folge hat die Börse ihren Marktanteil ohne Xetra und Derivate ausgebaut. Während im Jahr 2015 noch rund 3 % des Handels auf die bayerische Metropole entfielen, sei der Anteil auf 5 % im vergangenen Jahr gestiegen, sagt Ertl. Der Trend setzte sich im Januar mit 5,1 % fort. Der Handelsumsatz stieg im vergangenen Jahr über Max-One um 141 % und über Gettex um 46 %. Auch eine Kostensenkung als zweites strategisches Ziel beim Gettex-Start habe die Börse erreicht: Die Ausgaben für Max-One und Gettex seien um 40 % geringer als für Max-One allein vor der Systemumstellung. Die Folge: “Das Ergebnis aus dem Börsenhandel hat sich bereits verbessert.” Zwar falle noch ein Verlust an, jedoch habe sich der Abstand zur Gewinnschwelle verringert. Für Schwung sorgt Ertl zufolge auch die Informationskampagne, die die Börse vor einigen Jahren gestartet hat. In Zusammenarbeit mit örtlichen Banken lade man mehrfach pro Monat zu Infoveranstaltungen ein, meist kämen einige Hundert Kunden: “Wir sind eine der wenigen Börsen in Deutschland, die das so intensiv betreiben, vielleicht sogar die einzige.” Die Aufklärung werde von der Zielgruppe honoriert, der Anteil von Börse München an den ausgeführten Orders der örtlichen Institute steige. Die neue Schwerpunktsetzung ist nach Ansicht von Ertl auch der Grund dafür, dass die Börse München in der breiten Finanzöffentlichkeit nicht mehr so prominent wahrgenommen wird wie zu jener Zeit, als immer neue geschäftliche Initiativen und ein breit angelegtes Marketing im Vordergrund standen. Aber: “Allgemeine Öffentlichkeitsmaßnahmen haben zu große Streuverluste.” Nun versuche die Börse eben, ihre Kunden zielgerichteter zu erreichen. Fusionen keine OptionSehr zufrieden zeigt Ertl sich mit der Leistung des Marketmakers Baader Bank: “Es hat Hand und Fuß, was sie für Gettex machen.” Einen Zusammenschluss, wie ihn die Träger der Börse Düsseldorf und der Plätze Hamburg/Hannover vollziehen, lehnt Ertl für die Bayerische Börse ab: “Wir sehen keinen Benefit in einem derartigen Zusammenschluss der Trägergesellschaften.” Schließlich verringere sich die Zahl der Spezialisten- und Marketmaker-Modelle durch derartige Fusionen nicht.Max-One an der Börse München sei unverändert erfolgreich, betont Ertl. Gerade kleinere Banken schätzten die direkte Anbindung: “Es ist kein Geheimnis, dass für einige Banken die Xontro-Anbindung zu teuer ist.” Zudem könnten in München spezielle Lösungen für die Orderabwicklung angeboten werden. So seien die Fondssparpläne sehr beliebt bei den Kunden. Gut entwickle sich auch das Mittelstandssegment M:access, sagt Ertl. Mittlerweile seien mehr als 50 Emittenten gelistet. Wie im Vorjahr sollten auch in der laufenden Periode ein halbes Dutzend neuer Adressen hinzukommen.