Wolfgang Leeb
Wolfgang Leeb
ski – Der letzte Kontakt mit Wolfgang Leeb liegt fast viereinhalb Jahre zurück. In einem herzlichen Brief mit aktuellem Foto und geschmückt mit weiß-blauen Ornamenten bedankte er sich bei der Redaktion für eine kleine Würdigung seines Lebenswerks in Form einer Personalie anlässlich seines 90. Geburtstages. Weiß-blau, das war für den gebürtigen Münchener und bekennenden Bayer aber nicht nur Geburtsort und Heimat, sondern auch ein starkes Stück Lebensphilosophie. Für die Dresdner Bank wiederum, in deren Diensten Leeb nahezu vier Jahrzehnte stand, war er lange Zeit die personifizierte Repräsentanz im Freistaat. Als “weiß-blaue Säule” der grünen Bank hat ihn die Börsen-Zeitung bei früherer Gelegenheit beschrieben. Diese Rolle füllte er mit Leidenschaft aus, lange bevor seine Bank 2001 mit der Übernahme durch die Allianz selbst vorübergehend in weiß-blaue Eigentümerschaft wechselte.Die Karriere des Betriebswirts bei der Dresdner Bank hatte 1957 nach der Promotion begonnen. Stolze 17 Jahre, von 1970 bis 1987, gehörte er dem Vorstand an, zunächst unter Jürgen Ponto, am Ende seiner operativen Tätigkeit dann unter Wolfgang Röller. Leeb hätte zweifellos selbst das Zeug zum Sprecher oder Vorsitzenden gehabt. Sein Einfluss auf strategische Entscheidungen und die Geschäftspolitik in der guten alten Zeit der letztlich in der Commerzbank aufgegangenen Dresdner Bank war aber auch so von unschätzbarem Wert. Unter seiner Ägide wurde zum Beispiel das Münchener Bankhaus Reuschel von der Dresdner übernommen und mit Erfolg weiterentwickelt (2009 musste die Commerzbank die Tochter, heute Donner & Reuschel, auf Geheiß der EU-Kommission veräußern). Auch die Verschmelzung der Pfälzischen Hypothekenbank mit der Deutschen Hypothekenbank, Vorgängerinstitute der längst selbst untergegangenen Eurohypo, gehörte seinerzeit zu Leebs strategischen Meilensteinen und war Teil seines gelungenen Aufbauwerks.Im Vorstand war Leeb für den Geschäftsbereich Inland zuständig, also praktisch für das Firmen- und Privatkundengeschäft. Er betreute “naturgemäß” die Niederlassungsbereiche München und Nürnberg und war obendrein für den Konzernstab Finanzen und Rechnungswesen verantwortlich. Nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand gehörte Leeb, der bis ins hohe Alter geistig auf der Höhe der Zeit war, bis 1995 dem Aufsichtsrat der Dresdner Bank an. Im Ruhestand hielt er von Bayern aus lange Kontakt zu ehemaligen Kollegen und Wegbegleitern am Finanzplatz Frankfurt. Nun ist Wolfgang Leeb am vergangenen Dienstag im gesegneten Alter von 94 Jahren verstorben.