"Zinsüberschuss wieder größer als unser Aufwand"
"Zinsüberschuss wieder größer als unser Aufwand"
– Herr Dr. Jagau, in welcher Verfassung sehen Sie die Sparkasse Hannover?Unser diesjähriges Geschäftsergebnis ist ein guter Erfolg. Es zeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, sowohl mit unserem Geschäftsmodell als auch mit den Anpassungen, die wir in der jüngsten Vergangenheit vorgenommen haben.- Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Zinsüberschusses und des Betriebsergebnisses vor Bewertung?Unser Zinsüberschuss ist wieder deutlich größer als unser ordentlicher Aufwand – ein Kennzeichen für eine grundsolide Geschäftsentwicklung bei Kreditinstituten. Die freut uns und macht uns zuversichtlich. Umso mehr, als im vergangenen Jahr auch viele organisatorische Änderungen unseren Arbeitsalltag bestimmt haben. Das Ergebnis aus dem operativen Geschäft, also das Betriebsergebnis vor Bewertung und Steuern, stieg deutlich von 90,7 Mill. Euro oder 0,65 % der durchschnittlichen Bilanzsumme auf 120,9 Mill. Euro oder 0,84 % der DBS.- Bei Ihnen läuft ein mehrjähriges Programm bis 2019. Wie weit sind Sie beim Stellenabbau und bei der Straffung des Filialnetzes gekommen? Was steht 2018 an?Wir werden in diesem Jahr zehn unserer Standorte komplett schließen und an vier Standorten einen SB-Bereich einrichten. Was unsere Mitarbeiterzahl betrifft, ist die ja schon leicht gesunken. Außerdem haben wir in diesem Jahr auf der Agenda, ein sozialverträgliches Personalabbauprogramm auf freiwilliger Basis zu starten. – Muss das Sparprogramm noch einmal nachgebessert werden?Nein, momentan sehen wir keinen Grund zu einer Nachbesserung.- Wo steht die Aufwand-Ertrags-Relation und wie beurteilen Sie die Perspektiven?Die Cost-Income-Ratio, das Verhältnis der ordentlichen Aufwendungen zum Bruttoertrag, verbesserte sich 2017 erheblich auf 65,5 %. Im Vorjahr waren es 72,4 %. Perspektivisch gehen wir davon aus, dass die Cost- Income-Ratio 2018 auch aufgrund der Kosten für das von uns geplante Personalabbauprogramm vorübergehend steigen wird, um dann bis 2020 unter das Niveau von 2017 zu sinken.- Die Online-Konten sind für Neu- und Bestandskunden bei Ihnen seit zwei Jahren nicht mehr kostenfrei. Welche Erfahrungen haben Sie seit dieser Umstellung gemacht, etwa beim Kundenwachstum und bei den Erträgen? Wie wir erwartet hatten, ging die Zahl der Konten und auch die der Kunden leicht zurück. Manche unserer Kundinnen und Kunden haben lediglich ihr zweites oder drittes Konto bei uns geschlossen. Was den Ertrag betrifft, ist das Girogeschäft auch weiterhin eine wesentliche Säule unseres Geschäfts.- Werden in diesem Jahr Gebühren für Produkte und Dienstleistungen erhöht? Wenn ja, welche Maßnahmen stehen an und warum? Nein, es sind in diesem Jahr keine besonderen Preismaßnahmen vorgesehen. – Welche Belastungen hat die Sparkasse durch den Null- bzw. Negativzins im Zuge ihrer Geldanlage?Die Belastungen bestehen hauptsächlich darin, dass wir den Negativzins nicht an Privat- und viele Gewerbekunden weitergeben können. Grob geschätzt sind das so 25 Mill. Euro im Jahr, die wir bei einer alternativen institutionellen Refinanzierung als Mehrertrag hätten. – Inwieweit sind Negativzinsen für Ihre Kunden ein Thema?Die Einnahmen aus Verwahrentgelten lagen 2017 im mittleren sechsstelligen Bereich, das lindert den Schmerz nur wenig. Verwahrentgelte werden von ausgewählten sehr großen gewerblichen und institutionellen Kunden erhoben. Der größere Effekt der Einführung von Verwahrentgelten besteht darin, dass wir den Zufluss an “vagabundierender” Liquidität eingedämmt haben und im Sichteinlagenbereich nicht mehr so schnell wachsen wie zuvor. Wir haben aber immer noch erhebliche Passivzuflüsse, besonders von Privatkunden. – Wie sieht Ihre Geschäfts- und Ergebnisprognose für das laufende Jahr aus?Wir erwarten operativ ein Betriebsergebnis vor Bewertung, das leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegt. Wir denken, dass wir das sehr gute Dienstleistungsergebnis von 2017 nicht wiederholen können. Zudem wird der ordentliche Aufwand wieder ansteigen. Wir planen konservativ mit einem höheren Bewertungsaufwand 2018. Das Kreditgeschäft wird spürbar wachsen, das Einlagengeschäft eher stagnieren, während die Bedeutung des Wertpapiergeschäfts zunehmen wird. Da wir uns vorausschauend und frühzeitig auf die dynamische Entwicklung der Rahmenbedingungen eingestellt haben, sind wir für die Zukunft gut gerüstet und auch künftig solide wirtschaftlich leistungsfähig.- Der neue Sparkassenpräsident Helmut Schleweis plädiert für mehr Zusammenarbeit im Sparkassenlager. Was denken Sie? Wo sehen Sie Ansätze?Ich teile die Meinung von Herrn Schleweis. Mehr Zusammenarbeit gerade bei der Entwicklung von digitalen Lösungen macht sehr viel Sinn. Mit dem S-Hub, einer Tochtergesellschaft der StarFinanz und einiger Sparkassen, haben wir ein neues Kooperationsmodell gefunden, in dem agil an Innovationen gearbeitet werden kann. Elf Versicherer in der Gruppe, acht Landesbausparkassen und sieben Landesbanken machen deutlich, dass hier auch noch Effizienz-Potenziale zu heben sind.—-Das Interview führte Carsten Steevens.