Autozulieferer

Conti enttäuscht Anleger mit Ausblick

Nach einem 2020 verbuchten Nettoverlust von –962 Mill. (i.V. –1,23 Mrd.) Euro strebt Continental in diesem Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone an. Nach dem bereits zuvor bekannt gewordenen Ausfall der Dividendenzahlung enttäuschte der Autozulieferer gestern mit seinem Ausblick für 2021.

Conti enttäuscht Anleger mit Ausblick

ste Hamburg

Nach dem im Coronakrisenjahr 2020 verbuchten zweiten Jahresverlust in Folge hat der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental seine Aktie mit seiner Prognose für das laufende Jahr auf Talfahrt geschickt. Das Unternehmen kündigte an, für 2021 neben einer Umsatzsteigerung um 7,4 bis 12,7% auf 40,5 bis 42,5 Mrd. Euro mit einer bereinigten Umsatzrendite (Ebit-Marge) von 5 bis 6 (i.V. 3,5)% zu rechnen. Dabei werden für die Automotive-Geschäftsfelder insgesamt Erlöse zwischen 24 und 25 Mrd. Euro sowie eine bereinigte Ebit-Marge zwischen 1 und 2 (–1,8)% erwartet. In den Rubber-Geschäftsfeldern kalkuliert Conti mit Umsätzen von insgesamt 16,5 bis 17,5 Mrd. Euro sowie mit einer bereinigten Ebit-Marge zwischen 11,5 und 12,5 (11,3)%.

Die Aktie des Zulieferers gab nach Vorlage der vorläufigen Jahreszahlen 2020 und des Ausblicks um 8% auf 118,50 Euro nach. Conti war damit größter Tagesverlierer im Dax. „Für Enttäuschung sorgt erwartungsgemäß der Ausblick für das Automotive-Geschäft in diesem Jahr“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Er verwies auf „zwei Sonderthemen“: Zum einen werde die Knappheit an Chips 2021 mit voraussichtlich 200 Mill. Euro Sonderfrachtkosten belasten. „Zum anderen wenden wir im Wachstumsfeld assistiertes bis autonomes Fahren bis zu 250 Mill. Euro mehr auf, um von einem sehr attraktiven Auftragspool in den nächsten zwei bis drei Jahren bei unseren Kunden profitieren zu können.“

Durch diese Themen werde die Automotive-Marge in diesem Jahr mit etwa mit einer halben Milliarde Euro belastet. An der im Dezember bei der Neuausrichtung der Konzernstrategie bekannt gegebenen Prognose, im Automotive-Bereich mittelfristig – das heißt in den kommenden drei bis fünf Jahren – eine bereinigte Umsatzrendite von 6 bis 8% zu erreichen, halte Conti fest, unterstrich Schäfer. Die Zusatzaufwendungen seien für dieses Margenziel auch notwendig.

Der Finanzvorstand sagte weiter, es sei davon auszugehen, dass sich der Automotive-Bereich im ersten Quartal im Rahmen der Prognose bewegen werde, die auch für das Gesamtjahr gelte: bezogen auf den Umsatz eher am unteren Ende des Ausblicks, bezogen auf das Ergebnis eher am oberen Ende des Korridors von 1 bis 2%. „Ich will auch nicht ausschließen, dass wir diese Marke sogar leicht überschreiten können.“ Derzeit sei man wie die Autoindustrie insgesamt bemüht, die Auswirkungen der Chip- und Waver-Knappheit so gering wie möglich zu halten. „Bei uns sind 800 Mitarbeiter damit beschäftigt, die Knappheit im Sinne der Kunden bestmöglich zu optimieren“ sagte Schäfer. „Rückstellungen für mögliche Schadenersatzforderungen haben wir nicht gebucht.“

Der seit Dezember amtierende Vorstandschef Nikolai Setzer sagte in einem Online-Pressegespräch mit Blick auf den Engpass bei der Versorgung der Autoindustrie mit Halbleiter-Komponenten, die Pandemie habe auch in den Lieferketten Spuren hinterlassen. Der Fokus liege auf der „Mitigierung der Situation“ und dem Erhalt der Produktionsfähigkeit der Kunden. Um Lieferketten besser zu planen, mehr Lagerbestände aufzubauen und bessere Frühwarnsysteme zu erzeugen, stehe man im Austausch mit Lieferanten und Kunden und arbeite „24 Stunden sieben Tage“, so Setzer. Eine Lösung werde es nicht ohne gemeinsame Verpflichtungen geben.

Die zusätzlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 200 bis 250 Mill. Euro im Geschäftsfeld des assistierten und autonomen Fahrens basieren auf der Erwartung einer Verdopplung des Auftragsvolumens in dem Bereich von rund 35 Mrd. Euro in den Jahren 2018 bis 2020 auf 70 Mrd. Euro in den Jahren 2022 bis 2024. „Das Potenzial wächst enorm“, sagte Finanzchef Schäfer. Darauf bereite sich Conti mit den zusätzlichen Investitionen vor. „Wir streben einen fairen Anteil an den Aufträgen in diesem Bereich an“, so der CFO. In den Jahren 2018 bis 2020 habe man Aufträge im Wert von mehr als 9 Mrd. Euro von Autoherstellern weltweit im Bereich des assistierten Fahrens erhalten.

Die Prognose für 2021 setzt eine Zunahme der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen um 9 bis 12% verglichen mit dem Vorjahr voraus. Im vergangenen Jahr ging die Produktion Schätzungen zufolge um 16% zurück. Der Umsatz von Conti sank organisch um 12,7%, die bereinigte Ebit-Marge landete bei 3,5 (7,3)%. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie habe man durch hohe Disziplin bei Ausgaben und Investitionen gemildert, woraus ein freier Cash-flow vor Akquisitionen und Carve-out-Effekten von 1,1 (1,3) Mrd. Euro resultierte. Für 2021 stellt Conti eine Spanne von 0,9 bis 1,3 Mrd. Euro in Aussicht. Das Liquiditätspolster per Ende 2020 von 10,7 Mrd. Euro bezeichnete der Konzern als äußerst komfortabel. Der Verschuldungsgrad erhöhte sich aufgrund des gesunkenen Eigenkapitals auf 32,7 (25,6)%, lag aber unter dem Zielwert von 40%.

Continental
Konzernzahlen nach IFRS1
in Mill. Euro20202019
Umsatz3772244478
Bereinigtes Ebit213333226
Ber. Ebit-Marge (%) 3,57,3
Ebit–718–268
Finanzergebnis–212–320
Steuern11–582
Konzernergebnis3–962–1225
Ergebnis je Aktie (Euro)–4,81–6,13
Divid. je Aktie (Euro)03,00
Roce (%)–3,2–1,0
Freier Cash-flow879762
Abschreibungen437525246
Investitionen522323309
Nettofinanzschulden41394072
Eigenkapitalquote (%)31,937,3
Beschäftigtenzahl236386241458
Marktwert (9.3.2021)23700
1) vorläufig; 2 ) bereinigt um Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände aus Kaufpreisallokation, Konsolidierungskreisveränderungen und Sondereffekte; 3 ) den Anteilseignern zuzurechnen; 4) ohne Abschreibungen auf Finanzanlagen; 5) in Sachanlagen und Software Börsen-Zeitung