FINANZMARKTKALENDER - NÄCHSTE WOCHE

Lufthansa muss weiter bangen

Zustimmung zur Kapitalerhöhung bei der Hauptversammlung am Donnerstag ist nicht sicher

Lufthansa muss weiter bangen

lis Frankfurt – Am kommenden Donnerstag entscheidet sich das weitere Schicksal der Lufthansa. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmen die Aktionäre über eine Kapitalerhöhung ab, die dem deutschen Staat eine Beteiligung von 20 % an der Fluglinie ermöglicht. Das ist Teil des Rettungspakets in einem Volumen von bis zu 9 Mrd. Euro, mit dem die Bundesregierung die von den Folgen der Corona-Pandemie schwer gebeutelte Airline unterstützen will. Die Zustimmung der Aktionäre ist Voraussetzung für das Gesamtpaket, denn ohne Kapitalerhöhung und Staatseinstieg kommt auch der Rest nicht zustande. Ohne die Liquidität aus Staatshänden könnte der Lufthansa bald das Geld ausgehen, letzten Angaben zufolge verbrennt das Unternehmen monatlich 800 Mill. Euro. Nicht umsonst warnt Lufthansa immer wieder davor, sich womöglich in ein Schutzschirmverfahren flüchten zu müssen, wenn die staatliche Rettungsaktion scheitert.Die Kritik an dem geplanten Staatseinstieg reißt allerdings nicht ab, und so steht noch in den Sternen, ob die Aktionäre der Kapitalerhöhung tatsächlich zustimmen. Die Fondsgesellschaft Union Investment etwa steht der Beteiligung des deutschen Staats an der Lufthansa auch kritisch gegenüber, will die Rettung der Airline aber billigen. “Wir stimmen der Staatsrettung zu”, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Statement von Patrick Schuchter, Portfoliomanager bei Union Investment, zur Hauptversammlung. “Aber wir fordern, dass die Interessen der Altaktionäre sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Lufthansa bei der Ausgestaltung des Rettungspakets stärker berücksichtigt werden”, fügte er hinzu. “Durch die Kapitalerhöhung ohne Beteiligungsmöglichkeit für die Altaktionäre werden die Aktionärsrechte beschnitten”, kritisierte Schuchter. Die Airline drohe zudem von Schulden erdrückt zu werden.Gegen den Einstieg des Staates hatte auch Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele in den vergangenen Tagen Front gemacht. Ihm ist der Staatsanteil von 20 % ein Dorn im Auge, auch weil dieser unter bestimmten Bedingungen auf eine Sperrminorität von 25 % anwachsen könnte. Thieles Stimme könnte am Donnerstag durchaus das Zünglein an der Waage sein, denn er kommt mittlerweile auf eine Beteiligung von über 15 %. Da die Lufthansa mit einer Präsenz von wenig über 40 % bei dem Aktionärstreffen rechnet, könnte es eng werden mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Lehnen die Anteilseigner die Kapitalerhöhung ab, würde dies bedeuten, “dass die Deutsche Lufthansa AG möglicherweise zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen müsste, wenn es dann nicht unverzüglich zu einer anderen Lösung kommt”, warnte Lufthansa am Mittwoch.Auch die Verantwortlichen der Fluglinie hatten sich mit einer Zustimmung schwergetan und sich neben dem Staatseinstieg vor allem an den in Brüssel geplanten Auflagen gestört. Diese konnten abgemildert werden, so dass der Aufsichtsrat mit Verspätung doch zustimmte. Nachverhandlungen hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz indes ausgeschlossen: Das Paket sei verhandelt “und Punkt”. Vorgesehen sind “Stabilisierungsmaßnahmen und Kredite” von bis zu 9 Mrd. Euro. Davon sind bis zu 5,7 Mrd. Euro stille Einlagen. Außerdem sollen zum Bezugspreis von 2,56 Euro – also für insgesamt rund 300 Mill. Euro – Aktien erworben werden, um eine Beteiligung von 20 % aufzubauen. Im Falle einer drohenden Übernahme der Airline kann auf 25 % plus eine Aktie erhöht werden. Zudem stellt die KfW einen Kredit von bis zu 3 Mrd. Euro zur Verfügung.