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GELD ODER BRIEF

Glänzende Chancen für Goldcorp

Von Markus Gärtner, Vancouver


Geht es nach den Analysten, stehen dem Goldproduzenten Goldcorp einige gute Monate ins Haus. "Obwohl die Investoren sich derzeit nicht auf ein inflationäres Umfeld konzentrieren, glauben wir, dass längerfristig das viele Kapital, das in die globale Wirtschaft gepumpt wurde, zu höheren Inflationserwartungen führt und die Nachfrage nach Gold erhöhen wird", sagt beispielsweise Tanya Jakusconek, Branchenexpertin bei Scotia Capital. Ihre Prognose für den Goldpreis lautet auf 1 750 Dollar je Feinunze für dieses Jahr und die beiden folgenden Jahre. Die in Vancouver angesiedelte Goldcorp bewertet Jakusconek mit "Sector Outperform" und nennt ein Kursziel von 67,50 kan. Dollar. Das lässt dem Titel ein Potenzial von 43,8 %.
Laut Jakusconek werden 2012 jene Goldaktien die höchsten Zuwächse erzielen, die als sichere und defensive Investments gesehen werden: mit Minen in politisch stabilen Ländern, expandierenden Margen, einem wachsenden Cash-flow und steigenden Dividenden. Goldcorp, die in der kommenden Woche ihre Bilanz für das vierte Finanzquartal vorlegen wird, passt in diese Beschreibung. Der Goldschürfer, der seine Minen in Kanada, den USA, Mexiko, Guatemala und Argentinien betreibt, profitierte bis in das dritte Quartal hinein vom steigenden Goldpreis und verbuchte allein auf Quartalsbasis einen Umsatzsprung um 47,8 % auf 1,31 Mrd. Dollar.

Optimistische Analysten


Die 18 Analysten, die bei Zacks Investment Research für Goldcorp aufgeführt werden, trauen Goldcorp bis 2014 eine Steigerung des Gewinns je Aktie von 74 % zu. Elf Researchhäuser versehen den Titel daher mit einem "Strong Buy", vier weitere Analysten stufen Goldcorp mit "Kaufen" ein und nur drei mit "Neutral".
Das Unternehmen gehört mit Cashkosten von 258 Dollar je Feinunze zu den günstigsten Produzenten. Im laufenden Jahr sollen sich die Förderkosten zwischen 250 und 275 Dollar bewegen. Im jüngsten Quartal konnte Goldcorp ihre Kosten je Feinunze sogar um 10 % gegenüber dem Vorquartal senken. Doch im Jahresvergleich nahmen die Betriebskosten um 35 % zu, vor allem wegen des Starts der Penasquito-Mine in Mexiko, steigender Löhne der im Bergbau knapp werdenden Facharbeiter sowie negativer Einflüsse des starken kanadischen Dollar.

Hohe Ausschüttungsquote


Mit 13 % des operativen Cash-flow liegt die Dividendenausschüttung bei Goldcorp im Branchenvergleich nur hinter Newmont Mining (15 %), aber vor Yamana (11 %) und Newcrest Mining (9 %). Goldcorp steigerte den Cash-flow je Aktie seit 2009 um 44 % und den Gewinn je Aktie um 16 %. Mit fünf neuen Minen in der Bauphase, darunter Pueblo Viejo, die 2012 bereits den Großteil des Produktionszuwachses von 3,4 % tragen soll, hält der Konzern eine aussichtsreiche "Pipeline" vor. Für vier weitere Minen werden Machbarkeitsstudien erarbeitet. Goldcorp strebt einen satten Ausbau der Förderung bis 2016 um 70 % an.
Für die Mine Pueblo Viejo wurde jedoch zuletzt "signifikant weniger Produktion wegen bereits gemeldeter Projektverzögerungen" berichtet. Weniger Produktion wird im laufenden Jahr auch in der Gold- und Silbermine Marlin in Guatemala erwartet, wo Goldcorp vom Tagebau in den viel aufwendigeren Bergbau übergehen muss. Die laufende Expansion des Unternehmens wird außerdem durch den kräftigen Investitionsaufwand von 2,6 Mrd. Dollar in diesem Jahr verdeutlicht. Goldcorp will nach eigenen Angaben im Jahr 2012 auch rund 34 Mill. Unzen Silber abbauen, was das Unternehmen auch zu einem der größten Silberproduzenten macht.
Das Unternehmen präsentiert sich nach Meinung der Mehrzahl der Analysten in einer guten Liquiditätssituation. Neben einer Cashposition von 1,5 Mrd. Dollar (zum Jahreswechsel) besteht eine ungenutzte Kreditfazilität im Volumen von 2 Mrd. Dollar. Bis 2016 soll der jährliche operative Cash-flow jeweils 3,7 Mrd. Dollar betragen. Diese komfortable Position erlaubte zwar im vergangenen Jahr eine rasant steigende Ausschüttung. Doch das konnte bei den zuletzt stark schwankenden Goldpreisen nicht die größeren Schwankungen des Aktienkurses vermeiden. Goldcorp notieren rund 16 % unter dem 52-Wochen-Hoch vom September und nur 11,7 % über dem 52-Wochen-Tief vom Dezember.

Noch viel Potenzial


Die meisten Kursprognosen der Analysten, die Goldcorp auf der Kaufliste haben, sind jedoch nicht ganz so überschwänglich wie die von Scotia Capital. Die Deutsche Bank, die Goldcorp als Kauf empfiehlt, hob ihr Kursziel Mitte Januar auf 58 Dollar an. Das liegt aber gleichwohl um fast 25 % über dem aktuellen Kursniveau. Die Analysten bei Zacks sehen Goldcorp mit ihrem neutralen Rating auf 48 Dollar zusteuern. Diese Kursprognose vom vergangenen Dezember ist nun fast erreicht.
Goldcorp geriet zur Wochenmitte in Nordamerika in die Schlagzeilen, weil die Ontario Securities Commission (OSC) eine Untersuchung wegen Insiderhandels gegen die kanadische Investmentbank GMP Securities eingeleitet hat. Die Fahnder werfen einer ehemaligen Beschäftigten von GMP vor, Informationen über anstehende Transaktionen von Klienten weitergeleitet zu haben. Mit der Verwertung dieses Insiderwissens sollen bei Börsengeschäften 962 000 Dollar Gewinn erzielt worden sein. In der Untersuchung der Börsenaufsicht wird auch Ian Telfer, der Chairman von Goldcorp, genannt. Telfer wird nicht beschuldigt, sich an dem Insiderhandel beteiligt zu haben. Doch hat er laut der OSC möglicherweise geholfen, die Insidergeschäfte zu ermöglichen. Telfer bezeichnet die Vorwürfe als "völlig haltlos" und hat angekündigt, sich vehement dagegen zur Wehr zu setzen. Ob und wie sich ein mögliches Insiderverfahren auf die Goldcorp-Aktie auswirken wird, ist nicht absehbar. Ein Effekt ist aber unwahrscheinlich.

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