Artikel Archiv >
IM GESPRÄCH: GEORG REUTTER

"Goldene Dekade für die Immobilienbranche ist vorbei"

DZ-Hyp-Vorstandschef hält die Pandemie für einen tiefgehenden Einschnitt - Neugeschäft um 17 Prozent geschrumpft - Zuversicht bei Ergebnisverlauf

Bei der DZ Hyp ist im Coronakrisenjahr das Neugeschäft um 17 % geschrumpft. 2021 hält das Institut, das zu den führenden Immobilienbanken in Deutschland gehört, eine leichte Steigerung für möglich. Das Risikobudget wird erhöht, doch bei der Ergebnisentwicklung zeigt die Bank insgesamt Zuversicht.

Von Carsten Steevens, Hamburg


"Die goldene Dekade für die Immobilienbranche ist aus meiner Sicht vorbei." Für Georg Reutter, den Vorstandsvorsitzenden der zur genossenschaftlichen Finanzgruppe gehörenden DZ Hyp, war die Corona-Pandemie ein tiefgehender Einschnitt. In einzelnen Assetklassen sei es zu starken Rückgängen gekommen, und es sei sehr fraglich, ob frühere Transaktionsniveaus wiederkehren werden, sagt der Chef einer der führenden Immobilienbanken in Deutschland im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.
Nachdenklich stimmen Entwicklungen etwa im Einzelhandels- und Büroimmobiliensektor, die sich mit Rückgängen bei den Transaktionsvolumina um 5 % auf 10,4 Mrd. bzw. um 33 % auf 24,5 Mrd. Euro im vergangenen Jahr als Verlierer in der Coronakrise erwiesen. Zwar zeigt sich Reutter überzeugt, dass Büros auch in Zukunft gebraucht würden und es in diesem Bereich zu einer Renaissance bei den Transaktionen kommen werde. Noch nicht genau abschätzen ließen sich aber Veränderungen infolge der Pandemie, etwa durch die Verlagerung von Arbeit aus den Büros ins Homeoffice.
Nach dem 2019 erreichten Transaktionsrekord am deutschen Immobilieninvestmentmarkt, den der Branchenspezialist JLL mit 91,3 Mrd. Euro bezifferte, gingen die Volumina im Coronakrisenjahr 2020 um rund 11 % auf unter 82 Mrd. Euro zurück. Auch wenn Reutter mit Blick auf die Perspektiven einzelner Assetklassen mehr Skepsis erkennen lässt, so konzediert er doch, dass 2020 gemessen an den Transaktionsvolumina insgesamt ein weiteres Spitzenjahr für den Immobilienmarkt gewesen sei. "In einem schwierigen, durch die Pandemie beeinflussten Umfeld hat sich die Assetklasse Immobilien ganz ordentlich geschlagen."
Seit 2015 haben die jährlichen Transaktionen die Marke von 70 Mrd. Euro stetig übertroffen. Reutter geht davon aus, dass dies auch im laufenden Jahr der Fall sein wird. "Was den deutschen Immobilienmarkt 2021 angeht, rechnen wir in Erwartung einer konjunkturellen Belebung in der zweiten Jahreshälfte mit Transaktionsvolumina, die sich insgesamt in der Größenordnung des vergangenen Jahres bewegen." Stabilisierend wirkten sich unverändert der Anlagedruck bei Investoren und der Mangel an renditeträchtigen Alternativen aus.
Vor diesem Hintergrund geht die DZ-Bank-Tochter beim Neugeschäft 2021 von einem leichten Anstieg verglichen mit dem Vorjahr auf rund 11 Mrd. Euro aus. "Eine schnelle Rückkehr zu Volumina wie 2019 erwarten wir infolge der Pandemie nicht", sagt Reutter. Die Bank plane für 2021 und die Folgejahre konservativ. "Damit haben wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht."
Im vergangenen Jahr schrumpfte das Neugeschäft der DZ Hyp um rund 17 % auf 10,7 Mrd. Euro. Das sei, so Reutter, "eine Zahl, auf die wir trotz des Rückgangs stolz sein können". Sie liege nur knapp unterhalb des Planwerts. "Auch bei uns haben sich die einzelnen Assetklassen unterschiedlich entwickelt", erläutert der Bankchef. Sehr gut verlief den Angaben zufolge die Entwicklung in der privaten Baufinanzierung mit einem um 12 % auf 2,1 Mrd. Euro gestiegenen Neugeschäft. Hingegen ging das Neugeschäft mit öffentlichen Kunden um rund 100 Mill. auf gut 600 Mill. Euro und das Geschäft mit Firmenkunden um etwa ein Fünftel auf 8 Mrd. Euro zurück.
"In Jahren mit Krisen, in denen einzelne Engagements stärker auf dem Prüfstand stehen, weil man mit mehr neuen Risiken rechnen muss, ist Zurückhaltung im Geschäft angemessen", unterstreicht Reutter. Die DZ Hyp gehöre unverändert zu den führenden Immobilienfinanzierern in Deutschland. Die Einzel-Risikovorsorge im Kreditgeschäft 2020 sei unauffällig. "Aufgrund der Pandemie haben wir aber Pauschalwertberichtigungen vorgenommen, die uns für 2021 einen Puffer geben." Für das laufende Geschäftsjahr hat die Bank ihr Risikobudget erhöht. Reutter macht auch klar, dass die DZ Hyp ihre Risikostrategie nicht ändere. "Wir werden uns nicht aus einzelnen Assetklassen zurückziehen und auch in Zukunft im Büro- und im Einzelhandelssegment finanzieren." Allerdings werde man in der Entscheidung über Einzelfälle "die Drehregler etwas konservativer nehmen".
Mit Blick auf die Ergebnisentwicklung gehe die DZ Hyp das laufende Jahr mit Zuversicht an, sagt der Vorstandschef weiter. Auch für 2020 erwarte man "erfreuliche Ergebnisse". Reutter stellt in Aussicht, dass das Betriebsergebnis von 265 Mill. Euro im Jahr 2019 aufgrund eines höheren Zinsüberschusses sowie von Effizienzgewinnen wohl leicht übertroffen werde. Der Zinsüberschuss habe sich "auf ausgesteuerter Basis, das heißt unabhängig von spekulativen Elementen und mit abgesicherten Margen aus Krediten, erfreulich entwickelt". Das verschaffe der Bank Planungssicherheit. Bei der Eindämmung der Kosten sei man durch die Zusammenlegung von Teams an den Hauptstandorten Hamburg und Münster vorangekommen. "Durch die Straffung der Standortpolitik haben wir die Mitarbeiterkapazitäten um rund 100 auf 750 verringert."

"AAA"

Das Partner-Modell der Börsen-Zeitung

Dieses Unternehmen gewährt Ihnen freien Zugang zum Artikelarchiv.

Anzeige

Sie möchten die Rechte an diesem Artikel erwerben?

Alle Informationen und Kontaktmöglichkeiten haben wir hier für Sie bereitgestellt.