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Redaktion

Geld oder Brief
Von Antje Kullrich, Düsseldorf

Die Medion AG ist zum Sorgenkind im MDax mutiert. Ähnlich schlecht wie der lange Zeit als Analystenliebling verhätschelte Elektronikhändler performte in den vergangenen zwölf Monaten lediglich die jüngst von einer existenziellen finanziellen Krise betroffene KarstadtQuelle AG. Der Medion-Kurs hat sich binnen Jahresfrist mehr als halbiert, während der MDax im gleichen Zeitraum um 17 % zulegte. Rund 900 Mill. Euro an Börsenwert sind vernichtet worden. Mittlerweile ist Medion nur noch 720 Mill. Euro schwer.

Der anhaltenden Konsumflaute in Deutschland, das trotz zunehmender Internationalisierung immer noch den Kernmarkt für die Gesellschaft darstellt, musste auch Medion letztlich Tribut zollen. Dabei hatten sich die Essener mit ihrem Geschäftsmodell, das schon viele zu kopieren versucht haben, lange Zeit gegen den Trend behaupten können.

Die großvolumigen Verkaufsaktionen mit Elektronikwaren wie PCs, Digitalkameras oder DVD-Playern über große Einzelhandelsketten - allen voran Aldi - waren und sind mit Abstrichen immer noch ein Hit bei den Verbrauchern. Dennoch geriet besonders die zweite Jahreshälfte 2004 zum Desaster für Medion. Der Vorstand musste seine gewohnt zweistelligen Wachstumsprognosen bei Umsatz und Ergebnis drastisch zusammenstreichen. Dazu kamen Untersuchungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wegen des Verdachts auf Insiderhandel sowie (umgehend dementierte) Spekulationen über den Verlust des Großabnehmers Aldi Süd. Der Ruf am Finanzmarkt war plötzlich angeknackst. Die Anleger reagierten extrem sensibel. Bei jeder neuen Negativmeldung wurde der Kurs gnadenlos heruntergeprügelt.



Kommunikationsschwach

Die mehrfachen drastischen Reaktionen der Investorengemeinde sind jedoch nicht nur auf die plötzliche Ergebnisschwäche der Essener zurückzuführen. Die Börsianer waren bemerkenswert schlecht auf die Geschäftsentwicklung vorbereitet. Der Medion-Vorstand hat auch ein Kommunikationsproblem. Verschwiegenheit ist im Handel immer noch Trumpf. Die geradezu legendäre nichtexistente Öffentlichkeitsarbeit des Großabnehmers Aldi scheint für viele in der Branche noch immer ein Vorbild zu sein. Auch die Medion-Spitze tendiert zur Einsilbigkeit statt offensiver Information, verkennt aber dabei, dass hier das Börsenlisting den ganz großen Unterschied macht.

Die Analysten haben mit großer Mehrheit inzwischen ihre Daumen gesenkt. Erst am Montag nach der abermals mit Enttäuschung aufgenommenen Veröffentlichung erster Eckdaten für das vergangene Jahr stuften eine weitere Hand voll Researchhäuser die Titel zurück. Von 23 Analysten raten inzwischen laut Bloomberg 14 zum Verkauf der Papiere, fünf ringen sich zu einer Halteempfehlung durch, und nur noch vier sind unverdrossen positiv eingestellt.



Dividendenstark

Für die Aktie spricht gegenwärtig das relativ niedrige Bewertungsniveau mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 (laut Ibes-Schätzung) auf 2005er-Basis sowie die voraussichtlich recht ansehnliche Dividendenrendite. Der Medion-Vorstand hat seinen Vorschlag für 2004 noch nicht veröffentlicht. Die Analystenschätzungen bewegen sich zwischen 0,50 und 0,70 Euro, was einer Rendite von mindestens 3,3 % entspräche. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern 0,70 Euro ausgeschüttet. Das entsprach mit einer Summe von fast 34 Mill. Euro etwa einem Drittel des Konzernjahresüberschusses.

Mit einer Rückkehr zur alten Wachstumsstärke rechnet in näherer Zukunft jedoch niemand. Die Rekordmarke eines Ebit von 180 Mill. Euro aus 2003, das sich im vergangenen Jahr nach Unternehmensangaben halbiert hat, dürfte auf Sicht zumindest der kommenden zwei bis drei Jahre aus eigener Kraft nicht wieder erreicht werden. Die Margenschwäche im Inland und der Preisdruck der Discounter belasten die Ergebnisse. Auch der Umsatz, der 2003 an der Marke von 3 Mrd. Euro kratzte, dürfte sich nur langsam wieder berappeln. Für 2004 verzeichnete Medion einen Rückgang um 10 %, in Deutschland gar um 19 %. Dazu kommt der äußerst verhaltene Ausblick auf 2005. Vorstandschef Gerd Brachmann hat zwar positive Signale im vierten Quartal in Deutschland ausgemacht, bleibt aber dennoch abwartend. "Wir werden die Augen aber nicht vor den weiterhin bestehenden Unsicherheiten verschließen", ließ sich der Unternehmenslenker und Mehrheitsaktionär, der rund 55 % des Grundkapitals hält, zu Beginn der Woche zitieren. Optimismus klingt anders.

Auch im Auslandsgeschäft, das mit einem Anteil von mittlerweile 41 % vom Umsatz immer bedeutender wird und in das der Vorstand seine Hoffnungen setzt, läuft es nicht vollkommen rund. Die Geschäftsentwicklung in Nordamerika sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben, kritisieren die Analysten. Der Umsatz ging dort 2004 auf 46 (57) Mill. Euro zurück.

Auch Fondsgesellschaften kehren Medion mittlerweile wieder den Rücken. Die Fidelity International Limited, die erst im Oktober 2004 auf über 5 % aufgestockt hatte, hat ihre Position Mitte Februar bereits wieder unter die meldepflichtige Grenze gedrückt. Größere Pakete von jeweils rund 5 % halten jetzt noch die Pictet-Tochter Orbis World Limited sowie Jupiter Asset Management.



Informationshungrig

Der Medion-Vorstand hat am 17. März bei der Bilanzvorlage die Gelegenheit, das Vertrauen in die Aktie wieder ein wenig zu stärken. Denn das Geschäftsmodell von Medion stellt kaum einer in Frage. Offenheit heißt das Gebot der Stunde. Der Markt dürfte für eine ordentliche Portion mehr Guidance dankbar sein.

Bis dahin bleibt die Feststellung: Die Ruhrpott-Metropole Essen - pikanterweise auch der Hauptsitz des zweiten MDax-Schwächlings Karstadt - scheint aktuell kein gutes Pflaster für Börsenwerte.

Börsen-Zeitung, 04.03.2005, Autor Antje Kullrich, Düsseldorf , Nummer 44, Seite 17, 780 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2005044194&titel=Medion-steigt-in-den-MDax-Keller-ab-
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