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Redaktion

Geld oder Brief
Von Ulli Gericke, Berlin

Der Befund ist eindeutig und hochgradig ernüchternd: "Berührungspunkte zwischen den beiden Unternehmensbereichen Clean Systems sowie Photonics Technologies und daraus resultierende mögliche Synergieeffekte bestehen heute nicht mehr", heißt es unumwunden in der Einladung zur Jenoptik-Hauptversammlung Anfang Juni. Damit ist die Story des 1991 aus dem VEB Carl Zeiss Jena erwachsenen und 1998 an die Börse gebrachten ostdeutschen TecDax-Wertes gescheitert und am Ende.

Konsequenterweise zieht der Nachfolger des langjährigen Firmenchefs Lothar Späth nunmehr die Notbremse und stellt alle Bereiche, die nicht zum angestammten Jenaer Kerngeschäft Optoelektronik gehören, zur Disposition - was summa summarum gut 85 % der letztjährigen Gesamterlöse entspricht. In der Folge schrumpft der Thüringer Konzern, der 2004 noch 2,5 Mrd. Euro erlöste, zu einem soliden Mittelständler mit einem Umsatz von ca. 400 Mill. Euro.



Singapur-IPO gibt Klarheit

Doch was als Kapitulation erscheint, ist in Wirklichkeit der lang ersehnte Befreiungsschlag. Denn das so genannte Clean-Systems-Geschäft, das Späth, ausgestattet mit Milliarden an Treuhandgeldern, Anfang der neunziger Jahre zusammengekauft hatte, ist zwar umsatzstark, aber margenschwach. Verschärfend kommt hinzu, dass immer mehr Kunden die Auftragsvergabe von einer zeitweisen Minderheitsbeteiligung abhängig machen - was für den sowieso finanzschwachen Konzern zusätzliche Finanzierungserfordernisse bedeutet.

Bei der jetzt anstehenden teilweisen oder vollständigen Abspaltung der Clean-Systems-Aktivitäten geht es einerseits um das gut 400 Mill. schwere Facility-Management-Geschäft sowie die schon 2004 mehrheitlich veräußerte (defizitäre) Gebäudetechnik. Hinzu kommt der Anlagenbau mit seinen Planungsleistungen, Bau, Ausstattung und dem späteren Betreiben von Reinsträumen in der Halbleiterindustrie oder bei Produzenten von Flachbildschirmen. Diese Aktivitäten wurden bereits im Vorjahr in der M+W Zander Facility Engineering Ltd. in Singapur gebündelt und erzielten 2004 bei Erlösen von knapp 1 Mrd. einen Nettogewinn von ca. 25 Mill. Euro ohne Einmaleffekte - so jedenfalls listet es der Börsenprospekt auf, den Jenoptik unlängst bei der Börse Singapur hinterlegt hat. Ziel ist, dieses Geschäft möglichst noch im ersten Halbjahr an die fernöstliche Börse zu bringen. Dabei will der Jenoptik-Vorstand vorerst die Mehrheit behalten. Da aber Akquisitionen mit eigenen Aktien finanziert werden sollen, dürfte der gut 50 %-Anteil relativ bald verwässert werden, räumt Vorstandschef Alexander von Witzleben ein. Laut Börsenprospekt hat sich Jenoptik freilich zu einer sechsmonatigen Lock-up-Frist verpflichtet, in der keine weiteren Aktien an den Markt gebracht werden dürfen. Grundsätzlich soll jedoch die gesamte Sparte Clean Systems binnen zwei Jahren vollständig abgegeben werden. Dem vorliegenden, freilich noch rudimentären Prospekt ist auch zu entnehmen, dass es Unternehmenspolitik der Tochter Facility Engineering ist, jährlich 40 bis 60 % des Nettogewinns als Dividende auszuschütten. Quasi als Anzahlung soll im dritten Quartal 2005 eine erste Ausschüttung von 0,015 Singapur-Dollar je Aktie im Nennwert von 0,20 S-Dollar gezahlt werden.

Bis dahin muss freilich erst einmal der Börsengang über die Bühne gehen. Getreu den Usancen verweigert Jenoptik im Vorfeld des IPO jegliche Andeutungen über die Unternehmensbewertung und damit die angestrebte Bookbuilding-Spanne. In der Folge bleibt auch der erhoffte Platzierungserlös offen. Vereinzelt werden 200 bis 300 Mill. US-Dollar als realistisch bezeichnet. Wie viel davon im abgespaltenen Unternehmen bleibt oder an die Muttergesellschaft fließt, ist bislang noch ungeklärt.

Aufgrund "dieser enormen Prognoseunsicherheit" stufen die Analysten der HypoVereinsbank (HVB) die Jenoptik-Aktie momentan nur mit "Neutral" ein und belassen das Kursziel bei 9,30 Euro. Das ist in etwa der Wert, um den die Aktie in den vergangenen Monaten pendelte, nachdem sie sich seit ihrem Tief im vergangenen Sommer von unter 6 Euro langsam, aber stetig wieder nach oben gearbeitet hatte.

Einen Rückschlag erlitt der Wert im März, nachdem das Oberlandesgericht Jena einem Aktionär der Venture-Capital-Tochter DEWB eine Abfindung von mindestens 26,51 Euro je Schein zugesprochen hatte - was für die Jenoptik eine Belastung von bis zu 140 Mill. Euro bedeuten könnte. Da diese Summe freilich "sehr theoretisch" sei, hat der Konzern dafür keine Rücklagen gebildet. Das endgültige Urteil fällt der Bundesgerichtshof.



"Execution Risks" belasten

Ähnlich ungewiss ist die Zukunft der anderen abzustoßenden Teile der Clean-Systems-Sparte wie dem Facility Management oder kleineren Aktivitäten. Hieraus könnten nennenswerte Buchverluste oder Restrukturierungsaufwendungen resultieren, fürchtet die HVB - vergleichbar mit Standard & Poor's, die Jenoptik unlängst wegen der "Execution Risks" von "B +" auf "B" abgestuft hatten. Inwieweit diese Belastungen durch IPO-Erlöse aus Fernost kompensiert werden könnten, ist offen. Nicht ganz so skeptisch urteilen Deutsche Bank- und DZ Bank-Analysten, die die Thüringer (wie Sal. Oppenheim) als "Buy" empfehlen und als Kursziel 11 bzw. 12 Euro nennen. Daneben gibt es derzeit zwei "Outperform"-Voten.

Die aus der "Loslösung" erzielten Mittelzuflüsse sollen in der verbleibenden Sparte Photonics für deren Expansion reinvestiert werden. Zusätzlich sollen sie zur Tilgung von Anleihen und sonstiger Fremdkapitalverbindlichkeiten verwandt werden. Momentan belasten diese Verbindlichkeiten das Jenoptik-Rating noch erheblich. So gesehen hat die Konzentration auf das stark expansive und mit einer Ebit-Rendite von 9 bis 10 % margenstarke Photonics-Geschäft "durchaus ihren Charme", schreiben die HVB-Analysten. Wenn dann auch noch der Konglomeratsabschlag entfällt, könnte die Jenoptik-Aktie künftig auch mal wieder Höhenluft schnuppern - zumal Peergroup-Vergleiche durchaus Spielraum erkennen lassen.

Börsen-Zeitung, 20.05.2005, Autor Ulli Gericke, Berlin , Nummer 95, Seite 17, 802 Wörter

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