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Redaktion

Geld oder Brief
Von Ulli Gericke, Berlin

Friede Springer ist eine der reichsten Frauen in Deutschland. Gut 1,8 Mrd. Euro wert ist derzeit ihr Anteil am Verlag ihres 1985 verstorbenen Mannes - theoretisch. Denn als treue Erbverwalterin Axel Cäsar Springers steht ein Verkauf der (direkt und indirekt gehaltenen) 55 % am größten Verlagshaus hierzulande nicht zur Diskussion - zumal die zuletzt ausgeschütteten Dividenden von 1,20 (2003) bzw. 1,45 Euro inklusive der Einmalzahlung aus dem Vergleich mit dem Kirch-Insolvenzverwalter ein sorgenfreies Leben garantieren sollten. Aus diesen Ausschüttungen muss freilich ein Kredit bedient werden, der aufgenommen wurde, um aus der Insolvenzmasse des gefallenen Medienmoguls Leo Kirch ein weiteres 10 %-Paket an Springer-Aktien zu erwerben, mit dem sich die Verlagserbin eine eigenständige Mehrheit an "ihrem" Unternehmen sicherte.

Diese behagliche Ruhe mit der "völlig suboptimalen Null-Verschuldung", so ein Banker, wird mit dem teuren Kauf der TV-Gruppe ProSiebenSat.1 radikal in Frage gestellt. Wenn selbst beteiligte Finanzfachleute die gut 4,2 Mrd. Euro schwere Übernahme des größten hiesigen Privatsenders als "mutigen Schritt" bezeichnen, ist Vorsicht geboten. Denn der Verlag muss allein 2,5 Mrd. für den Erwerb der Sat.1-Stammaktien zahlen, die seit zwei Jahren von einer US-amerikanischen Investorengruppe um Haim Saban gehalten werden. Hinzu kommen Schulden, die sich bis zum Jahresende auf ca. 550 Mill. addiert haben dürften.

Diese Aufwendungen sind mit Hilfe einer Kreditlinie von fast 3 Mrd. Euro "voll durchfinanziert", heißt es bei der Deutschen Bank und CSFB, die den Kredit später im Markt syndizieren. Dieses Volumen ist verglichen mit dem letztjährigen Springer-Umsatz von 2,4 Mrd. Euro und einem Cash-flow vor Finanzierungstätigkeit von 180 Mill. Euro ehrgeizig, selbst wenn ProSiebenSat.1 weitere Erlöse von 1,8 Mrd. und freie Mittel von 123 Mill. beisteuert.

Wird die künftige Verschuldung mit dem addierten Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) verglichen, ergibt sich ein Multiple des fusionierten Gesamtkonzerns von beachtlichen 4,6. Kein Wunder, dass sich Springer-Chef Mathias Döpfner unter Druck sieht, die explodierende Verschuldung "zügig" zurückzudrehen - darf ein börsennotiertes Unternehmen nach Angaben von Bankern doch maximal ein Multiple von 3,0 für ein Investment-Grade-Rating vorweisen. Diesen Wert will Döpfner dank des starken Cash-flow binnen drei Jahren erreicht haben. Entsprechend bezeichnet er die Risiken aus dem Print/TV-Deal als "überschaubar".

Der enge Vertraute von Friede Springer baut dabei auf den hierzulande noch unterentwickelten Werbemarkt, der vor einem Aufschwung stehe. Davon sollte nicht nur der Verlag mit seinen in- und ausländischen 70 Zeitungen und über 150 Zeitschriften profitieren. Noch stärker sollte daraus die sich rein aus Werbeerlösen finanzierende TV-Gruppe Nutzen und Gewinn ziehen. Entwickeln sich die Anzeigen- und Werbemärkte aber nicht wie erhofft, gerät der bislang solide finanzierte Springer-Verlag ins Wanken, der für 2004 eine um gut 4 Prozentpunkte verbesserte Eigenkapitalquote von 36,5 % zeigte.

Gleichzeitig ziehen am europäischen Printmarkt drohende Gewitter auf, den deutschen Zeitungsmarkt mit Gratisblättern zu attackieren. Hauptbetroffener wäre dabei Springers "Bild"-Zeitung. Schon erste Versuche ausländischer Konzerne vor einigen Jahren konnten die Berliner nur mit erheblichem Aufwand abwehren. Fehlen dafür aber die Mittel, weil Kredite zurückgezahlt werden müssen, ist der gesamte Konzern gefährdet.



Allmächtige Friede Springer

Bei Springer sind die Verantwortlichen jedoch überzeugt, die Finanzierung krisenfest geschnürt zu haben - und zwar ohne Verkäufe etwa eigener Druckereien. Allerdings gibt es seit längerem Überlegungen, den umfassenden Immobilienbesitz bei attraktiven Preisen abzustoßen - Pläne, die jetzt mit größerem Engagement verfolgt werden.

Ein weiteres - freilich eher theoretisches - Finanzierungsrisiko ist das Übernahmeangebot an die freien ProSiebenSat.1-Vorzugsaktionäre. Dem Streubesitz, der drei Viertel aller Vorzüge hält, wird offeriert, seine Scheine gegen 14,10 Euro je Anteil zu tauschen - was angesichts eines Börsenkurses von aktuell 14,28 Euro wohl kaum wahrgenommen wird. Stattdessen wird Axel Springer neue Vorzugsaktien kreieren, in die die Sat.1-Vorzüge getauscht werden. Der Clou bei dieser Lösung: Der Verlag kann eine weitere teurere Fremdverschuldung umgehen, die ihn maximal zusätzliche 1,16 Mrd. Euro kosten könnte. Gleichzeitig ist die absolute Mehrheit von Friede Springer durch die stimmrechtslosen Vorzugsaktien nicht gefährdet. Welches Gewicht diese neue Aktiengattung einmal haben wird, ist aus heutiger Sicht nicht abzuschätzen, sondern Resultat künftiger Wertgutachten sowohl des Verlagshauses wie des TV-Senders. Verschärfend kommt hinzu, dass der momentane Börsenwert von Springer angesichts des geringen Free Float von gerade einmal 10,8 % sowieso nicht maßgeblich ist.



US-Investoren stocken auf

Immerhin kann die bislang hochgradig illiquide Springer-Aktie durch die neuen Vorzüge zu einem gefragten Titel werden. Das Papier dürfte freilich dank der künftig steigenden Konzentration auf den labilen deutschen Markt noch stärker von den hiesigen Konjunkturzyklen geprägt sein und so letztendlich äußerst volatil handeln.

Gleichwohl hat sich die Investmentgesellschaft Hellman & Friedman, die neben Sat.1 bei Springer mit 19,4 % engagiert ist, schon bei der Bekanntgabe des Deals zu weiteren nennenswerten Anteilszukäufen bekannt, weil sie an eine Wertsteigerung des neuen Medienkonglomerats glaubt. Zur Verfügung stehen freilich nur die neuen Vorzüge, nicht Aktien aus dem Springer-Bestand. Denn würden die Amerikaner diese gut 7 % vinkulierten Stammaktien erwerben, hätten sie eine Sperrminorität - gegen die allmächtige Friede Springer.

Börsen-Zeitung, 12.08.2005, Autor Ulli Gericke, Berlin , Nummer 154, Seite 17, 802 Wörter

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