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Redaktion

Geld oder Brief
Von Inken Prodinger, London

Die Zeiten waren schon mal besser. Nur wenige Jahre ist es her, da war die britische Supermarktkette Sainsbury die Nummer 1 auf der Insel. Mittlerweile ist die Gesellschaft auf Platz 3 abgerutscht und behauptet auch diesen Rang nur mit viel Mühe. Wenn von Erfolgen, Expansion und gut gehenden Geschäften die Rede ist, dann spricht man vom Marktführer: Tesco. Das Unternehmen hat es geschafft, die Wettbewerber weit hinter sich zu lassen und das Auslandsgeschäft zu einer zweiten, wichtigen Säule aufzubauen. Derzeit, wo selbst auf der britischen Insel so etwas wie Konsumzurückhaltung herrscht, gilt nur Tesco als unangreifbar.

Die Zeiten waren für Sainsbury aber auch schon mal schlechter. 2004 hagelte es eine Gewinnwarnung nach der anderen. Zum Ende des vergangenen Jahres war der Aktienkurs so sehr im Keller, dass selbst Übernahmegerüchte nur noch ein müdes Lächeln hervorriefen. "Wer", so die Frage, "sollte Sainsbury in der desolaten Situation denn überhaupt kaufen wollen?" Private-Equity-Firmen wir Permira wurden genannt, der US-Einzelhandelsgigant Target, doch mehr als Gerüchte waren dies nicht. Selbst Philip Green, in Großbritannien als Aufkäufer in der Branche bekannt und eigentlich immer bereit, seine Geldbörse für ein gutes Geschäft zu öffnen, winkte schnell ab : "Kein Interesse." Zudem hätte der Großaktionär, die Familie Sainsbury, wohl kaum Interesse gehabt, ihr Unternehmen "unter Wert" zu veräußern. Die Familie hält rund 32 % an Sainsbury und gibt Vorstandschef Justin King bisher Rückendeckung.



Erholung sichtbar

Mittlerweile aber ist Sainsbury auf dem Weg der Besserung. Dies spiegelt auch der Aktienkurs wider. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Wert des Unternehmens um gut 17 % erhöht. Auch bei den Investmentbanken sind die Nachrichten angekommen. Sainsbury ist bei den meisten Banken noch fern einer Kaufempfehlung, immerhin wird immer häufiger aber auf die allmähliche Verbesserung hingewiesen. Bei CSFB steht Sainsbury auf "underperform". Die Zahlen zum ersten Halbjahr hätten die langfristig angelegte Erholung das Unternehmens unterstrichen, hieß es. Für das erste Halbjahr 2005 / 06 (30. September) hatte Sainsbury ein Vorsteuerergebnis von 87 Mill. Pfund angegeben. Dies blieb zwar leicht unter den Erwartungen von Analysten. Immerhin war es aber eine Kehrtwende im Vergleich zum Vorjahr. In den ersten sechs Monaten 2004 / 05 hatte die Gesellschaft einen Verlust von 292 Mill. Pfund ausgewiesen. Analysten geben sich optimistisch, dass es weiter aufwärts geht. Im Durchschnitt rechnen die Beobachter für 2005 mit einem Umsatz von 16,01 Mrd. Pfund. Im Jahr darauf wird im Mittel mit 16,8 Mrd. Pfund gerechnet. Auch beim Netto-Ergebnis geben sich sie Analysten optimistisch: 153,9 Mill. Pfund sollen es in diesem Jahr sein, 223,5 Mill. Pfund im Jahr darauf.



Rating im Keller

King hat sich zudem dem Schuldenabbau verschrieben. Die Finanzmarkbeobachter erwarten, dass die Nettoverschuldung von 1,62 Mrd. Pfund in diesem Jahr auf 1,49 Mrd. Pfund im nächsten Jahr runtergefahren werden kann. Dies würde auch dem Rating gut tun, denn das ist in den vergangenen Jahren stetig abgesenkt worden. Bei Moody's lautet das Langfristrating auf "Baa 3", bei Standard & Poor's auf "BBB -" und bei Fitch auf "BBB". Bei allen drei Agenturen sind diese Beurteilungen mit einem negativen Ausblick versehen.



Düsterer Branchenausblick

Seit gut einem Jahr ist King dabei, das Unternehmen mit dem Programm "Making Sainsbury great again" auf die Erfolgsspur zurückzuführen. Der Plan sieht vor, innerhalb von drei Jahren den Umsatz um 2,5 Mrd. Pfund zu steigern. Davon ist King noch etwas entfernt, als gutes Zeichen wird aber gewertet, dass im dritten Quartal in Folge die Umsätze auf vergleichbarerer Fläche erhöht werden konnten. Für Sainsbury wie auch für alle anderen Einzelhändler bricht mit der Weihnachtszeit die wichtigste Zeit des Jahres an. Im letzten Jahr hatte es große Enttäuschungen gegeben, weil mehr als bisher gespart wurde und die Preise kräftig gesenkt werden mussten, um die vollen Läger zu leeren. "Dieses Mal sind wir sehr viel selbstbewusster", so King vor wenigen Tagen.

Gleichzeitig wird in der Branche erwartet, dass es für die Einzelhändler auch 2006 schwer werden wird, Preise anzuheben und profitabler zu arbeiten. Erst am Mittwoch musste die größte europäische Baumarktkette, Kingfisher, einen Gewinneinbruch für das dritte Quartal bekannt gegeben. Vorstandschef Gerry Murphy wirkte in seiner Mitteilung an die Aktionäre fast resignierend: "Die Marktbedingungen bleiben auch in nächster Zukunft schwierig".



Logistik-Probleme

Da es die Unternehmen derzeit also nicht schaffen, die Kunden zu mehr Konsum zu veranlassen, müssen die Gesellschaften vor allem intern ihre Schwierigkeiten in den Griff bekommen. Die größten Probleme bei Sainsbury lagen in den vergangenen Monaten bei ihrer Warenbeschaffung. So kam es, dass Kunden schon Stunden vor dem Ladenschluss vor leeren Regalen standen. Um dieses Problem zu beheben, stellte King rund 3 000 neue Mitarbeiter ein. Für das Restrukturierungsprogramm waren 400 Mill. Pfund veranschlagt. "Wir haben noch immer viel zu tun", sagt King, nachdem an diesem Problem schon über ein Jahr lang gearbeitet wird. Ironischerweise hatte ausgerechnet Kings Vorgänger kurz vor seinem Ausscheiden in eine millionenschwere Anlage für die Warendistribution investiert.

Doch King muss auch bei der Restrukturierung Rückschläge hinnehmen. So im Geschäft mit Bankdienstleistungen. Das Ziel, mit Krediten ein Ergebnis von 90 Mill. Pfund zu erzielen, wurde bereits aufgegeben. Im ersten Halbjahr musste Sainsbury in dieser Sparte, die zusammen mit der britischen Bank HBOS betrieben wird, ein Minus von 5 Mill. Pfund ausweisen. Dennoch wird an der Idee weiter festgehalten. Die Investmentbank Goldman Sachs zeigt sich von den Entwicklungen der Bank-Sparte "enttäuscht" und stellte die Prognose "unter Beobachtung". Die Empfehlung lautet aber weiterhin auf "In-line".

Börsen-Zeitung, 02.12.2005, Autor Inken Prodinger, London , Nummer 233, Seite 17, 908 Wörter

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