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Redaktion

Geld oder Brief
Von Frank Bremser, Frankfurt

Die Werbung von Wolford ist glamourös und sexy - so sollen die Plakate des Vorarlberger Strumpfherstellers schon für einige Unfälle auf Österreichs Straßen verantwortlich gewesen sein. Für die Entwicklung der Aktie und das Unternehmen galt hingegen lange Zeit das Gegenteil. Rückläufige Umsätze seit Jahren und im Geschäftsjahr 2004/05 dann ein Verlust von 4,7 Mill. Euro. Auch der Aktienkurs bewegte sich nur selten und wenn dann meist nach unten - nicht sehr glamourös und schon gar nicht sexy.

Doch nun scheint das an der Wiener Börse gelistete Traditionsunternehmen es geschafft zu haben; Zeitungen schreiben, dass Wolford den "einer Laufmasche gleichenden" Abwärtstrend gestoppt habe.



Rückkehr in die Gewinnzone

Im Geschäftsjahr 2005/06 wuchs der Umsatz - erstmals wieder seit 2001 - um 4,4 % auf 121,4 Mill. Euro. Nach der Veröffentlichung dieser Zahl Mitte Juli waren die Analysten jedoch noch skeptisch. Reicht dieses geringe Wachstum wirklich für die nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone? Doch die endgültigen Zahlen übertrafen dann alle Erwartungen. Das Ebit drehte von - 0,5 Mill. auf 7,4 Mill. Euro. Analysten hatten mit 4,11 Mill. Euro gerechnet. Und aus einem Fehlbetrag von - 4,7 Mill. Euro wurde ein Überschuss von 3,5 Mill. Euro. Eventuell wird es auch wieder eine Dividende geben.

Besonders gut entwickelt haben sich 2005/06 die Märkte Spanien, Osteuropa und Skandinavien, aber auch in den wichtigsten Märkten Österreich (13,9 % der Umsätze) USA (14,5 %) und Deutschland (17,6 %) konnte Wolford zulegen. Für das neue Geschäftsjahr sind die Österreicher optimistisch. Ziel sind 128 Mill. Euro Umsatz und eine positive Ergebnisentwicklung.

Die Aktie hat zuletzt eine ähnlich gute Entwicklung gezeigt. Zwar liegt der Zuwachs seit Jahresbeginn nur bei 6,5 %. Dafür war der Sommer eine gute Zeit für die Aktie. Am 7. Juli notierte das Papier bei 16,90 Euro, am Donnerstag schloss die Aktie auf 21,22 Euro.

Analysten zeigen sich begeistert von der Wolford-Geschichte. So hat ABN Amro ihre Einstufung von "Add" auf "Buy" angehoben und das Kursziel von 21,40 Euro auf 26,40 Euro erhöht. Die Ergebnisschätzung erhöht sie für die kommenden drei Jahre um 45 %. Analyst Andreas Inderst sieht Wolford in einem reifen und hart umkämpften Markt hervorragend positioniert. Die Erste Bank stuft den Titel von "Hold" auf "Accumulate" herauf mit einem Kursziel von 23,50 nach zuvor 21 Euro. Auch die Deutsche Bank schließt sich der Begeisterung der Konkurrenz an und stuft die Aktie von "Halten" auf "Kaufen" herauf, Kursziel 24 Euro. Die Prognose für den Gewinn je Aktie im Jahr 2006/07 erhöht sie um 118 % auf 1,26 Euro.

Lediglich die Credit Austria Investment Bank ist etwas vorsichtiger und behält die "Hold"-Empfehlung bei, erhöht jedoch das Kursziel von 18 auf 22 Euro. Noch sei die Turnaround-Geschichte zu frisch, um sicher zu sein, dass das Wachstum dauerhaft sei.



Umsatz liegen lassen

Dass die Entwicklung dauerhaft ist, davon ist Konzernchef Holger Dahmen überzeugt, der das lange schwer gebeutelte Traditionsunternehmen umbaute, sanierte und neu positionierte. Dahmen versucht, der Marke vom Bodensee den Glamour zurückzubringen. So sagte er dem "Standard" über die nur relativ geringe Umsatzsteigerung: "Wir haben einigen Umsatz, bei dem wir nichts verdient haben, liegen gelassen - typischerweise die vollen Schütten in Warenhäusern mit 60 bis 70 % Nachlass. So etwas tut der Marke nicht gut." Das jetzt erreichte Umsatzwachstum sei nachhaltig.

Wolford hat in den letzten Jahren konsequent an der Kostenseite gearbeitet: Tochterunternehmen und Boutiquen wurden geschlossen, die Verwaltung wurde gestrafft, Prozesse wurden optimiert. Seit dem Jahr 2000 hat das Unternehmen die Zahl der Belegschaft um rund 700 auf 1 380 reduziert. Analysten sehen jedoch noch weiteres Potenzial.

Nun schaut man in Bregenz wieder nach vorne: Die Marke soll noch stärker im Luxussegment verankert werden und neue Märkte, etwa in Asien, sollen erschlossen werden. Vor allem aber geht die Entwicklung hin zu mehr Exklusivität: Die Zahl der Verkaufspunkte wurde in den vergangenen Jahren von 4 100 auf 3 700 reduziert. Man trenne sich von Partnern, die zu wenig für die Marke täten, so Dahmen. Die Wolford-Shops haben ein neues Design bekommen, die Zahl der "Monobrand-Standorte" soll mittelfristig von 219 auf 310 erhöht werden. Auch die Marketing-Ausgaben wurden hochgefahren: Von 5,5 Mill. Euro 2004/05 auf 6,7 Mill. 2005/06. Seit einiger Zeit arbeitet Wolford zudem mit renommierten Namen wie Lagerfeld, Kenzo oder Armani zusammen.



Das Geschäft brummt

Die Chancen für Wolford stehen gut, dass die Strategie von Wachstum und Repositionierung aufgehen könnte. Denn das Geschäft mit edler Unterwäsche boomt. Experten schätzen den Weltmarkt derzeit auf 24 Mrd. Euro - und das nur für die Damenabteilung. Tendenz stark steigend. Dabei ist der Dessous-Boom auch eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung. Das gestiegene Körperbewusstsein oder die Tatsache, dass Dessous nicht mehr der Ruf des Verruchten anhängt, entpuppen sich als Glücksfall für Unternehmen wie Wolford. Selbst der Gemischtwarenladen Tchibo und das Erotikkaufhaus Beate Uhse mischen inzwischen ganz offen in dem Geschäft mit.

Wolford geht indes einen Schritt weiter: Das Unternehmen wird ein wenig oberflächlicher. Kürzlich hat Wolford erstmals eine eigene Prêt-à-porter-Kollektion für 2007 im Prunksaal der Nationalbibliothek in Wien vorgestellt. Konzernchef Dahmen formuliert als Ziel: "Überbekleidung ist unser Wachstumstreiber. Wolford soll von Kopf bis Fuß getragen werden." Gute Aussichten für die Aktie, die damit auch wieder zum Blickfang werden könnte - auch wenn sie wohl kaum für Autounfälle sorgen wird.

Börsen-Zeitung, 04.08.2006, Autor Frank Bremser, Frankfurt , Nummer 148, Seite 17, 873 Wörter

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