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Redaktion


Geld oder Brief
Von Antje Kullrich, Düsseldorf

Scheinbar mühelos hat Henkel in den vergangenen Monaten den Dax geschlagen. Die Vorzugsaktie des Waschmittel-, Kosmetik- und Klebstoffproduzenten ist aktuell so viel wert wie noch nie und hat vor zwei Wochen die Marke von 100 Euro geknackt. Und es sieht ganz so aus, als wolle sich das Henkel-Papier dauerhaft im dreistelligen Bereich etablieren.

Ganz unauffällig ist der Aktienkurs seit Jahresbeginn um gut 30 % geklettert - der Dax hat bislang nur gut 10 % geschafft. Dabei ist es im allgemeinen M & A-Konzert der vergangenen Monate unter starker Beteiligung diverser Dax-Unternehmen um den Persil-Hersteller aus Düsseldorf bemerkenswert ruhig geblieben. Milliardenschwere Übernahmen sind bei Henkel sowieso eine absolute Ausnahme - der Kauf des US-Waschmittel- und Körperpflegeproduzenten Dial für 2,9 Mrd. Dollar im Jahr 2004 war der mit Abstand teuerste Zukauf der Firmengeschichte.

Henkel-Chef Ulrich Lehner ist wie seine Vorgänger ein Freund der kleinen Schritte. Der Konzern meldete in der Vergangenheit in schöner Regelmäßigkeit kleinere regionale Zukäufe - sei es ein Klebstoffhersteller in Brasilien oder ein Gießharzproduzent in China. Doch seit dem Frühjahr, so scheint es, macht Henkel auch hier eine Verschnaufpause. Bis auf die obligatorische Quartalsberichterstattung ist es mucksmäuschenstill um den Konzern geworden. Was sind die Treiber für die geräuschlose Kursrally, die seit Monaten läuft und läuft?



Flott ins Jahr gestartet

In ihren Kerngeschäften ist Henkel derzeit gut dabei. Der Konzern, der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Klebstoffen und bei Waschmitteln die globale Nummer 3 ist, wuchs im ersten Halbjahr deutlich stärker, als es die Ziele des Managements für das Gesamtjahr vorsehen. Nachdem das organische Umsatzplus im ersten Quartal bei 5,9 % lag, erreichte es im zweiten Quartal sogar 6,1 % - und toppte damit die Erwartungen der Analysten. Auch der Anstieg des Ergebnisses vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag über den Planungen für das komplette Geschäftsjahr. Viele Analysten rechnen daher damit, dass Henkel die Unternehmensziele 2006 - organisches Wachstum von 3 bis 4 % sowie ein Plus von 10 % beim um Währungseffekte bereinigten Ebit und beim Ergebnis je Aktie - locker erfüllen bzw. übertreffen wird.



Innovationsturbo

Der Konzern kommt mit den anhaltend hohen Rohstoffpreisen bislang recht gut zurecht. Viel konnte Henkel an die Kunden überwälzen, zudem arbeitet das Unternehmen an der Steigerung der Innovationsrate. Statt bisher 25 % sollen künftig 30 % des Umsatzes mit neuen Produkten erzielt werden, die weniger als drei Jahre alt sind. Bei Innovationen ist ein Markenartikler denn auch in der Preisgestaltung etwas freier. Die Geschäftsführung hat ihre mittelfristigen Finanzziele klar kommuniziert - und ist auf gutem Weg, sie zu realisieren. Das organische Umsatzwachstum soll in jedem Jahr 3 bis 4 % erreichen, das Ergebnis je Aktie jährlich zweistellig steigen.

In zwei Jahren will Henkel einen Free Cash-flow von 1 Mrd. Euro generieren und im Normalfall 200 bis 300 Mill. Euro pro Jahr für Akquisitionen ausgeben. Die Aktionäre können auf mindestens ein Viertel des Nettoergebnisses als Dividende hoffen. Die Ebit-Marge soll bis 2008 auf 12 % klettern und der ROCE im gleichen Zeitraum 16 % erreichen. Geschafft hat Henkel im ersten Halbjahr 2006 eine Ebit-Marge von 10,4 % sowie einen ROCE von 14,5 %.



Peergroup profitabler

Dass die Bäume jedoch nicht in den Himmel wachsen, zeigt ein Blick auf die Peergroup. Henkels operative Marge hinkt trotz der kontinuierlichen Steigerungen der Konkurrenz hinterher. So prognostizieren die Analysten der Citigroup für 2007 für die Düsseldorfer 11 % Ebit-Rendite, sehen den großen Rivalen Procter & Gamble, an dem sich die gesamte Branche misst, aber bei 20,2 %. Auch Unilever, L'Oréal oder Beiersdorf schneiden besser ab. Das ist wohl der wichtigste Grund, warum Henkels Bewertung an der Börse schlechter ausfällt als die der Wettbewerber. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis 2006 liegt bei der Konkurrenz vielfach über 20. Henkel hat vor allem in den vergangenen Wochen den Abstand verringern können und schafft aktuell etwa 17. Festzustellen bleibt, dass in den vergangenen zwölf Monaten praktisch alle Hauptwettbewerber an der Börse vom Henkel-Papier geschlagen wurden. Besonders im Vergleich zur Marktführerin Procter & Gamble hat sich der Abstand verringert. Während der US-Konzern binnen Jahresfrist nur um etwa 10 % vorankam, stiegen Henkel um rund 40 %.



Sind Fonds eingestiegen?

Nicht auszuschließen ist, dass der Konzern von einem generellen Trend profitiert hat: Finanzinvestoren schwimmen derzeit in Liquidität und sind besonders auch in Deutschland auf der Suche nach unterbewerteten Unternehmen und Investitionsgelegenheiten. Henkel selbst hat nach eigenen Angaben jedoch keine Erkenntnisse darüber, ob der eine oder andere Fonds Positionen aufgebaut hat. In der Vergangenheit sind vor allem angelsächsische Investoren durch die Aktiengattung Vorzüge abgeschreckt worden. Im Dax ist nur noch Henkel mit den stimmrechtslosen Papieren notiert .



Mehrwertsteuer-Keule

Wie es mit der Kursentwicklung weitergeht, wird sicherlich auch davon abhängen, wie gut der Konzern die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland zum 1. Januar 2007 verdaut. Denn trotz aller Internationalisierung macht Henkel auf dem Heimatmarkt immer noch knapp 20 % der Umsätze. Von den etwa 35 Analysten, die Henkel beobachten, empfiehlt rund die Hälfte das Papier derzeit zum Kauf. Gut 10 % raten zum Ausstieg, der Rest ist neutral eingestellt.


Börsen-Zeitung, 22.09.2006, Autor Antje Kullrich, Düsseldorf , Nummer 183, Seite 17, 847 Wörter

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