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Redaktion

Geld oder Brief
Von Christopher Kalbhenn, Frankfurt

Auf den ersten Blick können sich die Anteilseigner der Deutschen Börse zufrieden zurücklehnen. Denn auch im laufenden Jahr werden sie von der Kursentwicklung des Frankfurter Marktbetreibers verwöhnt. Kürzlich ist der Titel erstmals über die Schwelle von 130 Euro gestiegen. Nachdem sich die Aktie im vergangenen Jahr mit einem kräftigen Zuwachs von 95 % an die Spitze des Dax gesetzt hatte, folgte im laufenden Turnus bislang ein weiteres üppiges Plus von rund 43 %. Das entspricht fast dem Dreifachen der Performance des Dax und bedeutet Rang 4 in der Gewinnerliste. Analysten sind zudem teilweise davon überzeugt, dass mit 130 Euro noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. So hat die WGZ-Bank kürzlich ihr Kursziel für den Wert von 123,50 auf 140 Euro angehoben.

Allerdings müssten sich die Anteilseigner der Deutschen Börse mit der Möglichkeit befassen, dass sie mit dem Titel in der nahen Zukunft möglicherweise etwas weniger Freude haben werden. Denn die neuen Kurshöhen stellen sich zu einem Zeitpunkt ein, in dem auch die Risiken für die Aktie steigen. Sie könnten unter Umständen zu Kursrückschlägen führen.



Ewiger Einzelgänger

Risiken schlummern z.B. im Börsenkonsolidierungsprozess, der an Fahrt gewinnt. So haben in dieser Woche völlig überraschend die beiden führenden US-Terminbörsen, Chicago Mercantile Exchange (CME) und Chicago Board of Trade (CBoT), bekannt gegeben, dass sie ihren Zusammenschluss vereinbart haben. Damit ist eine weitere theoretische Option für die Deutsche Börse, mit einem anderen Marktbetreiber zusammenzugehen, ad acta zu legen. Zunehmend verfestigt sich der Eindruck, dass sich die Deutsche Börse demnächst in einer Situation wiederfinden könnte, in der alle anderen großen europäischen und amerikanischen Marktbetreiber in Zusammenschlüssen aufgehen, während das Frankfurter Unternehmen der ewige Einzelgänger bleibt. Die Nasdaq bemüht sich um die London Stock Exchange, an der sie eine Beteiligung von über 25 % aufgebaut hat. Das Börsenbündnis Euronext, derzeit das Objekt Frankfurter Fusionsbegierden, hat sich allen Kompromissen der Deutschen Börse zum Trotz darauf festgelegt, mit der New York Stock Exchange zu fusionieren. Derzeit gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass das Euronext-Management zu einem Kurswechsel zugunsten der Deutschen Börse gezwungen werden könnte.



Nicht existenzgefährdend

Allerdings erfordern die Risiken, die von der Konsolidierung ausgehen, eine differenzierte Betrachtung. So ist der Eindruck irreführend, dass die Deutsche Börse langfristig in ihrer Existenz gefährdet werden könnte, wenn sie anders als der Rest der Branche nicht mit anderen Wettbewerbern fusioniert. Denn durch den Zusammenschluss der anderen Börsen wird sie ihre quasi monopolartige Marktstellung im deutschen Wertpapierhandel nicht verlieren.

Zudem verfügt die Deutsche Börse mit dem Abwickler Clearstream und der Terminbörse Eurex über hochvolumige globale Geschäftsaktivitäten. Das Unternehmen ist sehr profitabel und finanziell bestens ausgestattet. Außerdem gibt es auch jenseits von Fusionen und Übernahmen Möglichkeiten, das eigene Geschäft auszubauen, etwa durch eine noch bessere Marktdurchdringung in den USA oder eine stärkere Bearbeitung der stark wachsenden asiatischen Region. Bedrohlich ist per se auch nicht die Tatsache, dass Eurex durch die Fusion der Chicagoer Börsen in der globalen Rangliste der Terminmarktbetreiber vom ersten auf den zweiten Rang verdrängt wird. Die Eurex verliert dadurch kein Geschäft. Anders sähe die Lage aus, wenn sich die zukünftige CME Group entscheiden würde, das Euro-Derivate-Geschäft der Eurex anzugreifen. Allerdings ist auch hier das Bedrohungspotenzial eher gering. Die Erfahrung gerade der Eurex US zeigt, dass es kaum möglich ist, einen etablierten Börsenbetreiber zu verdrängen.

Gefahren gehen von der Konsolidierung auf andere Art aus. In dem hohen Kurs der Deutschen Börse ist zu einem guten Teil die Erwartung eingearbeitet, dass der Marktbetreiber über kurz oder lang mit einem Wettbewerber fusioniert. Das Ausbleiben einer Transaktion würde eine wichtige Kursstütze beseitigen. Vor allem aber geht von einem Teil der Investoren, d. h. insbesondere dem Hedgefonds TCI, Gefahr aus. Dieser ist mit etwas über 10 % an der Deutschen Börse sowie in erheblichem Umfang auch an Euronext beteiligt. Derzeit übt der Lenker des Fonds, Chris Hohn, hinter den Kulissen erheblichen Druck im Hinblick auf eine Fusion zwischen Euronext und Deutscher Börse aus. Bleibt der Erfolg aus, könnten TCI und andere Hedgefonds Anteile der Deutschen Börse verkaufen und damit den Kurs unter starken Druck setzen.



Enttäuschungspotenzial

Weitere Risiken liegen in der operativen Entwicklung. Das hohe Kursniveau ist auch auf die hervorragenden Ergebnisse der Gruppe zurückzuführen. Diese wiederum basieren insbesondere auf den extremen Wachstumsraten, die der Kassa- sowie der Derivatehandel im ersten Halbjahr gezeigt haben. Im Derivatehandel, auf den knapp 40 % des Ergebnisses entfallen, ist dies teilweise auf strukturelle bzw. nicht nur kurzfristige Faktoren zurückzuführen. Insgesamt besteht jedoch das Risiko, dass die starken Wachstumsraten dieses Jahres nicht aufrechterhalten werden können. Somit könnten die zuversichtlichen Erwartungen der Marktteilnehmer enttäuscht werden. Derzeit rechnet der Markt laut Ibes nach 6 Euro in diesem Jahr für die Jahre 2007 und 2008 mit einem Anstieg des Ergebnisses je Aktie auf 6,5 und 7,3 Euro. Das Thema wird in rund zweieinhalb Wochen in den Vordergrund rücken und eventuell für Verunsicherung sorgen. Denn dann wird die Deutsche Börse anlässlich der Vorlage der Zahlen vom dritten Quartal ihre Guidance für 2007 vorlegen.

Börsen-Zeitung, 20.10.2006, Autor Christopher Kalbhenn, Frankfurt , Nummer 202, Seite 17, 830 Wörter

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