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Redaktion

Geld oder Brief
Von Daniel Zulauf, Zürich

Die hohen Bonuszahlungen, mit denen die meisten Investmentbanken in diesem Jahr ihre Trader verwöhnt haben, sind gute Kunde für die Schweizer Swatch Group. Der weltgrößte Uhrenhersteller bedient die neureiche Klientel in den Finanzmetropolen mit seiner breiten Palette an eleganten, sportlichen, prestigeträchtigen und vor allem teuren Zeitmessern. Die Nachfrage ist enorm: Im vergangenen Jahr erreichten die Verkäufe des Konzerns 5 050 Mill. sfr. Der Umsatz expandierte mit einem Plus von 12 % fast doppelt so schnell wie das langfristige Wachstum des weltweiten Uhrenmarktes. Die Auslastung der Fabriken des zum größten Teil immer noch in der Schweiz produzierenden Unternehmens ist gegen 100 % gestiegen, und das lässt den Gewinn förmlich explodieren: 830 Mill. sfr verdiente die Swatch Group im Jahr 2006 - ein Drittel mehr als im Jahr davor, und das war auch schon ein Rekordjahr.



50 Prozent in zwölf Monaten

In der Rangliste der 25 Standardwerte im Swiss Market Index sind die Swatch-Titel seit vier Jahren auf einen Spitzenplatz abonniert. In den vergangenen zwölf Monaten schnitten sie mit einer Kurssteigerung von mehr als 50 % rund fünfmal besser ab als der Durchschnitt der den Schweizer Markt dominierenden Pharma-, Bank- und Nahrungsmittelwerte. Besonders bemerkenswert ist aber der Umstand, dass die Swatch-Aktien im Zwölfmonatsvergleich auch ihre direkte Konkurrenz (Richemont, LVMH, Tiffany, Bulgari etc.) weit hinter sich ließen.

Dieser letzte große Kursschub zeigt, dass der Schweizer Uhrenmulti von der internationalen Finanzgemeinde jetzt definitiv auch als Luxusgüterhersteller wahrgenommen wird. Die Analysten des Wertpapierhauses Lehman Brothers stellten denn auch kürzlich fest, dass sich die Bewertungslücke zwischen der Swatch Group und der "luxury peer group" nun geschlossen habe. Die Investoren zahlen jetzt etwa das 20-Fache des für das laufende Jahr erwarteten Gewinns pro Aktie (16 sfr pro Inhabertitel im Analystenkonsens), womit die Titel ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 aufweisen.



Klotz am Bein

Die große Uhrwerkproduktion und das breite Sortiment an Uhren im niedrigeren Preissegment standen der Neubewertung während Jahren im Weg. Viele Analysten sehen die Uhrwerkproduktion als Klotz am Bein der Swatch Group. Bei einer oberflächlichen Betrachtung der Geschäftszahlen wird dieser Eindruck auch tatsächlich bestätigt: Mit einem Anteil am Konzernumsatz von 27 % erwirtschaftete der Bereich bis vor einem Jahr einen Anteil von lediglich 7,5 % am Betriebsgewinn. Und selbst im vergangenen Jahr, als die Fabriken schon nahe an der Vollauslastung produzierten, brachte der Bereich nur rund 15 % des operativen Gewinns der Gruppe ein. Doch für Nicolas G. Hayek, den 79-jährigen Präsidenten und Hauptaktionär, der die Swatch Group in den achtziger Jahren vor dem Untergang gerettet hat, ist und bleibt die Uhrwerkproduktion ein Kernstück im industriellen und kommerziellen Konzept des Unternehmens. Nach seinem Willen soll die Swatch Group neben ihren Luxusuhren der Marken Breguet, Blancpain, Glashütte oder Omega auch ein breites Sortiment an preisgünstigeren Uhren behalten. Dazu gehören etwa Rado, Longines, Tissot, cK und allen voran natürlich die 1984 lancierte Plastikuhr Swatch, die es natürlich längst auch in anderen Materialien zu kaufen gibt.

Hayek sagt, das Unternehmen müsse für Nachfrageschwankungen im Luxussegment stets gewappnet sein. Deshalb brauche der Konzern auch ein Angebot mit Uhren zu Stückpreisen von einigen hundert Franken und weniger. Für die Swatch Group geht diese Strategie auf, weil sie über die nötigen Mengen in der Produktion verfügt. Schätzungen zufolge ticken in vier von fünf Schweizer Uhren Swatch-Werke. Und fast in jedem Zeitmesser finden sich einzelne Komponenten aus den Fabriken des Marktführers. Als Folge der gigantischen Volumenproduktion erzielt die Swatch Group selbst mit ihren preisgünstigeren Uhren Margen, wie sie andere Firmen nur mit Luxusmarken erzielen. Nach einer Helvea-Schätzung beläuft sich zum Beispiel die Betriebsgewinnmarge von Tissot (Stückpreise zwischen 300 sfr und 900 sfr) auf 16 %, verglichen mit den 20 % der exklusiven Blancpain (Stückpreise über 10 000 sfr). Die mittelpreisigen Marken Rado und Longines (750 sfr bis 4 000 sfr) rentieren gemäß Helvea sogar mit 22 % bzw. 23 %.



Statussymbol in China

Den größten Volumenbeitrag liefert immer noch die alte Swatch, die allerdings nur knapp schwarze Zahlen schreibt. Das unbestrittene Flaggschiff der Swatch Group ist die Marke Omega, die zwar aufgrund ihres Preises (ab 1 800 sfr) nicht unbedingt als Luxusmarke bezeichnet werden kann, von den Konsumenten aber zunehmend so wahrgenommen wird. Omega bringt der Swatch Group vermutlich etwa ein Viertel des Umsatzes und gegen 40 % des Betriebsgewinns. Der Erfolg dieser Marke ist der Hauptgrund für das dynamische Wachstum des Uhrenkonzerns in den vergangenen zehn Jahren, und das könnte in den nächsten Jahren so bleiben. In den aufstrebenden Bevölkerungsschichten Chinas gilt die Omega als erstrebenswertes Statussymbol. Analysten schätzen, dass schon jetzt ein Viertel der Verkäufe in dieser Region getätigt wird.

Die großen Synergien innerhalb des 17 Marken umfassenden Uhrensortiments der Swatch Group haben sich im zurückliegenden Jahr in einem Maße auf die Geschäftszahlen ausgewirkt, wie das bislang noch nie der Fall gewesen war. Manche Analysten glauben, dass die Aktien jetzt nicht mehr viel Kurspotenzial besitzen. Ein "Schnäppchen" sind die Titel tatsächlich nicht mehr, doch solange das weltweite Konsumklima positiv bleibt, dürfte das Unternehmen weiterhin prozentual zweistellig wachsen.


Börsen-Zeitung, 06.04.2007, Autor Daniel Zulauf, Zürich , Nummer 68, Seite 17, 840 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2007068183&titel=Luxuspraemie-auf-Swatch-Aktien-
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