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Geld oder Brief
Von Gottfried Mehner, Hamburg

Mit Blick auf die laufende Fusion mit der belgischen Cumerio und das Auftauchen eines neuen Großaktionärs war die Situation bei der Norddeutschen Affinerie (NA) schon zuvor ziemlich unübersichtlich. Seit dem überraschenden Abgang von Werner Marnette, dem starken Mann an der Kupferfront, ist die Situation aber noch verworrener geworden. Kein Wunder, dass sich die Analysten mehrheitlich für Halteempfehlungen aussprechen. Die Nord/LB konstatiert eine "diffizile Gemengelage".

Bei einer Übernahme mitten im Fluss die Pferde zu wechseln ist wohl nie eine gute Idee. Aber auch Bernd Drouven, der als Finanzchef übergangsweise den Vorstandsvorsitz übernommen hat, will an der 777 Mill. Euro schweren Fusion mit der belgischen Cumerio festhalten. Fusionsrechtlich ist das Zusammengehen alles andere als der große Selbstläufer: Die vertiefte kartellrechtliche Prüfung läuft noch bis zum 2. Februar 2008. Im Fall einer Freigabe lautet dann allerdings die weltweite Reihenfolge unter den Kupferherstellern dieser Welt: Platz eins Codelco, Platz zwei Freeport McMoran und Platz drei NA.

Bei Cumerio ist die NA bereits mit 30 % engagiert und blätterte dafür über 230 Mill. Euro hin. Mehr als merkwürdig wirkte es, dass der seit Mitte Juni bei der NA mit inzwischen rund 15 % engagierte neue Großaktionär Mirko Kovats seiner neuen Beteiligung mit einem konkurrierenden Paketaufbau von 25 % bei Cumerio in die Quere kam. Entsprechend kann die NA ohne eine irgendwie geartete Einigung mit Kovats nicht mehr auf die ursprünglich angestrebten 80 % bei Cumerio kommen. Kovats warf der NA vor, bei Cumerio eine viel zu üppige Prämie von 30 % zu zahlen. Die Warburg Bank etwa betrachtet den Preis bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20,5 und einem EV/Ebit von 14,4 (2009) als um rund 100 Mill. Euro zu teuer.

Dies hinderte Kovats aber keineswegs daran, sich in blockierender Absicht zu den von ihm kritisierten Konditionen bei Cumerio die Sperrminorität zu verschaffen. Die Bankverschuldung seines Investitionsvehikels A-Tec hat sich inzwischen um 600 Mill. Euro erhöht. Dies dürfte größtenteils auf seine Kupfer-Abenteuer zurückzuführen sein.

Marnette hatte Kovats lange Zeit ignoriert. Richtig ärgerlich wurde er, als ein von der Commerzbank weiterplatziertes 10 %-Paket von Possehl schließlich weitgehend unaufgeschnürt bei Kovats landete. Natürlich ist es nicht die Aufgabe des Vorstandes, sich einen Aktionärskreis auszusuchen. Aber seit dem Listing im Jahr 1999 (siehe Tabelle) gingen der NA reihenweise die industriellen Investoren verloren. Es war schließlich Marnette, der den Lübecker Mischkonzern Possehl an Bord holte, weil er im Gegenzug den Kupfer-Recycler Hüttenwerke Kayser übernommen hatte.

Kovats hatte er lange Zeit die kalte Schulter gezeigt, wohl auch in der Hoffnung, dass diesem bald die finanzielle Luft ausgehen würde. Diese Strategie schien auch aufzugehen. Eine Hybridanleihe der A-Tec musste verschoben werden. Und dann hielten die Banken im Zuge der Subprime-Krise zunehmend die Taschen zu. Eindeutig zu weit ging Marnette natürlich, als er nach langem Geraufe Kovats schließlich zwei Aufsichtratsmandate versprach.

Mit einer intakten Corporate Governance hatte dies nichts mehr zu tun. Zwei Figuren mussten in diesem Szenario ja von Bord gehen. Und dass Marnette über die Köpfe des Kontrollgremiums hinweg dies bestimmen wollte, ging zu weit. Aufgrund seiner operativen Erfolge war er zuvor nicht offen kritisiert worden. Marnette ging mit einem Spitzenergebnis im Rücken.

Ansatzpunkte für Kritik gab es aber durchaus: Im weltweit boomenden Kupfergeschäft musste sich die NA fragen lassen, ob sie mit ihren Produktionskapazitäten eigentlich noch richtig aufgestellt ist. Aktuell ist sie weder in Südeuropa noch in Südamerika oder China aussichtsreich positioniert. Dabei steht China inzwischen für 25 % des Kupferbedarfs.

Ein lange erhoffter Zukauf in China hatte sich plötzlich zerschlagen, nachdem auf der Stromseite keine verlässliche Versorgung erreicht werden konnte. Zuvor war ein geplantes Engagement in Norditalien in die Binsen gegangen.

Börsen-Zeitung, 23.11.2007, Autor Gottfried Mehner, Hamburg , Nummer 226, Seite 17, 592 Wörter

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