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Geld oder Brief
Von Angelika Engler, Madrid

Nach sieben langen Jahren an der Spitze des spanischen Telekomkonzerns Telefónica sieht sich César Alierta für seine Aufräumarbeiten und Pionierleistungen endlich vom Markt bestätigt. Die Aktie, die lange Zeit bei 12 Euro festhing, knackte im Oktober erstmals seit dem Jahr 2000 wieder die Marke von 20 Euro und summiert bei einem Kurs von aktuell 22,63 Euro (Stand: Schlusskurs vom Donnerstag) einen Zugewinn von 40,4 % seit Jahresbeginn. Diese Performance lässt Telefónica wesentlich besser aussehen als andere Telekomwerte im Euro Stoxx 50 wie Deutsche Telekom (+ 9 % auf 15,09 Euro) France Télécom (+ 17,4 % auf 24,60 Euro) oder Telecom Italia (- 3,9 % auf 2,20 Euro). Der erreichte Börsenwert von stolzen 108,5 Mrd. Euro macht den Konzern weltweit zu einem der vier größten Telekomunternehmen. "Wir wollen der Toyota im Sektor sein", sagte Alierta kürzlich kein bisschen bescheiden.

Mehrheitlich begeistert

Viele Analysten haben die Aktie trotz ihrer Schwachpunkte, wie dem hohen Schuldenberg von 52 Mrd. Euro, hinter dem vornehmlich der 26 Mrd. Euro teure Kauf des britischen Mobilfunkanbieters steht, oder dem schwachen Deutschlandgeschäft der dortigen O 2-Filiale, schon seit längerem zu ihrem Liebling erklärt, weil sie den besten Mix aus Wachstum und Rendite biete. Der Titel ist mit einem nach JCF-Daten geschätzten KGV für 2007 von 16,3 zudem billiger als etwa Deutsche Telekom (23,3), die aber wiederum mit einer höheren Dividendenrendite von 4,7 % versus 2,8 % der Spanier punktet. Nach JCF raten 21 Analysten zum Kauf, jeweils neun zum Übergewichten und Halten, während nur je einer Untergewichten respektive Verkaufen empfiehlt. Wo andere Telekomkonzerne an Wachstumsgrenzen stoßen, kann Telefónica dank seiner Expansion in Lateinamerika, Europa und jüngst auch China schon seit längerem zweistellige Zuwachsraten herauskitzeln. Die Ausrichtung auf die Kernbereiche Festnetz, Mobilfunk und Breitband und der konsequente Verkauf nicht strategischer Aktiva wie der Mediensparte verbesserten Effizienz und Rentabilität.

Die dieses Jahr eingeführte Konzernstruktur von drei großen geografischen Bereichen - Spanien, Europa und Lateinamerika - und die Integration aller Festnetz-, Handy- und DSL-Aktiva in den jeweiligen Regionen erlaubt nach interner Rechnung, die geplanten Investitionen bis 2010 um fünf Prozentpunkte auf 33 Mrd. Euro zurückzufahren, und verspricht zugleich Synergien von 7,5 Mrd. Euro, 42 % mehr als bisher erwartet. Jetzt soll eines der letzten Überbleibsel aus der Zeit von Alierta-Vorgänger Juan Villalonga verkauft werden, um die Rückkehr zum strikten Kerngeschäft zu komplettieren. Für die Call-Center-Filiale Atento plant Telefónica 2008 einen Börsengang, der bis zu 30 % des Kapitals umfassen könnte. Das Mehrheitspaket soll anschließend - wie im Fall der niederländischen TV-Produktionsgesellschaft Endemol - meistbietend außerbörslich verkauft werden. Den Marktwert von Atento beziffern Analysten auf 1,5 Mrd. Euro, wobei die französische Teleperformance als Referenz für die Bewertung gilt.

Zuckerl Dividende

Der Durchbruch an der Börse gelang Alierta in diesem Herbst auch aufgrund seines Auftritts auf dem Investorentag im Oktober. Er überzeugte mit optimistischen und zugleich ehrgeizigen Geschäftsprognosen bis 2010: Der Nettogewinn soll dann 11 Mrd. Euro erreichen, 76 % mehr als 2006; die Einnahmen würden im günstigsten Fall um 8 % auf knapp 70 Mrd. Euro klettern, der Cash-flow werde auf 60 Mrd. Euro steigen, während die Kundenzahl vornehmlich dank Lateinamerika um 78 Millionen auf fast 300 Millionen anschwellen werde. Als Zuckerl gab Alierta den Investoren überraschend mit auf den Weg, das Dividendenversprechen von einem Euro pro Aktie um ein Jahr auf 2008 vorzuziehen und den für 2010 erwarteten Cash-flow für Gewinnausschüttung, Aktienrückkaufprogramme und Schuldenabbau verwenden zu wollen. Soviel Willen zum Shareholder-Value überzeugte auch die skeptischsten Investoren und brachte Alierta die lang ausgebliebene Anerkennung.

Wegweisende Entscheidung

Schließlich hatte er schon so manche wegweisende Entscheidung getroffen, die von der gesamten europäische Branche sekundiert wurde. So fasste er als Erster den Mut, die milliardenteuren UMTS-Lizenzen abzuschreiben und 2002 mit einem Verlust von 5,7 Mrd. Euro abzuschließen. Und als Erster gab er dem Markt im Oktober klare Wachstumsszenarien auf Dreijahressicht an die Hand. Der frühere Broker, der normalerweise nicht einmal zur Vorlage der Jahresbilanz vor die Presse tritt, ging auf einem Forum kürzlich noch stärker aus sich heraus und reklamierte, der bis 2010 erwartete Cash-flow müsse eingepreist werden, womit die Aktie mindestens 28,40 Euro - und damit 25 % mehr als derzeit - wert wäre. Ob die Investoren dieser Sichtweise folgen, bleibt abzuwarten. Wachstumsprojekte hat Telefónica indes derzeit genügend in der Pipeline. Der Einstieg bei Telecom Italia, die Verhandlungen mit dem bisherigen Partner Portugal Telecom über dessen Auskauf aus dem brasilianischen Mobilfunk-Joint-Venture Vivo, das Aufstocken bei China Netcom auf 10 % noch vor Jahresende sind Schritte, mit denen Alierta die Weichen für die Zukunft stellt.

Auch für neue Tendenzen im Sektor scheint der Konzern gerüstet. Allerdings lassen sich nicht alle Analysten von der Euphorie mitreißen. Einige vermissten auf dem Investorentag eine klarere Aussage zur Größenordnung künftiger Zukäufe und sehen darin ein gewisses Risiko. Die Prognosen bis 2010 gehen zudem nur auf, sofern es im derzeit prosperierenden Lateinamerika keinen Konjunkturumschwung gibt. Der Sektor an sich dürfte aber weiter wachsen, und Telefónica hat schon oft genug bewiesen, auch Risiken zu meistern.


Börsen-Zeitung, 14.12.2007, Autor Angelika Engler, Madrid , Nummer 241, Seite 17, 825 Wörter

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