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Redaktion


Geld oder Brief
Von Bernd Weber, Stuttgart

Eine Apotheke von Celesio hat in den Niederlanden den Titel "Apotheke des Jahres 2007" gewonnen. Das Prädikat "Aktie des Jahres 2007" hat sich der Anteilsschein des Pharmagroßhändlers und Apothekenbetreibers aus Stuttgart, der zu knapp 53 % dem Haniel-Konzern gehört, aber nicht verdient.

Ziemlich genau zum Jahreswechsel 2006/2007 und auf einem Kursniveau von etwa 40 Euro hatte die Celesio-Aktie zum Höhenflug angesetzt. Die Aufwärtsbewegung führte das Papier mit der Ankündigung der Übernahme von DocMorris bis an 55 Euro heran, dann begann der Abstieg. Ende September wurde eine Erholung beendet. Grund war eine Gewinnwarnung der Gesellschaft. Und den jüngsten Marktturbulenzen konnte sich auch Celesio nicht ganz entziehen. Aktuell werden knapp 39 Euro für eine Celesio-Stammaktie fällig. Damit performte die Aktie in den vergangenen 52 Wochen per saldo ziemlich exakt wie der MDax, dem das Papier angehört. Index und Aktie liegen bei gut 87 % des vor einem Jahr erreichten Niveaus.

Nicht um jeden Preis

Nun scheinen die Expansionspläne Celesios in Russland ins Stocken zu geraten. Bisher ist offiziell nur von Verzögerungen bei den Verhandlungen über einen Einstieg bei der russischen Protek die Rede, in Moskau aber wird schon ziemlich offen diskutiert, die Alteigentümer von Celesios Wunschkandidaten wollten offenbar zu viel Geld und ein Scheitern der Gespräche stünde kurz bevor. Das Gebot, dass sich Akquisitionen rechnen müssen, gilt natürlich auch für Celesio-Vorstandschef Fritz Oesterle. Insofern wäre sein "Njet" mehr als nachvollziehbar und sollte den Aktienkurs nicht belasten.

Dabei wäre Protek sicherlich ein geeignetes Sprungbrett gewesen, um in den russischen Markt einzutauchen. Zu Protek gehören der führende Pharmagroßhändler Russlands und mit Rigla die zweitgrößte Apothekenkette. Abgeschrieben hat Celesio den russischen Markt nicht, dafür bietet er ein zu großes Wachstumspotenzial. Aber es ist richtig, nicht um jeden Preis nach dorthin vorzustoßen. Da haben sich schon ganz andere Kaliber eine blutige Nase geholt.

Druck von vielen Seiten

Von Blessuren blieb Celesio aber auch ohne Russland nicht verschont. Mit der Übernahme der Versandhandels-Apothekenmarke DocMorris rüstete sich Celesio zwar für eine erwartete Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes, brachte aber auch die deutschen Apotheker gegen sich auf und verlor dadurch Großhandelsgeschäft, was sich bereits in den Halbjahreszahlen zeigte. Zum anderen traf Celesio besonders eine in der Höhe unerwartete Senkung der Arzneimittelerstattungspreise in Großbritannien. Daraufhin hatte Celesio Anfang Oktober die Prognosen angepasst und erklärt, der Vorsteuergewinn des Konzerns werde zwischen 2006 und 2010 durchschnittlich nicht mehr prozentual zweistellig wachsen. Für das Gesamtjahr rechnet der Stuttgarter Konzern ohne Sondereffekte im Großhandel nun mit einem Umsatzanstieg, der höher liegt als die für den europäischen Pharmamarkt prognostizierten 5 %. Das operative Ergebnis (Ebitda) soll stärker wachsen als der Umsatz.

Trend zum Direktgeschäft

Der fast 80 % zum Konzernumsatz beisteuernde Großhandel bereitet der Gesellschaft im Moment nicht die große Freude. Die DocMorris-Übernahme führte zu Abwanderungen von Apotheken zur Konkurrenz, es herrscht Rabattkrieg, und die Hersteller gehen vermehrt dazu über, Apotheken selbst zu beliefern. Einer Studie des Informationsdienstleisters Insight Health zufolge verzeichneten die über den Großhandel abgegebenen Präparate 2007 in Deutschland ein Umsatzplus von 3,3 %, bei den Direktlieferungen waren es über 12 %. Der deutsche Apothekenmarkt wuchs laut Insight Health um 4,4 % auf rund 22,8 Mrd. Euro zu Herstellerabgabepreisen.

In den ersten neun Monaten 2007 erzielte Celesio fast 80 % seines Gesamtumsatzes von 16,6 Mrd. Euro im Großhandel, in den eigenen Apotheken waren es gut 16 %, der Rest entfiel auf Services. Die Marge im Großhandel liegt bei etwa 2 %, im Einzelhandel (Apothekengeschäft) waren es fast 11 %. Damit steuerten beide Geschäftsbereiche je rund die Hälfte zum Konzern-Ebit von 550 Mill. Euro bei.

Die wesentlichen Ertragsimpulse werden deshalb auch in der Zukunft aus dem Apothekengeschäft kommen. Schon jetzt sind die Stuttgarter mit weit über 2 000 Standorten der größte Apothekenbesitzer in Europa. In Deutschland arbeiten rund 100 Apotheker unter dem grünen Franchise-Logo von DocMorris. Bisher haben die DocMorris-Apotheken nur für einen geringen Wachstumsimpuls gesorgt. Kräftig dürfte dieser werden, wenn der Europäische Gerichtshof sich für eine Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes ausspricht. Eine Entscheidung des Gerichts erwarten Experten im Lauf des Jahres.

Mehrheit für "Kauf"

Inzwischen sprechen sich 12 der 20 laut Bloomberg das Unternehmen beobachtenden Analysten für einen Kauf der Aktie aus. Lediglich drei Experten würden verkaufen. Häufig wird als Einstiegsargument die Bewertung angeführt, nachdem das Papier deutlich preiswerter geworden ist und erst vor wenigen Tagen mit 31,82 Euro das 52-Wochen-Tief erreichte.

"Defensiv, diversifiziert, günstig", nennt Ulrich Huwald von M. M. Warburg Celesio. Celesio könne in der gegenwärtigen Marktverfassung ein interessantes Investment sein, erklären die Analysten von Cazenove. Die Unsicherheit oder auch der Beginn einer Konjunkturabkühlung erhöhten üblicherweise das Interesse an den defensiven Pharmaaktien. Celesio könne anderen Pharmawerten vorgezogen werden, weil die Stuttgarter beispielsweise nicht dem Risiko von Generika oder auch dem Zwang zu Innovationen ausgesetzt seien. Auf Basis der im Konsens geschätzten Gewinne für 2008 wird Celesio mit einem KGV von etwa 13,5 bewertet und damit etwa auf dem Durchschnittsniveau der Vergleichsgruppe, die für Cazenove aus Galenica, OPG, Sanacorp und United Drug besteht.

Börsen-Zeitung, 01.02.2008, Autor Bernd Weber, Stuttgart , Nummer 22, Seite 17, 814 Wörter

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