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Redaktion


Geld oder Brief
Von Giovanni Binetti, Mailand

In Italien wird Mitte April ein neues Parlament gewählt. Allgemein gilt die Erkenntnis, das politische Umfeld sei wichtig für Unternehmen und somit auch für deren Aktien. In Italien trifft das besonders auf ein Unternehmen zu: auf den Medienkonzern Mediaset.

Italiens größte private Fernsehgruppe wurde vom Ex-Ministerpräsidenten und heutigen Oppositionsführer Silvio Berlusconi gegründet. Er kontrolliert den Konzern auch weiterhin. Zuletzt betrug seine Beteiligung 40,2 %. Sein Sohn Piersilvio ist als Vizepräsident der Gesellschaft maßgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt.

Mediaset war einst sogar die Ursache, weshalb Berlusconi in den politischen Ring stieg. Es war Anfang der neunziger Jahre, als die Linke erstmals kurz vor der Macht stand. Berlusconi hatte viel zu verlieren, denn die Linke wollte damals geltendes Recht umsetzen und Mediaset zusammenstutzen. Aber er stampfte binnen weniger Monate eine Partei aus dem Boden, gewann die Wahlen und zementierte die Position Mediasets als größten privaten Fernsehanbieter mit seinen Sendern Canale 5, Retequattro und Italia 1.

Mitte-links-Regierungen änderten bisher nichts an dem Status, drohten dies aber zumindest an und machten so Investitionen in Mediaset-Aktien riskant. War Berlusconi an der Macht, galt das mittelfristige Bestehen dagegen als sicher. Entsprechend volatil entwickelte sich der Aktienkurs an der Mailänder Börse. Allein an dem Tag, als Romano Prodi seinen Regierungsauftrag erhielt, am 16. Mai 2006, büßte der Titel 1,6 % ein. Da war die Wahl schon fünf Wochen her, und seit längerem stand auch fest, dass Berlusconi abgewählt worden war.

Deutliche Einbußen

Damals wechselten die Mediaset-Papiere für deutlich mehr als 8 Euro den Besitzer. Während der kurzen Regierungszeit Prodis sank der Kurs kräftig. Dies ist nicht ausschließlich auf die politische Situation zurückzuführen. Die weltweit abwärts gerichteten Märkte seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres taten ihr Übriges. Bis zu dem Tag bevor Prodi seinen Rücktritt einreichte, verbilligten sich Mediaset-Papiere um 28,5 %. Mit dem Rücktritt Prodis am 24. Januar 2008, der einer verlorenen Vertrauensabstimmung im Senat folgte, ging es dann knapp 2 % nach oben. Als der letzte Versuch des Regierungslagers scheiterte, vorzeitige Neuwahlen zu verhindern, notierte die Aktie bei 6,07 Euro, ein Plus von fast 3 % gegenüber dem Tag vor Prodis Rücktritt.

Noch alles offen

Unterm Strich schnitt Mediaset in dieser Zeit dennoch schlechter ab als der 40 Titel umfassende Leitindex der Mailänder Börse, der MIB, der um 5,6 % kletterte. Analysten weisen aber darauf hin, dass eine Rückkehr Berlusconis an die Macht noch nicht feststeht. Zwar liegt er in Umfragen vorn, sein Vorsprung schrumpft allerdings. Zum anderen begann der Kurs der Mediaset-Aktie mit der Ankündigung der Neuwahlen am 13. und 14. April nach langer Zeit überhaupt wieder zu steigen. Das Ende der Mitte-links-Regierung rettet Berlusconis Medienimperium vor einer Gesetzesnovelle, die den Konzern Berlusconis kräftig belastet hätte.

Lizenzentzug angedroht

Prodis Kommunikationsminister Paolo Gentiloni wollte Retequattro die Lizenz als frei empfangbarer terrestrischer Sender entziehen. Die Frequenzen wären an den Sender Europa 7 übergegangen, dem die Rechte daran lange zustehen. Gleichzeitig sah der Entwurf zum Gesetz Gentiloni vor, den Anteil eines Unternehmens an den gesamten Werbeeinnahmen der TV-Branche auf maximal 45 % zu beschränken. Faktisch hätte dies die Wachstumsaussichten Mediasets deutlich eingetrübt.

Mit der Ausrufung von Neuwahlen ist es aber vom Tisch. Das von der letzten Regierung Berlusconi erlassene und auf Mediaset zugeschnittene Mediengesetz bleibt in Kraft, obwohl auch die EU-Kommission dieses als wettbewerbswidrig bezeichnete. Im Augenblick ist die politische Situation ein positiver Faktor für die Mediaset-Aktie. Nach Einschätzung der Analysten von JPMorgan bleibt es nicht bei diesem einen Faktor.

Auch die Dividendenpolitik des Konzerns spreche für Investitionen in Mediaset-Aktien. Die damit erzielbare Rendite (Dividend Yield) liege bei 7,3 %. Außerdem spreche die Diversifizierung der Geschäftsbasis für den Konzern. So haben die Italiener die Produktionsfir-

ma Endemol gemeinsam mit Firmengründer John de Mol übernommen.

Begrenztes Potenzial

Allerdings sehen Experten auch negative Faktoren. So seien die Investitionen in das Geschäft mit dem Bezahlfernsehen (Pay-TV) sehr hoch. Außerdem wachse das traditionelle Fernsehgeschäft in Italien kaum. Insgesamt birgt die Mediaset-Aktie ein begrenztes Aufwärtspotenzial. Das durchschnittliche Kursziel von 14 Analysten liegt bei 6,51 Euro. Zuletzt kostete das Papier 6,19 Euro. In den vergangenen drei Monaten hat sich aber unter den Experten etwas mehr Optimismus breit gemacht, obwohl Kauf- oder Akkumulierempfehlungen die Ausnahme bleiben. Manche sind auch besonders pessimistisch. Die Citigroup etwa rät zum Verkaufen. Sie zweifelt daran, dass der Medienriese seine Ziele für 2008 im aktuellen Marktumfeld erreichen kann.

Eine Lösung sehen Kenner in der Diversifizierung. In diesem Sinne erwarb die Gruppe kürzlich für 32 Mill. Dollar 28 % des spanischsprachigen US-Senders Caribevisión. Dieser gilt als "Start-up" mit Expansionspotenzial in Bundesstaaten mit vielen spanischsprachigen Einwohnern.

Das wichtigste Ereignis für Mediaset bleiben aber die Wahlen. Erst wenn der Sieger feststeht, ist auch längerfristig abzusehen, wohin die Reise für den Konzern geht.

Börsen-Zeitung, 29.02.2008, Autor Giovanni Binetti, Mailand , Nummer 42, Seite 17, 771 Wörter

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