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Geld oder Brief
Von Antje Kullrich, Düsseldorf

Die Henkel-Aktie schwächelt ganz schön. Das im Dax notierte Vorzugspapier büßte seit Jahresbeginn 30 % ein. Die nahe Zukunft verspricht nicht unbedingt glänzendere Zahlen, mehrere Schmutzteufelchen setzen dem Produzenten von Persil, Fa und Pril mächtig zu.

Die größte Herausforderung stellen die Rohstoffkosten da. Sie stiegen für den Konzern im vergangenen Jahr um 4 %, für 2008 rechnet die Unternehmensspitze mit einem Wachstum im mittleren einstelligen Bereich. Durch Rezepturveränderungen, Lieferantenwechsel und vor allem Preiserhöhungen versucht Henkel, die Belastungen aufzufangen. Doch nach Ansicht von Analysten hat Henkel immer mehr Schwierigkeiten, die steigenden Kosten an die Kunden weiterzugeben. Schönheitsflecken, die sich nicht so schnell wegwischen lassen, offenbart auch das US-Geschäft. Vor allem die nordamerikanische Automobil- und die Bauindustrie sind große Nachfrager der Henkel-Klebstoffe, doch die Orders ließen als Folge der anschwellenden Krisenstimmung in den USA in den vergangenen Monaten zu wünschen übrig.

Renditeziel ad acta gelegt

Die allgemeine Furcht vor einer Konjunkturabkühlung und damit einhergehender Konsumschwäche erfasst langsam auch Europa als mit Abstand größten Markt für Henkel - und auch wenn die Daten des Konzerns hier noch keine negativen Effekte zeigten, so reagieren die Investoren doch eher zurückhaltend.

Dem seit drei Jahren propagierten Ebit-Margenziel von 12 % für 2008 musste Henkel vor zwei Wochen offiziell vorerst Ade sagen. Da half es auch wenig, dass die Henkel-Führung gleichzeitig versuchte gegenzusteuern - mit einem Sparprogramm, das 3 000 Stellen kosten wird, aber von 2011 an eine jährliche Ergebnisverbesserung von 150 Mill. Euro bringen soll. Der Finanzmarkt senkte trotzdem den Daumen. Nach der Vorlage der Zahlen für 2007 und dem Ausblick der Geschäftsführung auf das laufende Jahr herrschte Ernüchterung. Die Kursziele bröckelten auf breiter Front. Die Analystenkommentare klangen alles andere als euphorisch. Die meisten ließen eine abwartende Haltung erkennen - allerdings mit sich tiefer eingrabenden Sorgenfalten, die auch die Henkel-Anti-Aging-Cremes derzeit nicht mildern können. Die Investment-Risiken würden höher, konstatierte Merck Finck nüchtern. Zwölf Häuser empfehlen die Aktie derzeit laut Reuters noch zum Kauf, zehn geben sich neutral und fünf Banken raten zu einer Reduzierung des Engagements.

Persil-Geburtstag

2007 erstrahlte die Henkel-Welt zum 100. Geburtstag ihrer bekanntesten Marke Persil noch in nahezu blütenweißem Glanz: Dreimal hob die Henkel-Führung die Umsatzprognose im Laufe des Jahres an. Mit dem Kauf der Klebstoffaktivitäten der ICI-Tochter National Starch für knapp 4 Mrd. Euro fädelte der Weltmarktführer in der Klebebranche zudem die größte Akquisition der Firmengeschichte ein - und erntete viel Lob für den strategischen Schritt. Denn mit der Integration der weltweiten Nummer 3 festigt Henkel die eigene Position als unangefochtener Weltmarktführer. Sogar die Kartellbehörden konnten angesichts eines immer noch fragmentierten Marktes kein Haar in der Suppe finden und genehmigten die Übernahme ohne Auflagen.

Passgenauer Kauf

Ob die ICI-Klebstoffe sich so passgenau in die Henkel-Welt einfügen wie von der Geschäftsführung prognostiziert, wird sich frühestens in zwei, drei Jahre zeigen. Die Düsseldorfer rechnen mit hohen Synergieeffekten zwischen 240 und 260 Mill. Euro.

Kurzfristig jedoch lässt sich damit die Rendite noch nicht aufpolieren. JPMorgan ist pessimistisch eingestellt: "Underweight" lautet die nach der Bilanzvorlage aktualisierte Einschätzung der Investmentbank. Die Analysten argumentieren, das neue Sparprogramm offenbare das drückende Kostenproblem. Doch signifikante Ergebniseffekte aus der Streichung von 3 000 Stellen und der Aufwandsreduzierung um 150 Mill. Euro pro Jahr von 2011 an erwarten die Analysten nicht. Sie verweisen auf das Sparpaket des Jahres 2004, mit dem das magische 12 %-Ziel eigentlich erreicht werden sollte. Doch das habe ja auch schon nicht geklappt.

Konkurrenz bei KGV vorne

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 für 2008 liegt Henkel deutlich unter den Durchschnittswerten in der weltweiten Haushaltsmittel- und Körperpflegebranche. Wettbewerber wie Colgate-Palmolive, Procter & Gamble und Reckitt Benckiser weisen Werte um 20 auf. Selbst Unilever kommt auf etwa 15. Doch, so merken die JPMorgan-Beobachter an, sei zu beachten, dass Henkel immerhin fast 50 % des Gewinns aus dem Spezialchemiesektor ziehe. Und das sei eine Branche, deren KGVs im Durchschnitt um einiges niedriger lägen.

Warten auf Kasper Rorsted

Die Luft bei Henkel ist aber auch deshalb ein bisschen raus, weil alle auf den neuen Konzernchef Kasper Rorsted warten. Der Däne, fast 20 Jahre jünger als der langjährige Konzernlenker Ulrich Lehner, wird Mitte April das Zepter übernehmen. Er ist der erste Vorsitzende der Geschäftsführung, der nicht auf eine mindestens 20-jährige Karriere im Konzern zurückblicken kann. Ob er an strategischen Grundfesten wie dem bisher uneingeschränkten Bekenntnis zur Kosmetiksparte rütteln will, ließ er bislang - wen wundert's - noch nicht durchblicken. Im grundsoliden familiendominierten Henkel-Konzern, der Konzernumbauten vorsichtig und ohne jede Brachialgewalt angeht, käme das wohl kaum gut an. Im Herbst will die Geschäftsführung immerhin neue mittelfristige Finanzziele verkünden - und damit zumindest den finanziellen Erwartungshorizont für die kommenden Jahre definieren.


Börsen-Zeitung, 14.03.2008, Autor Antje Kullrich, Düsseldorf , Nummer 52, Seite 19, 761 Wörter

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