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Geld oder Brief
Von Antje Kullrich, Düsseldorf

Es läuft seit geraumer Zeit nicht richtig gut für QSC. Im Wachstumsmarkt DSL ist das Kölner Telekommunikationsunternehmen im vergangenen Jahr vom Jäger zum Gejagten geworden. Spielte der Breitband-Netzbetreiber 2006 mit der Übernahme des Hamburger Konkurrenten Broadnet noch eine aktive Rolle in der Konsolidierung am Markt, so ist das Unternehmen mittlerweile selbst Gegenstand von Übernahmespekulationen.

Vom Horrorjahr 2007 hat sich die im TecDax notierte Gesellschaft bislang nicht erholt. Höhepunkt der Misere war die drastische Reduzierung des Ergebnisziels im Oktober. Im Vergleich zum Frühjahr 2007, als der Aktienkurs die Marke von 6 Euro knackte, war QSC am Ende des Jahres nur noch ein Drittel wert. Ein kleines Zwischenhoch an der Börse im April dieses Jahres verdampfte trotz ordentlicher Quartalszahlen wieder. Auch die Euphorie über die angehobene Prognose Anfang der Woche, die den Kurs am Montag um 9 % in die Höhe trieb, löste sich schnell in Luft auf. Mit einem Marktwert von derzeit rund 300 Mill. Euro sieht sich der Vorstand unterbewertet. In der Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate hinkt der Titel Wettbewerbern wie Versatel und Freenet hinterher.

Paradebeispiel

QSC ist ein Paradebeispiel dafür, wie schwer es ist, einmal verspieltes Vertrauen wiederzugewinnen. Dazu kommt, dass sich das Management angesichts der Marktlage in den vergangenen Monaten gezwungen sah, einen Strategiewechsel einzuleiten. In der Vergangenheit positionierte sich QSC vor allem als Netzbetreiber, der Kapazitäten für Dritte zur Verfügung stellt und als einer von maximal vier Infrastrukturbetreibern - so die Prognosen - die Konsolidierung überleben wird. Die Signale aus Köln sehen heute anders aus: "Wir brauchen Zugriff auf ein Netz zu Selbstkosten", sagt Vorstandschef Bernd Schlobohm mittlerweile. Die Trennung von der Mehrheit am Netz, das bereits in eine eigene Gesellschaft namens Plusnet ausgegliedert ist und mit Tele2 auch schon über einen Minderheitsgesellschafter verfügt, ist denkbar und - so scheint es - sogar angestrebt. QSC wolle noch stärker ein serviceorientiertes Unternehmen mit speziellen umfassenden Telekommunikationsdienstleistungen für Geschäftskunden werden, so tönt es neuerdings aus dem Kölner Norden. Es ist keine Drehung um 180 Grad, aber immerhin eine deutlich Korrektur der bisherigen Richtung. Es bleibt die Unsicherheit, wie realistisch und erfolgreich der neue Weg sein wird.

Eigentlich hat das Kölner Unternehmen viel auf seiner Habenseite zu verbuchen: Da ist zum einen ein äußerst konstantes und stabiles Management. Vorstandschef Schlobohm und sein Finanzchef Markus Metyas sind seit dem Börsengang im Jahr 2000 an Bord. Das Gespann überzeugte in der Vergangenheit mit Ausnahme des Ausrutschers 2007 über all die Jahre mit einer soliden und verlässlichen Guidance - trotz der Herkunft vom Neuen Markt. Zum anderen kann QSC auf eine stabile Aktionärsstruktur verweisen. Größter Anteilseigner mit knapp 25 % ist seit langem Baker Capital, ein offensichtlich äußerst geduldiger Finanzinvestor, der bisher nicht durch aggressive öffentliche Forderungen die Unternehmensleitung unter Druck gesetzt hat. Gut 20 % hält das Management, bei Sal. Oppenheim liegen rund 5 %.

Netz-Break-even in Sicht

Die Analysten äußern sich differenziert zu QSC. Die Zahlen des zweiten Quartals wurden allgemein gelobt. Das Ebitda von 14,2 Mill. Euro - eine Steigerung von 30 % im Vergleich zum Vorjahr - lag deutlich über den Erwartungen der Beobachter. Auch die Aussagen von Schlobohm, der Break-even des Netzes sei in Sicht und werde bei 550 000 Teilnehmeranschlussleitungen erreicht, wurden positiv gewertet. Am 30. Juni hatte QSC 467 000 Kunden angeschlossen. Auf längere Sicht jedoch sind diverse kritische Stimmen zu hören. Während die optimistische Unicredit ihr "Buy" wiederholte, bestätigten JPMorgan und HSBC nach dem Zwischenbericht ihre Einschätzung "Underweight", die WestLB blieb bei ihrem "Hold".

Das fundamentale Problem: QSC verdient nach acht Jahren an der Börse immer noch kein Geld. In diesem Jahr soll endlich eine schwarze Null unterm Strich geschafft werden, doch ob sich im Wholesale-Geschäft mit DSL-Wiederverkäufern, das mittlerweile mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht, tatsächlich die erwarteten Margen generieren lassen, wird zunehmend angezweifelt. JPMorgan-Analyst Hannes Wittig fürchtet sogar, dass QSC einen oder mehrere der wichtigsten Reseller-Großkunden (United Internet, Telecom Italia, Freenet) verlieren könnte. Denn das DSL-Geschäft von Freenet steht zum Verkauf, und ob sich der neue Eigentümer mit QSC arrangiert, ist offen. Auch wird spekuliert, Telecom Italia (Hansenet) könnte sich mit der Konkurrentin Versatel verbünden, die selbst über ein eigenes Netz verfügt, oder den Anschluss an Telefónica suchen.

Konkurrenz vom Kabel

QSC könnte sowohl von der klassischen DSL-Konkurrenz als auch von den Kabelnetzbetreibern als neuen Wettbewerbern in die Zange genommen werden, wenn es dem Konzern nicht zügig gelingt, neue stabile Allianzen zu schmieden. Die Konkurrenz durch Kabelanbieter ist im Kommen: KDG, Unitymedia und Kabel BW wuchsen im DSL-Geschäft in den vergangenen drei Quartalen schneller als die anderen "traditionellen" DSL-Anbieter. QSC-Chef Schlobohm traut den Unternehmen bis zu 12 % Marktanteil im DSL-Geschäft zu.

Fakt ist: QSC steht unter intensiver Beobachtung. Der Status quo ist alles andere als stabil. Die Kölner brauchen starke verlässliche Partner. Sonst ist die Unabhängigkeit des Gesamtkonzerns, die das Management unbedingt erhalten möchte, womöglich doch in Gefahr. Solange diese Weichen nicht gestellt sind, hängt QSC an der Börse in einer Warteschleife. Gerüchte allerdings dürften den Kurs immer wieder mal treiben.


Börsen-Zeitung, 15.08.2008, Autor Antje Kullrich, Düsseldorf , Nummer 157, Seite 17, 827 Wörter

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