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Redaktion

Geld oder Brief
Von Antje Kullrich, Düsseldorf

Sein erstes Jahr als neuer Deutz-Chef hatte sich Helmut Leube sicher leichter vorgestellt. Von seinem Vorgänger Gordon Riske hatte der frühere BMW-Manager im Februar ein wenn nicht glänzend, so doch solide aufgestelltes Haus übernommen. Die umsichtige Sanierungsarbeit von Riske hatte Wirkung gezeigt - auch wenn die Mühen, wie er selbst einmal in einem Interview zugegeben hatte, länger gedauert hatten als erwartet.

Riskes Erfolge haben sich im Zuge der Finanzkrise zu einem beträchtlichen Teil jedoch schon wieder in Luft aufgelöst. Deutz ist ein konjunktursensibler Motorenbauer und bekommt den Gegenwind als Zulieferer der Baumaschinen- sowie der Nutzfahrzeugindustrie als einer der ersten zu spüren.

Dramatischer Kurssturz

Das in den vergangenen Jahren mühsam wieder erarbeitete Vertrauen der Anleger ist futsch, die Kursentwicklung der jüngsten Zeit dramatisch. Seit dem Hoch Anfang 2007 von 12 Euro ist der Aktienkurs um 80 % abgestürzt. Allein in den vergangenen fünf Wochen hat sich die Notierung nahezu halbiert. Von rund 1,5 Mrd. Euro Marktkapitalisierung vor der Finanzkrise sind nur noch knapp 300 Mill. Euro aktuell übrig. Die Quittung kam prompt: Ende September flog der Motorenbauer aus dem MDax, in den es das Traditionsunternehmen erst zwei Jahre zuvor wieder geschafft hatte.

Gleich zwei Mal binnen drei Tagen hatte der Deutz-Vorstand in der vergangenen Woche schlechte Nachrichten zu verkünden. Zuerst schraubte das Unternehmen angesichts der rapide gesunkenen Nachfrage vor allem aus der Baumaschinenindustrie zum zweiten Mal in diesem Jahr die Ziele für das Gesamtjahr zurück. Bei geringem Wachstum rechnet die Konzernführung mit einer Ebit-Marge von nur noch 2 %. Die zweite Hiobsbotschaft kam vom Finanzinvestor 3i, an den Deutz vor gut einem Jahr die Sparte Power Systems verkauft hatte, die dezentrale Energieanlagen produziert. Die Private-Equity-Gesellschaft will eine nachträgliche Kaufpreisminderung vor einem Schiedsgericht durchsetzen, da sie Aufklärungspflichten verletzt sieht. Käme 3i mit dem Anliegen durch, würde das das Ergebnis deutlich belasten.

Analysten pessimistisch

Danach hagelte es Verkaufsempfehlungen der Analysten. Deutsche Bank, Goldman Sachs, Cheuvreux, UBS, DZ Bank, WestLB, Bankhaus Lampe, Close Brothers Seydler - sie alle haben für Deutz nicht mehr viel übrig und raten knallhart "Sell". Die Konjunktursensibilität ist in einer Phase, in der das ganze Ausmaß des wirtschaftlichen Abschwungs noch nicht seriös abgeschätzt werden kann, Gift für die Laune der Anleger.

Das Problem des Kölner Konzerns, der als KHD einst zu den großen deutschen Industriekonglomeraten zählte, ist, dass er sich in den "guten" Jahren nicht genügend Speck angefressen hat. "Trotz eines außergewöhnlichen Booms im Maschinenbau in den vergangenen Jahren hat Deutz das Margenziel von 7 % (auf Ebit-Basis) nicht erreichen können", gab kürzlich Sal. Oppenheim in einer Studie zu bedenken. Im Jahr 2007 hatte der Konzern, der in der vergangenen Dekade zu einem reinen Motorenbauer für Arbeitsmaschinen und Nutzfahrzeuge zurechtgestutzt worden war, 6,3 % geschafft.

Verluste befürchtet

Manche Analysten befürchten, dass Deutz im kommenden Jahr unterm Strich wieder rote Zahlen schreiben wird. Mal wieder - ist man versucht zu sagen. Mit unschöner Regelmäßigkeit haben die Kölner seit Mitte der 80er Jahre Abschlüsse mit Verlusten präsentiert. Nicht immer fielen diese so existenzbedrohend aus wie 1995/96, als KHD durch Manipulationen und verschleierte Verluste im Anlagenbau in dreistelliger Millionenhöhe am Abgrund stand. Ein echter Renditebringer jedoch ist Deutz nie geworden.

Allerdings konnte das Management in jüngster Zeit durchaus einige Erfolge vorweisen. Bilanziell haben sich die Verhältnisse drastisch verbessert. So wies Deutz 2001 nur noch eine Eigenkapitalquote von mageren 8,2 % auf. Die Nettofinanzschulden summierten sich bei einer Bilanzsumme von gut 1,1 Mrd. Euro auf 340 Mill. Euro. Ende Juni 2008 kann der Vorstand auf eine Eigenkapitalquote von knapp 40 % bauen. Die Nettoverschuldung ist einer positiven Nettofinanzposition von 47 Mill. Euro gewichen. Der operative Cash-flow betrug in den ersten sechs Monaten des Jahres 51 Mill. Euro.

Dividende soll es geben

Ein kleines Trostpflaster für Großaktionärin Same Deutz-Fahr aus Italien, die 42,5 % der Anteile hält, sowie für den größten Kunden Volvo, der mit 6,8 % beteiligt ist, dürfte angesichts der düsteren kurzfristigen Geschäftsaussichten das Dividenden-Versprechen des Vorstands sein. Eine Ausschüttung ist nach wie vor auch im kommenden Jahr geplant. 2008 hatte der Konzern erstmals seit über 20 Jahren die Anteilseigner wieder mit einer Dividende bedacht.

Auf Basis der erwarteten Zahlen für 2008 ist Deutz derzeit günstig bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei knapp unter 5. Doch angesichts des prognostizierten deutlichen Ergebnisrückgangs im kommenden Jahr liegt die KGV-Konsensschätzung für 2009 bereits bei 11. Die Analysten gehen für die kommende Rechnungsperiode durchschnittlich von einem Ergebnis je Aktie von 0,22 Euro aus. Das wäre etwas weniger, als Deutz allein im ersten Halbjahr 2008 verdient hat. Das ist kein Wunder, da der Konzern auf die Wucht des Nachfrageeinbruchs gar nicht so schnell reagieren kann - auch wenn die Belegschaft im Sommer noch zu 20 % aus Leiharbeitern bestand. Wie heftig der Rückgang bereits im dritten und vierten Quartal werden dürfte, zeigen zwei Zahlen: Ende Juni betrug das Umsatzplus im Konzern noch stolze 15 %, für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand jedoch nur noch mit 2 % Wachstum.

Börsen-Zeitung, 24.10.2008, Autor Antje Kullrich, Düsseldorf , Nummer 206, Seite 17, 814 Wörter

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