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Geld oder Brief
Von Gottfried Mehner

"Niedersachsen hat viele Leistungsträger: Die aus Stahl entstehen bei uns", heißt es selbstbewusst in einer Werbung von Salzgitter. Und dort entsteht nun auch ein Leistungsträger im Dax. Der Stahlkonzern Salzgitter zieht am 22. Dezember aus der zweiten Börsenliga in die erste ein. Der einzige Schönheitsfehler: Salzgitter profitiert nur davon, dass es die Wettbewerber kursmäßig noch schlimmer erwischt hat. Seit Jahresbeginn hat aber auch die Salzgitter-Aktie über 51 % verloren. Deshalb ist ein großes Dax-Tschinderassa-Bumm wohl fehl am Platz.

Hinsichtlich der Dax-Werte sah es im Norden zuletzt nicht mehr so toll aus. Zuerst musste Tui absteigen. Und dann verliert auch noch Continental den wiedereroberten Platz im Börsen-Topsegment. Schlimme Zeiten. So etwas kratzt durchaus am wirtschaftlichen Selbstwertgefühl eines Bundeslandes. Die Deutsche Börse begründet ihre Entscheidung beim Automobilzulieferer Conti übrigens mit der zu geringen Free-Float-Marktbewertung. Dadurch kommt es zum schnellen Hinauswurf, weil die Fast-Exit-Regel greift.

Duo statt Trio

Natürlich hat auch ein breites Börsenmittelfeld seine Vorzüge. Aber die Glanzlichter in den Regionen setzen doch die großen Dax-Werte. In Niedersachsen war das lange das aus Volkswagen, Continental und Tui bestehende Dreigestirn. Mit den Abgängen Tui und Conti drohte dem Land der Abstieg in die Mittelmäßigkeit, zumal das niedersächsische Paradepferd Volkswagen immer stärker am Halfter von Porsche geführt wird.

Richtig Nachschub für die Dax-Pipeline ist auch nicht in Sicht. Allenfalls mittelfristig könnte es besser werden, falls der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx (nach Allianz und Münchener Rück) endlich seine Akten zusammenbekommt. Bislang ist das aber ein reiner Hoffnungswert. In den nächsten zwei Jahren sind Neuemissionen kaum vorstellbar. Jammern hilft nichts: Statt drei sind künftig nur noch zwei niedersächsische Adressen in der Börsenoberliga vertreten.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Salzgitter den Aufstieg in den Dax nur knapp drei Monate nach dem Abstieg ihrer früheren Konzernmutter Tui/Preussag schafft. Für Tui rückte bekanntlich K+S nach.

Die Abnabelung vom früheren Mutterkonzern verlief alles andere als reibungslos. Tui wollte die frühere Preussag Stahl eigentlich an den österreichischen Stahlhersteller Voestalpine verticken. Aber dann intervenierte die gerade im Wahlkampf stehende niedersächsische Landesregierung unter Gerhard Schröder und setzte alternativ einen Börsengang durch. Dies wurde damals fast als Rettung des Vaterlandes verkauft.

Das Listing unter der Ägide der Nord/LB verlief zunächst ziemlich holprig. Nach einem kurzen Kursgeblubber landete viel Material wieder bei der Landesbank. Als der Kurs dann Jahre später wirklich ins Surfen geriet, war die Landesbank viel zu früh wieder ausgestiegen.

Salzgitter rangiert unter den weltweiten Stahlerzeugern nur auf Rang 27, gilt aber als einer der ertragsstärksten Hersteller. Das Unternehmen übt sich recht erfolgreich in der Kunst der Selbstbescheidung und versucht als Nischenplayer mit hochwertigen Produkten zu punkten. Sehr hilfreich sind dabei sehr kurze Wege zu den Abnehmern wie etwa dem in Wolfsburg.

Salzgitter hatte zeitweilig versucht, bei der Konsolidierung der weltweiten Stahlindustrie aktiv mitzumischen. Das ging aber schnell in Dimensionen, die das Unternehmen überforderten. Bei Bieterwettbewerben wurde man mehrfach überboten. Danach sortierte man sich neu. Den "Dominanzstrategien" der Stahlgiganten wie ArcelorMittal stellte Salzgitter einen "Premium-Ansatz" entgegen. So werden für die Automobilhersteller aktuell hoch manganhaltige Stähle entwickelt, die bei höherer Festigkeit eine bessere Umformbarkeit bringen. Dies ermöglicht bei Autos eine Gewichtseinsparung und dadurch einen geringeren Verbrauch.

Für die Zeit nach 2010 rechnet Salzgitter wieder temporär mit Überkapazitäten in der Branche. Darauf stellt man sich proaktiv ein. Das weitere Wachstum soll auf einem ausgewogenen internen und externen Mix basieren. In externer Hinsicht konzentriere man sich auf die Komplettierung der Wertschöpfungskette, den selektiven Ausbau von regionalen Marktpositionen sowie die Ergänzung des Produktionsprogrammes.

In den nächsten Jahren peilt Salzgitter eine Umsatzgrößenordnung von 13 Mrd. bis 15 Mrd. Euro an. Konzernchef Wolfgang Leese sieht die breite Produktpalette als Risikobalance für den Konzern. Als Ertragsziel gilt unverändert eine Mindeskapitalrendite von 15 % über einen Stahlzyklus. 2007 hatte die Kapitalrendite 28 % erreicht.

Bei den Zukäufen steht seit geraumer Zeit weniger der Stahl denn die Technologie im Vordergrund. Für rund 350 Mill. Euro wurden 83 % an den Klöckner-Werken übernommen, die den global produzierenden Getränkeabfüller KHS im Schlepptau hatten. Diese Beteiligung wurde inzwischen dem neuen Bereich "Technologie" zugeordnet. Das ist ein Indiz dafür, in welche Richtung die weitere Reise gehen könnte. Kleiner Erfolg am Rande: Die Tochter Klöckner-Werke rückt im Zuge der jüngsten Indexüberprüfung in den SDax auf.

"Solideste Bilanzrelationen"

Weil die Analysten die weiteren Trends in der Stahlnachfrage kaum absehen können, kassiert Salzgitter von J. P. Morgan oder HSBC derzeit nur eine neutrale Einschätzung. Vor allem wegen der engen Verbandelung mit der Autoindustrie ist Close Brothers mit einer Verkaufsempfehlung im Markt. Innerhalb von wenigen Tagen hat sich dieser Einschätzung auch Independent Research angeschlossen. Klar für Kauf plädiert Sal. Oppenheim: Salzgitter sei der attraktivste Wert in der gesamten europäischen Stahlindustrie, weil er die solidesten Bilanzrelationen aufweise.

Als wichtigstes Ziel gilt unverändert der Erhalt der Eigenständigkeit. Sie wird bislang von Niedersachsen garantiert. Zusammen mit der VW-Beteiligung ist Salzgitter eines der wichtigsten strukturpolitischen Faustpfänder. Das Land hat sich verpflichtet, die Sperrminorität von 25,2 % bis Ende 2013 zu halten. Als Dax-Wert dürften für Salzgitter die Chancen gestiegen sein, sich für die Zeit danach aussichtsreich zu positionieren.

Börsen-Zeitung, 05.12.2008, Autor Gottfried Mehner , Nummer 236, Seite 17, 830 Wörter

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