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Geld oder Brief
Von Martin Fritz, Tokio

Es ist ein Pyrrhus-Sieg für Toyota: Souverän hat die Firma in diesem Jahr die Spitzenposition in der Autobranche übernommen. Der ehemals schärfste Wettbewerber General Motors steht am Abgrund eines Konkurses. Aber noch bevor dem Sieger der Lorbeerkranz aufgesetzt werden konnte, hat die größte Branchenkrise seit dem Ölpreisschock 1972 den bisherigen Überflieger aus Fernost auf Normalmaß zurechtgestutzt. In den letzten Monaten brachen Absatz und Gewinn so drastisch ein, dass das Management mit der Korrektur der Prognosen kaum Schritt hielt. Das hat auch den Lack der Toyota-Aktie heftig angekratzt. Vom Hoch im Februar 2007 bei 8 350 Yen bis zum Tief am 8. Dezember von 2 585 Yen ging es um 69 % nach unten, auch wenn der Kurs seitdem wieder um 15 % anzog. Zum ersten Mal seit zehn Jahren wurde zudem die Bonität einiger Toyota-Anleihen von der Bestnote "AAA" herabgestuft.

Weniger Fahrzeuge

Eigentlich wollten Toyota und die Töchter Daihatsu (Kleinwagen) und Hino (Lastwagen) in diesem Jahr 9,85 Mill. und nächstes Jahr 10,4 Mill. Fahrzeuge herstellen und verkaufen. Doch 2008 werden es wohl weniger als 8,25 Mill. und 2009 weniger als 8,5 Mill. Stück werden. Gegenüber dem Plan vom Jahresanfang 2008 würde das eine Kürzung des Produktionsvolumens um etwa 20 % bedeuten. Gleichzeitig rüstet man vermehrt auf Kleinwagen wie den Smart-Konkurrenten iQ sowie Hybrid- und Elektrofahrzeuge um. Eine enorme Herausforderung für den Konzern, der seit Jahren mit Vollgas auf der Überholspur fuhr und nun lange und kräftig auf die Bremse treten und umsteuern muss, ohne dabei ins Schleudern zu geraten und von der Straße abzukommen. So will Toyota 2009 angeblich 30 bis 40 % weniger investieren (2008: 11,8 Mrd. Euro). Für solche Einschnitte gibt es in der Firmengeschichte keinen Präzedenzfall.

Mancher Wettbewerber sieht den japanischen Branchenprimus trotzdem bereits als Krisengewinner. "In schlechten Zeiten bündelt Toyota seine Energien", sorgt sich ein hoher Manager einer deutschen Konkurrenzmarke. Roman Ditzer von der Unternehmensberatung Judit sieht in der Toyota-Firmenkultur eine gute Grundlage, letztlich gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Die Kaizen-Philosophie sorge, wie das japanische Wort schon sagt, für ständige Verbesserung der Qualität, ein Management des Wandels gestalte und fördere Veränderungen. "Diese Autokrise sorgt im Konzern für angespannte Wachsamkeit und treibt Arbeitnehmer und Management zu Höchstleistungen an." Koji Endo, Analyst bei Credit Suisse in Tokio, ist weniger optimistisch: "Die jetzige Herausforderung ist sehr groß, selbst für Toyota." Das Unternehmen sei in den letzten Jahren zu schnell und zu stark expandiert, die Anpassung brauche daher Zeit. Seinen Weltmeistertitel als profitabelster Massenhersteller dürfte Toyota jedenfalls verlieren: 2008 (März 2009) will die Firma operativ 600 Mrd. Yen (5 Mrd. Euro) verdienen. Das wäre weniger als VW (Ziel 2008: 6,5 Mrd. Euro). Im Vorjahr war der Gewinn mit 18,9 Mrd. Euro fast viermal so hoch. Zwischen Oktober und März sinkt Toyotas Gewinn nach eigenen Angaben auf 18 Mrd. Yen, doch Analysten und Medienberichten zufolge könnte man sogar einen Verlust einfahren.

Für 2009 rechnet Nomura-Analyst Shinya Naruse mit einem Gewinnrückgang um 58 % auf 250 Mrd. Yen, seit Juli hat er sein Anlageurteil auf "Reduce" gesenkt. Koji Endo von Credit Suisse erwartet einen Rückgang um 50 % und erhält sein "Sell"-Rating vom November aufrecht. Die verstärkte Betonung von Klein- und Öko-Autos sehen beide als Gefahr für die Profitabilität. Dafür könne Toyota 2009 mit niedrigeren Rohstoffpreisen kalkulieren. Allein Stahl will man 30 % billiger einkaufen.

Die wichtigste Ursache für den Gewinneinbruch, abgesehen vom niedrigeren Umsatz, ist der gestiegene Yen: Toyotas letzte Prognose basiert auf einem Wechselkurs von 100 Yen zum Dollar und 130 Yen zum Euro. Doch seit Oktober lag der Yen teilweise um mehr als 10 % höher. 1 Yen weniger zum Dollar über das Jahr gerechnet bedeutet aber 40 Mrd. Yen (333 Mill. Euro) weniger in der Kasse, 1 Yen weniger zum Euro ein Minus von 6 Mrd. Yen (50 Mill. Euro). Rund die Hälfte der japanischen Produktion geht zudem in den Export; durch die Yen-Aufwertung wurde dies zu einer Zusatzbelastung für Gewinn und Wettbewerbsfähigkeit.

Ein großes Fragezeichen steht hinter der hohen Dividende. In den vergangenen sieben Jahren hat sie sich von 28 auf 140 Yen verfünffacht. Für die erste Hälfte 2008 zahlte Toyota 65 Yen, für die zweite Hälfte werden es 75 Yen sein. Das entspricht einer Rendite von knapp 5 %, so hoch wie noch nie. Doch im zweiten Halbjahr muss Toyota 235 Mrd. Yen (1,95 Mrd. Euro) an Dividende berappen, während das operative Geschäft wohl Verluste macht. Ein Griff in die Bargeldreserve von 2,6 Bill. Yen (21,7 Mrd. Euro) ist daher unvermeidlich. Da Toyota die Dividende immer mit dem Betriebsergebnis verknüpft hat, dürfte sie kaum auf dieser Höhe bleiben.

Unauffälliger Vorstand

Ein gerne unterschätzter Faktor ist die Qualität der Führungsmannschaft. Hinter der globalen Marke Toyota steckt ein rein japanischer Konzern, dessen Vorstand auf Außenstehende wie eine Riege eher unauffälliger und langweiliger Angestellter wirkt. "In der Chefetage sitzt kein Fujio Cho mehr", beobachtet ein Toyota-Kenner mit Sorge. Cho, Konzernchef bis 2005, hatte das Toyota-Produktionssystem in den USA eingeführt und frühzeitig auf benzinsparende Autos gesetzt. Sein Nachfolger, der 64-jährige Katsuaki Watanabe, besitzt weniger Charisma und Temperament. Er verdiente sich den Führungsjob, indem er gemeinsam mit den Zulieferern die Kosten von knapp 200 wichtigen Fahrzeugteilen in drei Jahren um 30 % senkte. Immerhin ist Sparsamkeit eine Eigenschaft, die in der aktuellen Krise bei Toyota besonders gefordert sein wird.

Börsen-Zeitung, 19.12.2008, Autor Martin Fritz, Tokio , Nummer 246, Seite 17, 874 Wörter

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Unternehmensbereich: Toyota Motor Corp.
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