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Geld oder Brief
Von Frank Bremser, Frankfurt

Es gibt Produkte, die sind sexy. Andere sind es definitiv nicht, wie zum Beispiel Kräne. Denn es gibt wohl kaum ein Produkt, das weniger Sex-Appeal oder Reiz hat als ein Knickarmkran, wie er auf Lkws montiert wird - außer vielleicht für diejenigen, die schon immer Baggerfahrer oder Kranführer werden wollten. Das dachte sich vor zwei Jahren wohl auch die Marketingabteilung des österreichischen Unternehmens Palfinger und erstellte gemäß dem Vorbild der italienischen Pirelli - deren Produkte auch nicht unbedingt vor Eleganz und Lebensfreude sprühen - für 2008 einen Erotikkalender, in dem Monat für Monat leicht bekleidete Fotomodelle vor der Produktpalette des Konzerns posieren.

Welchen Erfolg dieses Produkt brachte, ist nicht überliefert, aber den Reiz der Aktie hat der Kalender nicht so richtig erhöht. Inzwischen notiert der Titel bei 7,42 Euro und damit gut 75 % unterhalb seines 52-Wochen-Hochs. Da passt es auch in das Stimmungsbild, dass der Wert am 23. März seinen Platz im österreichischen Leitindex ATX zugunsten des Energieversorgers EVN räumen muss. Grund für den Abschied aus der ersten österreichischen Börsenliga ist, dass die Aktie sowohl bei den Tagesumsätzen als auch bei der Marktkapitalisierung aus der Liste der Top 20, die zur Mitgliedschaft im Leitindex nötig ist, gerutscht ist. Die Marktkapitalisierung beträgt derzeit noch 263 Mill. Euro, größter Aktionär ist die Familie Palfinger, die gut 65 % der Anteile hält.

Schwer gezeichnet

Die jüngsten Zahlen des Unternehmens aus Salzburg waren schon schwer von der Wirtschaftskrise gezeichnet. Aber so schlecht sie auch waren, überraschen konnten sie nicht mehr. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Palfinger ein negatives Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 6 Mill. Euro berichtet. Der Umsatz stieg zwar aufgrund diverser Zukäufe auf 794,8 Mill. Euro, der Gewinn brach hingegen um 31 % auf 69,1 Mill. Euro ein. Die Eigenkapitalquote liegt derzeit bei 48,6 %.

Und 2009 wird nach Analystenschätzung ein sehr schweres Jahr für den Konzern, die Experten der Raiffeisen Centrobank erwarten einen Umsatzrückgang um 18 % und einen Gewinneinbruch von 43,9 Mill. Euro im Jahr 2008 auf 4,6 Mill. im Jahr 2009. Für Überraschungen sorgte das Unternehmen bei der Zahlenvorlage vor allem damit, eine Anleihe in der Spanne von 50 bis 80 Mill. Euro für die Refinanzierung kurzfristiger Schulden und eventuelle Akquisitionen aufnehmen zu wollen.

Als Stärke werten Analysten, dass mehr als 80 % der Produktion des Unternehmens in osteuropäischen Niedrigkostenländern liegen. Auch sei der Konzern auf gutem Weg, durch zunehmende Internationalisierung und Diversifikation die Abhängigkeit von einzelnen Märkten und Branchen zu verringern. Das Unternehmen ist in vielerlei Hinsicht auch deutlich besser aufgestellt als etwa der Hauptkonkurrent HIAB, ein Tochterunternehmen der finnischen Cargotec. So sagt Gerald Malek, Analyst der Ersten Bank: "Palfinger ist schon aufgrund der Finanzierung, der Eigentümerstruktur und des Managements hoch solide." Zudem seien die Margen des Unternehmens sehr gut: "Palfinger ist die Benchmark in dem Segment. Wenn die Verluste machen, sind die anderen schon tiefrot", so Malek.

Großes Vertrauen

Und die Wirtschaftskrise kann auch einen positiven Effekt für den Konzern haben. Aufgrund der starken Position des Konzerns als Weltmarktführer haben die Kunden großes Vertrauen zu den Salzburgern. Aus diesem Grund greifen sie lieber zu einem Palfinger als zu einem Konkurrenzprodukt, weil sie sichergehen wollen, auch noch in einigen Jahren Ersatzteile und Service für das Langzeitinvestment Kran zu erhalten. Ganz im Sinne der Palfinger-Eigenwerbung: "In guten Händen, seit 77 Jahren. In guten wie in schlechten Tagen."

Konzernchef Herbert Ortner gibt sich derzeit dementsprechend kämpferisch und optimistisch. In diesem Jahr werden 15 neue Kranmodelle vorgestellt - trotz Krise. Er will weiter auf Expansionskurs bleiben. Und bis Jahresende seien ein bis zwei Zukäufe geplant, so Ortner. 2008 verleibten sich die Salzburger bereits den deutschen Hubarbeitsbühnenhersteller Elevant, den amerikanischen Lkw-Spezialisten Omaha Standard und den Ladebordwandhersteller MBB aus dem norddeutschen Ganderkesee ein. Vor allem die Elevant-Akquisition gilt als langfristig hochinteressant. Denn Elevant beliefert mit ihren Hubbühnen auch die Betreiber von Windkraftanlagen, so dass Palfinger auf diesem Weg einen Fuß in der Tür einer Zukunftsbranche hat. Der Optimismus drückt sich auch im Geschäftsbericht 2008 aus. Unter dem Motto "die Zeiten sind hart" zeigt er Mitarbeiter des Unternehmens mit Sorgenfalten, grauen Haaren, Schrammen, blauen Augen und blutigen Nasen. Aber alle lächeln sie, und über dem Gesicht steht: "Wir sind härter."

Kurstreiber fehlt

Trotz aller guten Laune, die der Konzern versprüht, auf die Analysten wirkt dies aktuell nicht. Keiner der Aktienexperten, die den Titel beobachten, spricht derzeit eine Kaufempfehlung aus. Derzeit votieren sechs für Halten und zwei für Verkaufen. Grundsätzlich sind sich die Analysten aber einig: Palfinger ist ein Unternehmen mit hohem Potenzial. Aber kurzfristig sieht keiner einen Kurstreiber am Horizont.

Palfinger ist aber auch aus einem anderen Grund ein interessantes Unternehmen. Denn der Kranhersteller gehört zur Gruppe der sogenannten Frühzykliker: Krisen schlagen hier bereits sehr früh zu Buche - bei Palfinger war dies bereits im Sommer 2007 der Fall. Dafür ist ein Anziehen bei dem Unternehmen auch ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft ihre Talsohle gefunden haben könnte. Marktgerüchten zufolge scheint sich die Auftragssituation bei dem Konzern langsam zu bessern. Investoren sollten also Palfinger im Auge behalten - das Unternehmen und nicht nur den Kalender.

Börsen-Zeitung, 13.03.2009, Autor Frank Bremser, Frankfurt , Nummer 50, Seite 25, 840 Wörter

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