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Redaktion


Geld oder Brief
Von Stefan Kroneck, München

Der Markt hat sich auf eine bevorstehende Gewinnwarnung von Siemens eingestellt. Nach jüngsten Andeutungen von Vorstandschef Peter Löscher und Finanzvorstand Joe Kaeser rechnet die Mehrzahl der Analysten damit, dass der Dax-Konzern seine Ergebnisprognose am 29. April bei Vorlage der Quartalszahlen kassiert. Investoren bezweifeln seit Monaten ohnehin, dass Löscher seine im Sommer 2008 geäußerte Vorgabe, im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 (30. September) das operative Ergebnis der drei Kernsektoren Industrie, Energie und Medizintechnik von 6,5 Mrd. auf eine Bandbreite von 8,0 bis 8,5 Mrd. Euro zu steigern, erreicht.

Die weltweite Rezession trübt das Geschäft des Unternehmens immer stärker ein. Vor allem das zyklische Industriegeschäft und jetzt auch zunehmend die Medizintechnik leiden unter dem Konjunktureinbruch, während der weniger schwankungsanfällige Energiebereich sich noch als relativ stabil darstellt.

Glaubwürdigkeitsproblem

Im November, bei Vorlage der Bilanz, bezeichnete Löscher sein Ziel als "ambitioniert", auf der Hauptversammlung Ende Januar dann als "noch ambitionierter". Mit Verwunderung reagierten Analysten vor allem auf seine Äußerung zu Jahresbeginn, hatten sie doch zu diesem Zeitpunkt eine Prognosekorrektur des Managements erwartet. Seinerzeit lag die Konsensusschätzung bei 7,5 Mrd. Euro und damit deutlich unterhalb von Löschers Zielbandbreite, mittlerweile trauen die Researchhäuser Siemens im Schnitt nur noch 7,1 Mrd. Euro zu. Die Banken senkten in den vergangenen Wochen reihenweise ihre Schätzungen für den Gewinn je Aktie.

Vor dem Hintergrund der verschlechterten Ertragsaussichten ist für viele Banken eine Gewinnwarnung längst überfällig, schließlich steht die Glaubwürdigkeit der Konzernführung auf dem Spiel. "Das (...) Ziel erscheint nicht mehr nur ambitioniert, sondern ist angesichts des drastisch verschlechterten Umfelds unserer Meinung nach mittlerweile unrealistisch", schrieb Michael Bahlmann von M. M. Warburg jüngst in einer Studie. Er senkte zwar das Kursziel für die Aktie von 56 auf 51 Euro, hielt aber an seiner Kaufempfehlung fest, weil er Siemens 2010 sogar noch eine Ergebnissteigerung zutraut.

Viele andere Analysehäuser sind längst pessimistischer, weil sie glauben, dass die Weltwirtschaftskrise in der Siemens-Bilanz wohl so richtig im kommenden Geschäftsjahr durchschlagen wird. Cheuvreux stuft das Papier mit "Underperform" ein und bestätigte zuletzt das Kursziel von 40 Euro. Die Commerzbank hält an ihrem Kursziel von 49 Euro fest und stuft den Titel unverändert mit "Add" ein.

Fehler der Vergangenheit

Wie die Commerzbank anmerkte, sei das Rückschlagrisiko für die Aktie mit Blick auf die Bekanntgabe der Quartalszahlen Ende April "begrenzt", weil das Management mit mehreren Hinweisen den Markt auf eine mögliche Gewinnwarnung vorbereitet habe.

Damit darf unterstellt werden, dass Löscher aus Fehlern der Vergangenheit in der Kommunikation mit den Märkten gelernt hat. In schlechter Erinnerung dürfte so manchen Investor der 17. März des vergangenen Jahres sein, als Siemens die Börse mit einer Gewinnwarnung wegen Belastungen von 900 Mill. Euro bei Großprojekten geschockt hatte. Die Aktie brach damals um nahezu ein Fünftel ein. Löscher hatte es zuvor versäumt, den Markt mit einer geschickten Kommunikation darauf vorzubereiten. Deshalb traf es die Aktie damals knüppeldick.

Marktwert eingebrochen

In der Tat ist für Siemens jetzt das Risiko gesunken, mit neuen Prognosenachrichten abermals Kursturbulenzen auszulösen. Nach dem Absturz in den vergangenen Monaten ist für viele Beobachter das Papier überverkauft, eine Prognosekorrektur ist im Kurs längst berücksichtigt. Seit Anfang 2008 hat die Aktie rund 60 % eingebüßt, 60 Mrd. Euro Marktkapitalisierung lösten sich in Luft auf. Damals notierte der Titel bei 110 Euro, am Donnerstag ging er mit 45,82 Euro 4,9 % fester aus dem Xetra-Handel. Das entspricht einem Marktwert von nur noch 42 Mrd. Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnen die Analysten im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie von 4,90 Euro nach 6,41 Euro im Jahr zuvor. Auf Basis dieser Ergebnisschätzung kommt das Papier derzeit auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,3, womit sich Siemens unter den Dax-Unternehmen im unteren Bereich befindet.

Unveränderte Dividende

Trotz eines im zurückliegenden Geschäftsjahr auf 5,9 (i.V. 4,0) Mrd. Euro erhöhten Überschusses bleibt die Dividende mit 1,60 Euro je Aktie nur unverändert. Bei einer konstanten Ausschüttungssumme von 1,4 Mrd. Euro schrumpfte die Ausschüttungsquote um 13 Prozentpunkte auf 23 %. Die Dividende auf Vorjahresniveau zu belassen, dürfte auch auf der Entscheidung der Konzernspitze basieren, dass Geld zusammenzuhalten, um den Cash-flow in der Rezession zu schonen. Vor diesem Hintergrund ruhen vorerst die Siemens-Aktivitäten im Rahmen ihres 2007 initiierten Aktienrückkaufprogramms, wenngleich am Ziel, bis 2010 rund 10 Mrd. Euro einzusammeln, festgehalten wird. Bislang kaufte Siemens eigene Aktien im Wert von 4 Mrd. Euro zurück.

Wie für alle Unternehmen gilt auch für Siemens derzeit stärker als zuvor die Parole "Cash is king", obgleich Finanzvorstand Kaeser den Konzern dank einer gut gefüllten Firmenkasse zuletzt als finanziell "extrem solide" bezeichnete. Das Langfristrating von Moody's liegt bei "A 1" mit stabilem Ausblick, Standard & Poor's bewertet Siemens mit "AA -", versehen aber mit einem negativen Ausblick.

Angriffsversuch abgewehrt

Siemens verfügt über keinen großen Ankeraktionär, die Siemens-Familie hält 6 %. Mit einem Streubesitzanteil von 94 % ist Siemens anfällig für feindliche Attacken. Wie Kaeser im November berichtete, gab es Mitte 2007 einen Versuch, auf verdeckte Weise bei Siemens einzusteigen. Mit dem vorzeitigen Rückkauf einer Wandelanleihe sei verhindert worden, dass sich ein ungebetener Investor größere Stimmrechtsanteile sichere.

Börsen-Zeitung, 10.04.2009, Autor Stefan Kroneck, München , Nummer 70, Seite 17, 829 Wörter

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