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Redaktion

Geld oder Brief
Von Giovanni Binetti, Mailand

Weltweit bekommen die Banken die Folgen der Finanzkrise zu spüren. Auch in Italien, wo die Kreditinstitute noch verhältnismäßig gut dastehen, sind magere Zeiten angebrochen. Das gilt auch für die Großbank Intesa Sanpaolo. Der Finanzkonzern, der in den vergangenen Monaten zu der nach Marktkapitalisierung größten Bank des Landes aufgestiegen ist, hat unter Analysten an Ansehen verloren. Das Geschäft lief im vergangenen Jahr nicht wie erwartet, und die Branchenkenner sehen auch für die Zukunft Risiken.

Seit Jahresbeginn büßte die Aktie von Intesa Sanpaolo an der Mailänder Börse fast 9 % ein und notierte zuletzt bei knapp 2,30 Euro. Damit schnitt sie etwas schwächer ab als der Gesamtmarkt. Der italienische Leitindex S & P/Mib 30 fiel seit Anfang Januar um 8 %. Im Vergleich zum Euro Stoxx 50, in dem die Titel von Intesa Sanpaolo ebenfalls gelistet sind, fiel das Minus höher aus. Der europäische Auswahlindex büßte knapp 7 % ein. Wesentlich günstiger lief es für die Anteilsscheine der größten italienischen Rivalin Unicredit, zu der auch die HypoVereinsbank (HVB) gehört. Diese marschierten entgegen dem allgemeinen Trend nach oben und verzeichneten bis dato einen Kursgewinn von fast 6 %. Allerdings hatten die Unicredit-Papiere davor deutlich stärkere Abschläge hinnehmen müssen.

Von Unicredit bedrängt

Vor allem auf Spekulationen um Unicredit war es zurückzuführen, dass sich Intesa Sanpaolo zu der italienischen Bank mit der höchsten Marktkapitalisierung aufgeschwungen hat. Möglicherweise wird Unicredit diese Position bald zurückerobern. Die zeitweise sehr hohe Differenz ist mehr und mehr zusammengeschmolzen. Zuletzt brachte Intesa Sanpaolo rund 27,2 Mrd. Euro auf die Waage. Unicredit, weit entfernt von den einmal angepeilten 100 Mrd. Euro, bringt es immerhin wieder auf 26 Mrd. Euro.

Über die vergangenen zwölf Monate verloren die Aktien von Intesa Sanpaolo knapp die Hälfte an Wert. Sie lagen im Einklang mit dem italienischen Gesamtmarkt. Der Euro Stoxx 50 fiel zeitgleich um 39 %. Die Titel von Unicredit lagen dagegen 59 % im Minus. Über die vergangenen drei Jahre schnitten die Anteilsscheine von Intesa Sanpaolo besser ab als jene der Rivalin und der beiden Indizes. Intesa Sanpaolo verloren rund 36 %. Der S & P/Mib gab um 52 % nach. Der Euro Stoxx lag knapp 41 % unter seinem Stand von vor drei Jahren. Die Papiere von Unicredit wiesen über diesen Zeitraum einen Kursrückgang von 64 % auf.

Zuletzt geriet Intesa Sanpaolo mehr und mehr ins Visier von Analysten. Viele zeigten sich enttäuscht von den Zahlen, die der Konzern für 2008 vorlegte. Allein im vierten Quartal verbuchte die Bank einen Nettoverlust von 1,2 Mrd. Euro nach einem Gewinn von 504 Mill. Euro im letzten Vierteljahr 2007. Die Wertberichtigungen auf das Kreditportfolio beliefen sich auf 999 Mill. Euro. Über das Jahr summierten sie sich auf 2,6 Mrd. Euro. Unter dem Strich erreichte Intesa Sanpaolo 2008 noch einen Gewinn von 2,5 Mrd. Euro. Im Vergleich zu 2007 bedeutete dies aber ein Minus von 65 %. Analysten hatten fast durchweg einen höheren Gewinn erwartet. Jene von Independent Research etwa hatten mit einem Gewinn von 4,1 Mrd. Euro gerechnet. Sie stuften die Papiere des Instituts daher von "Kaufen" auf "Akkumulieren" herab. Das Kursziel wurde um 0,70 Euro nach unten revidiert auf 2,00 Euro. Demnach müssten sich die Aktionäre von Intesa Sanpaolo auf weitere Kursverluste einstellen.

Negativ fassten Börsianer das Ausbleiben einer Prognose für das laufende Jahr auf. Chief Executive Officer (CEO) Corrado Passera sprach nur vage von einem "sehr schwierigen Jahr 2009" und "einem schwierigen Jahr 2010".

Weitere hohe Abschreibungen bezeichnete Passera zwar als "ziemlich unwahrscheinlich", er schloss sie aber auch nicht grundsätzlich aus. Ebenfalls negativ kam an, dass der Vorstand die Dividende für die Stammaktionäre strich. Einige hätten sich zumindest gewünscht, dass Intesa Sanpaolo dem Beispiel von Unicredit folgen und die Dividende zur Stärkung der Kapitaldecke in Form eigener Aktien ausschütten würde.

Die von Passera geführte Bank will dafür aber lieber höhere Staatshilfen aus Rom annehmen. Sie plant die Emission von Tremonti-Bonds über 4 Mrd. Euro. Bei diesen nach Finanzminister Giulio Tremonti benannten Papieren handelt es sich um Wandelanleihen ohne feste Laufzeit (Perpetual Bonds), die der Staat zeichnet, und die Emittenten bei einer Stabilisierung fällig stellen können.

Intesa Sanpaolo allein wird ein Drittel der gesamten vom italienischen Staat für die Tremonti-Bonds zur Verfügung gestellten Summe in Anspruch nehmen. Damit soll die enger gefasste Kernkapitalquote Core Tier 1 auf 7,4 % steigen. Per Ende 2008 gab die Bank diese mit 6,3 % an, wobei der Ausfall der Dividende bereits in die Berechnung einfloss. Der Konzern kündigte an, die vom Staat gewährten Hilfen bis zum 30. Juni 2013 zurückzuzahlen. Die Annahme der Hilfen sei in der derzeitigen Situation eine Art "Versicherungspolice für die Bank", hatte Passera erläutert.

Risiken in Osteuropa

Unterm Strich fallen die Einschätzungen der Analysten aber nicht negativ auf. Zum einen wird wie etwa von der Landesbank Berlin begrüßt, dass die Bank mit den Abschreibungen im vergangenen Jahr "reinen Tisch" gemacht habe. Zum anderen wird wie etwa von Credit Suisse darauf hingewiesen, dass Intesa Sanpaolo im Vergleich zu ihren Konkurrentinnen weniger gefährdete Vermögenswerte in ihrem Portfolio hat. Zum Verkauf rät kaum ein Analyst. Die Experten der Landesbank Berlin revidierten ihre Empfehlung jüngst sogar von "Verkaufen" auf "Halten" nach oben. Zwar sei Intesa Sanpaolo von der Konjunktur in Italien sowie in Mittel- und Osteuropa abhängig. Andererseits sprächen aber die starke Fokussierung auf das Privatkundengeschäft und eine geringe Abhängigkeit vom Investment Banking für das Institut.

Börsen-Zeitung, 24.04.2009, Autor Giovanni Binetti, Mailand, Nummer 78, Seite 17, 873 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2009078199&titel=Wachsende-Skepsis-belastet-Intesa-Sanpaolo
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