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Redaktion

Geld oder Brief
Von Martin Dunzendorfer, Frankfurt

"Ärmel hoch!", so lautet der aktuelle Slogan von Praktiker. Der Baumarktbetreiber will mit dem Werbespruch einerseits der lust- und mutlosen Grundstimmung in der Bevölkerung aufgrund der Wirtschaftskrise entgegenwirken und andererseits Heimwerker zum Basteln animieren - natürlich unterstützt durch eigene Sonderangebote. Trübsal blasende Verbraucher schränken nämlich ihren Konsum - wie Studien belegen - stark ein, was für einen Einzelhändler per se verheerend ist.

Allerdings bedarf es schon mehr als eines eingängigen Slogans, um die Geschäfte wieder florieren zu lassen. Die jüngste Quartalsbilanz von Praktiker fiel jedenfalls so schwach aus, dass die Reaktionen der Analysten fast durchweg negativ waren. In den meisten Fällen wurden die ohnehin schon zurückhaltenden Empfehlungen bestätigt, die WestLB reduzierte ihren Rat sogar von "Neutral" auf "Verkaufen". Außerdem hagelte es Kurszielsenkungen. Nur die DZ Bank und Goldman Sachs schwammen gegen den Strom: Die Genossen stuften den Titel auf "Kaufen" hoch, und die US-Bank erhöhte das Kursziel von 4,40 auf 6,70 Euro. Der Kursziel-Durchschnittswert liegt gemäß Bloomberg bei 4,51 Euro, was deutlich weniger (18 %) als der aktuelle Kurs von 5,50 Euro ist (der zu einer Marktkapitalisierung von 319 Mill. Euro führt). Und der von Bloomberg ermittelte Konsenswert der Analystenempfehlungen von 2,7 bedeutet in Worten ausgedrückt, dass Anlegern bestenfalls zum Halten von Positionen geraten wird.

Schwacher Start ins Jahr

Während der Umsatzrückgang beim Unternehmen aus dem saarländischen Kirkel im ersten Quartal weitgehend erwartet worden war - einige Banken zeigten sich dennoch über das Ausmaß (- 8 % auf 796 Mill. Euro) überrascht -, lag das operative Ergebnis (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte, Ebita) mit - 49 (i. V. - 21) Mill. Euro deutlich unter dem Konsenswert von - 37 Mill. Euro.

Der Umsatzrückgang, der auf flächenbereinigter Basis sogar - 9,2 % betrug, ist neben der Wirtschaftskrise auch auf die lang anhaltende schlechte Witterung im ersten Viertel des Jahres zurückzuführen, die dafür sorgte, dass sich der massenhafte Verkauf der margenstarken Gartenartikel ins zweite Quartal verschob (vgl. BZ vom 23. April).

Darüber hinaus belastete die deutliche Abwertung osteuropäischer Währungen. So wurde das Auslandsgeschäft, der Wachstumstreiber der vergangenen Jahre, plötzlich zur Belastung, während das Inland, wo die Geschäfte schon fast traditionell mau verlaufen, verhältnismäßig stabil blieb. In Deutschland ging der Umsatz konzernweit (Praktiker, Max Bahr) um 5,9 % auf 590 Mill. Euro zurück. Im Ausland fielen die Erlöse um 13,6 % auf 206 Mill. Euro - flächenbereinigt betrug das Minus sogar 18,2 %. Einsparerfolge, etwa bei den Vetriebskosten, konnten die negative Wirkung des Umsatzrückgangs auf das Ergebnis nicht annähernd wettmachen. Im Inland sank das Ebita von - 22 Mill. auf - 39 Mill. Euro und im Ausland von + 1 Mill. auf - 10 Mill. Euro.

Zahlreiche Analysten äußerten sich jedoch positiv zu den Perspektiven, was auch an der deutlichen Belebung des Inlandsgeschäfts im April lag - nach Konzernangaben konnte ein Großteil der Umsatzeinbuße aus den ersten drei Monaten ausgeglichen werden. Dies hatte zur Folge, dass die Zahl der inländischen Standorte, in denen Anfang März Kurzarbeit angemeldet worden war, von über 80 auf 32 reduziert wurde. Über diesen Punkt - Kurzarbeit bei einem Einzelhändler - hatte sich der Vorstandschef und Großaktionär des Wettbewerbers Hornbach öffentlich echauffiert (vgl. BZ vom 28. März).

Zuversicht nimmt zu

Bei einer Fortsetzung des Umsatztrends könnte sich der MDax-Konzern auf der Hauptversammlung am 27. Mai erneut positiv zum aktuellen Geschäftsverlauf äußern, hieß es von M. M. Warburg. Analyst Thilo Kleibauer bestätigte seine "Halten"-Empfehlung und das Kursziel von 5,20 Euro. Tatsächlich demonstriert der Praktiker-Vorstand Ruhe und Zuversicht. So wurde bei der Vorlage der schwachen Q1-Zahlen das - allerdings nur schwammige - Ziel für 2009 bestätigt, wonach im In- und Ausland jeweils ein positives Ebita angestrebt wird. Analysten zeigten sich von dieser Vorgabentreue beeindruckt, was wohl weitere Herabstufungen und Prognosesenkungen verhinderte.

Für die nächsten Monate erhofft sich der Vorstand positive Impulse aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung, das vor allem dem Bau zugute kommt. Allerdings ist im zweiten Halbjahr mit einer Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen, was stets die Konsumbereitschaft hemmt. Und was für Autobauer vorteilhaft ist, die Abwrackprämie, ist für den übrigen Einzelhandel von Nachteil, denn ein Neuwagenkauf verringert die Mittel zum Konsum anderer Produkte.

KGVe von 16 für 2009

Im Schnitt erwarten die Research-Häuser für 2009 einen Umsatz von knapp 3,68 (3,91) Mrd. Euro und ein Ebitda von 142 Mill. Euro. Für 2010 werden 3,70 Mrd. Euro Erlöse und ein operatives Ergebnis von 149 Mill. Euro erwartet. Auf Basis des erwarteten Gewinns je Aktie von 0,37 bzw. 0,50 Euro ergibt sich für dieses und nächstes Jahr ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,1 bzw. 11,9. Während die Kurs-Buchwert-Quote nach Bloomberg-Daten mit 0,4 niedrig erscheint, ist die Dividendenrendite - für 2008 werden 10 (45) Cent je Aktie gezahlt - mit rund 2 % nur wenig attraktiv und wird es, wenn die Auguren Recht behalten, auch bleiben. Das für 2009 erwartete Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 0,1 wäre äußerst günstig, die Kurs-Cash-flow-Quote von 3,7 ist dagegen nur Mittelmaß.

Nach Ansicht von Nord/LB-Analyst Wolfgang Vasterling dürften die Probleme von Praktiker im stark gefallenen Aktienkurs (- 84 % seit dem Hoch Anfang Juni 2007 bei 34,10 Euro; - 25 % seit Jahresanfang) bereits ausreichend eingepreist sein. Daher behielt er seine "Halten"-Empfehlung bei, reduzierte aber das Kursziel von 5,00 auf 4,60 Euro. Ähnlich argumentierte Patrick Hargreaves von Goldman Sachs: Die Chancen auf einen Kursanstieg seien größer als die Risiken. Folglich hob er das Kursziel von 4,40 auf 6,70 Euro an und wiederholte seine Kaufempfehlung.

Börsen-Zeitung, 08.05.2009, Autor Martin Dunzendorfer, Frankfurt, Nummer 87, Seite 17, 886 Wörter

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