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Geld oder Brief
Von Thorsten Kramer, Frankfurt

Bei Borussia Dortmund trägt die Hoffnung einen Namen: Jürgen Klopp. Mit dem neuen Cheftrainer an der Spitze zeigte der Traditionsclub in der nun abgelaufenen Saison den attraktivsten Fußball seit Jahren und weckte im Umfeld eine Euphorie, wie sie zuletzt im Meisterjahr 2002 zu spüren war.

Klopp, inzwischen 41 Jahre alt und von 1990 bis 2008 als Spieler und Trainer eng mit dem FSV Mainz 05 verbandelt, darf man im positiven Sinn durchaus als fußballverrückt bezeichnen. Damit passt er allerdings bestens zur Borussia, denn dort steht ihm die gesamte Stadt in dieser Eigenschaft nicht nach. Allein eine gelebte Begeisterung für den Fußball reicht aber auch in Dortmund nicht aus, um die Herzen der Anhänger zu erobern. Klopp hat das insbesondere damit geschafft, dass er dem Team wieder ein stabiles, von hoher Einsatzbereitschaft geprägtes Spielsystem vermittelte und den Massen somit die versprochenen "Vollgasveranstaltungen" bot. Ganz nebenbei kassierte Borussia dabei in 34 Spielen nur 37 Treffer, nachdem sie vor Jahresfrist noch als Schießbude der Liga verspottet worden war.

Langfristig gebunden

Dem Verein, der in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen feiert, eröffnet die positive sportliche Entwicklung die Perspektive, dass er in den kommenden Jahren näher an die Spitzenvereine wie Bayern München, VfB Stuttgart und neuerdings auch VfL Wolfsburg heranrücken kann - nicht umsonst beeilte sich BVB-Geschäftsführer Joachim Watzke im März, den Vertrag mit Klopp frühzeitig um zwei Jahre bis 2012 zu verlängern.

Nach einer Serie von sieben Erfolgen sah es schon im abgelaufenen Spieljahr so aus, als könne sich die Borussia für die neue Uefa Euro League qualifizieren. Der seit Jahren darbenden BVB-Aktie verlieh das im Mai schlagartig enormen Auftrieb, bis zum zwischenzeitlichen Hoch am 11. Mai kletterte sie kurzerhand um mehr als 50 % bis auf 1,42 Euro. Denn die Zusatzeinnahmen aus dem internationalen Wettbewerb, so die Hoffnung, hätten dem nach wie vor unter einer angespannten finanziellen Lage leidenden Club etwas Spielraum verschafft, etwa für den Kauf weiterer starker Spieler. Als die Borussia buchstäblich in letzter Minute doch noch aus den Qualifikationsrängen herausfiel, sackte der Aktienkurs daher mit ebenso hohem Tempo wieder ab. Aktuell liegt er wieder deutlich unter 1 Euro.

Im zurückliegenden dritten Quartal senkte Borussia Dortmund die Verbindlichkeiten auf rund 111 Mill. Euro, erwirtschaftete im Kerngeschäft, dem Fußball, aber einen Verlust vor Zinsen und Steuern in Höhe von 1,6 Mill. Euro. Das Management begründete dies mit Abschreibungen von 4,27 Mill. Euro bedingt durch Investitionen in den Spielerkader. Durch die Arbeit des neuen Trainerteams mit Klopp an der Spitze steigt allerdings die Chance, dass sich diese Investitionen eines Tages auszahlen. Anders als etwa noch unter dem Vorgänger Thomas Doll entwickelten sich nun viele Spieler wie Stürmer Nelson Valdez und Mittelfeldspieler Nuri Sahin so erkennbar weiter, dass sich ihr Marktwert erheblich steigerte. Besonders augenfällig wird dies bei Abwehrspieler Neven Subotic (20), dessen Wert inzwischen auf 6,5 Mill. Euro taxiert wird, nachdem er vor einem Jahr zusammen mit seinem Trainer für 5 Mill. Euro von Mainz nach Dortmund wechselte. So betrachtet zahlt sich die gute Trainerarbeit gegebenenfalls auch in barer Münze aus, wenn diese Spieler eines Tages den Verein wechseln sollten.

Lockmittel für Sponsoren

Durch das attraktivere Spiel eröffnet sich Borussia Dortmund nicht zuletzt neues Potenzial bei Sponsoren, selbst wenn dieses Geschäftsfeld aktuell durch die Finanzkrise belastet wird. In diesem Zusammenhang ist mit der Figur Klopp zusätzlich die Chance verbunden, dass der Club von der Sympathie profitiert, die sich der Trainer bundesweit durch seine Analysen im ZDF während der Fußball-Weltmeisterschaft erworben hat. Klopp ist sich dennoch nicht zu schade, selbst zum Telefonhörer zu greifen, wie dieser Tage in der lokalen Dortmunder Presse zu lesen war, um für den Club Sponsoren bei der Stange zu halten.

Die besseren Leistungen des Teams sprechen ferner dafür, dass der Verein den Umsatz aus dem Ticketverkauf und dem Merchandising steigern kann. Dabei kommt nicht zuletzt dem neuen Ausrüster Kappa eine wichtige Rolle zu: Gefällt den Borussen-Fans das Design der neuen Trikots, ist es durchaus möglich, dass dies den Umsatz so entscheidend steigert, dass Borussia Dortmund zumindest auf diesem Spielfeld wieder unter die Top 20 in Europa zurückkehrt. Wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie von Deloitte zeigt, verfehlte der Verein mit einem Umsatz von 102 Mill. Euro zuletzt nur sehr knapp den Sprung in diesen erlauchten Kreis. Auf Rang 20 lag diesmal der britische Club Manchester City mit einem Umsatz von umgerechnet 104 Mill. Euro.

Morgan Stanley bleibt treu

Größter Anteilseigner bei der Borussia ist weiterhin Morgan Stanley, also die Bank, die den Club eng dabei begleitete, den drohenden finanziellen Ruin abzuwenden. Zuletzt senkte die Bank ihren Anteil auf 14,4 %. Als Finanzinvestor ist Blue Bay Asset Management mit 9,99 % an Bord. Von den Hedgefonds von Florian Homm und Och-Ziff ist hingegen keine Spur mehr. Homm hatte sich seinerzeit mit der Perspektive steigender Kurse bei der Borussia engagiert. Da war die Aktie allerdings noch deutlich mehr als 2,20 Euro wert.

Sollte der Titel dieses Niveau eines Tages wieder erreichen, wäre das aus heutiger Perspektive ein beachtlicher Erfolg. Er dürfte nur gelingen, wenn die Borussia auf dem grünen Rasen noch erfolgreicher spielt. Bis dahin müssen sich die gebeutelten Anleger weiterhin in Geduld üben, zumal die Zahlung einer Dividende nicht in Aussicht steht. Davon können die Aktionäre nur träumen, ebenso wie von einem Kurs wie beim Börsengang im Jahr 2000, der bei 11 Euro lag.

Börsen-Zeitung, 05.06.2009, Autor Thorsten Kramer, Frankfurt, Nummer 105, Seite 17, 873 Wörter

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