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Redaktion

Geld oder Brief
Von Martin Fritz, Tokio

Das rote Logo mit den drei Rauten ist weltbekannt. Doch was der Handelskonzern Mitsubishi Corp. (MC) macht, wissen selbst viele Japaner nicht, wie Präsident Yorihiko Kojima erst kürzlich einräumte. Dabei zählt das Unternehmen zu den zehn größten an der Tokioter Börse, und in der aktuellen Liste der 500 größten Unternehmen des US-Wirtschaftsmagazins "Fortune" rangiert MC auf Platz 114.

Diese gute Platzierung hängt nicht zuletzt mit dem Geschäftserfolg des Konzerns zusammen. Während renommierte Adressen wie Toyota und Panasonic tief in die roten Zahlen rutschten, erwirtschaftete Mitsubishi Corp. im Geschäftsjahr 2008/09 den zweithöchsten Gewinn aller japanischen Unternehmen, lediglich der Mobilfunkkonzern NTT Docomo erwirtschaftete noch mehr. Netto verdiente MC 370 Mrd. Yen (2,9 Mrd. Euro) und damit die zweithöchste Summe der Firmengeschichte. Die Kapitalrendite betrug 14,1 %. Im laufenden Geschäftsjahr, das bis zum 31. März 2010 läuft, hat sich das Management einen Nettogewinn von 220 Mrd. Yen zum Ziel gesetzt und will damit wieder zur Spitzengruppe gehören.

Japans größtes Handelshaus

MC ist vor Mitsui und Sumitomo das größte japanische Handelshaus und das Flaggschiff des früheren Konglomerats, das von den Amerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg zerschlagen wurde. Zu seinen heutigen Schwergewichten gehören die Megabank Mitsubishi UFJ, der Schwermaschinenbauer Mitsubishi Heavy und der Elektronikhersteller Mitsubishi Electric. Die 200 Firmen der Gruppe sind rechtlich unabhängig und kapitalmäßig kaum miteinander verflochten, halten aber engen Kontakt.

Zu Zeiten des Wirtschaftswunders versorgte MC das rohstoffarme Japan mit Koks, Eisenerz und Öl und handelte von Nudeln bis zu Raketen mit allen denkbaren Waren. Doch seit den 1990er Jahren können sich die Firmen Vermittler wie Mitsubishi nicht mehr leisten - deshalb musste ein neues Geschäftsmodell her. Die Lösung sah so aus, dass das Handelshaus sein eigener Kunde wurde.

MC war bereits Japans größter Hühnerproduzent, zur Absatzsicherung übernahm der Konzern die Mehrheit der Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken Japan. Zudem stieg der Konzern, für den heute 60 000 Menschen arbeiten, beim größten Einzelhändler Aeon mit 5 % und der zweitgrößten Mini-Supermarktkette Lawson mit 32 % ein, um seine Handelswaren zu vertreiben. Am Fleischproduzenten Itoham hält MC seit Januar 20 %. An den Anfang der Wertschöpfungskette gelangte MC etwa durch Käufe oder Beteiligungen an Minen, Hochöfen und Raffinerien. So hält Mitsubishi einen Anteil von 8 % am Öl- und Gasförderer Inpex.

Gerade suchen die Verantwortlichen eine Lithium-Mine in Südamerika, die den Rohstoff für den Batteriehersteller Lithium Energy Japan liefern soll, an dem Mitsubishi 34 % kontrolliert. Dessen Akkus treiben das Elektroauto MiEV von Mitsubishi Motors an, ein weiteres MC-Investment.

Im zurückliegenden Jahr investierte MC fast 700 Mrd. Yen. Aus dem Handelshaus wurde dadurch eine Beteiligungsgesellschaft. Ihr Portfolio von 131 Firmen hatte Ende März einen Börsenwert von umgerechnet 9 Mrd. Euro und lieferte vier Fünftel des Gewinns. Anders als ein normaler Investmentfonds könne MC viele Beteiligungen selbst steuern und dadurch höhere Gewinne erzielen, sagt Chefanalyst Yasuhiro Matsumoto von Shinsei Securities in Tokio. Tochterfirmen, die drei Jahre lang kein Geld verdienen, werden geschlossen, verkauft oder fusioniert.

Hohe Rohstoffreserven

An der Börse wird MC allerdings vor allem als Rohstoffwert betrachtet. Der Konzern besitzt Öl-Reserven von 1,4 Mrd. Barrel und ist der weltgrößte Händler von Flüssiggas. MC ist Japans Hauptimporteur für Kohle, Kupfer und Aluminium und betreibt zu 50 % ein australisches Bergwerk, das jährlich 48 Mill. Tonnen Kokskohle liefert. Mit dem Segment Metall und Energie erwirtschaftete MC zuletzt 47 % des Umsatzes und 90 % des Gewinns. Goldman Sachs stufte die Aktie im Mai auf "Kaufen" hoch, auch weil sie im Vergleich zu Rohstoffriesen wie BHP-Billiton günstig sei. Ein Dollar mehr beim Ölpreis erhöht den Nettogewinn von MC um 1 Mrd. Yen. Von 15 Analysten empfehlen die Aktie 7 zum Kauf, 8 stufen den Titel mit "Halten" ein. Das Kursziel beträgt im Schnitt 2 211 Yen. Gemessen am aktuellen Kurs lässt dies dem Titel Spielraum von rund 600 Yen.

"Solche Gewinne wie zuletzt lassen sich auf Dauer nicht erzielen", warnt Shinsei-Analyst Matsumoto. Doch Mitsubishi könne das Risiko schwankender Rohstoffpreise durch seine starke Kapitalbasis von 2,4 Bill. Yen und Vermögenswerte von 11 Bill. Yen auffangen. Eine Zeit lang überstiegen die Nettoschulden das Eigenkapital um das 7- bis 10-Fache. Heute sind sie nur 1,5 Mal größer. Schließlich ist Mitsubishi kaum vom Yen abhängig. "Eine Yen-Aufwertung trifft das Nettovermögen, aber kaum den Gewinn", meint Matsumoto. Ein Anstieg um 1 Yen zum Dollar verringert den operativen Gewinn um 1,6 Mrd. Yen - bei Toyota sind es 25 Mal mehr.

Investitionen halten an

Ein Schwachpunkt in der Bilanz ist die Beteiligung an Mitsubishi Motors mit 410 Mrd. Yen. Bei der Rettung des Ex-Daimler-Partners durch die Mitsubishi-Gruppe 2004 sei der sonst konservative Konzern ein hohes Risiko eingegangen, meint der Shinsei-Analyst. Zudem herrscht bei MC wegen der Wirtschaftskrise Kostendruck, in neue Geschäftsfelder wird aber weiterhin investiert. Der Fokus liegt dabei auf alternativen Energien. Der Investitionsanteil dafür soll von 1 % auf 3 % steigen.

MC ist auch größter Hersteller von Kohlenstoffbällen. Bisher gibt es nur für 25 % der Produktionskapazität einen Abnehmer. Daher fördert MC die Entwicklung von Solarzellen für Textilien und Wände, die mit diesem Material beschichtet werden. Gelingt das, wäre eine neue Wertschöpfungskette fertig.

Börsen-Zeitung, 10.07.2009, Autor Martin Fritz, Tokio, Nummer 129, Seite 17, 829 Wörter

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