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Redaktion

Geld oder Brief
Von Frank Bremser, Frankfurt

Glück, garniert mit ein wenig zivilem Ungehorsam, dazu noch ein Großkonzern, der die reale Lage verkennt: Das sind die Ingredienzen, die zur Entdeckung der derzeit größten bekannten Goldlagerstätte der Welt geführt haben und aus dem kleinen kanadischen Minenkonzern Northern Dynasty Minerals (NDM) ein begehrtes Objekt für die Großkonzerne der Welt gemacht haben.

Der kanadische Minenkonzern Teck Cominco verkaufte 1998 für geschätzte 15 Mill. Dollar ein noch unerschlossenes Gebiet namens "Pebble" in Alaska, eine Flugstunde südwestlich von Anchorage, an NDM. Zum einen um sich mehr auf das Kerngeschäft Zink zu konzentrieren, zum anderen weil das Projekt als nicht genügend ertragreich galt. NDM startete die Probebohrungen von Neuem und schaffte es innerhalb von zehn Jahren, die Ressourcenschätzungen für das Gebiet zu verneunfachen.

Der große Coup gelang den Geologen dabei im Jahr 2005. Die Probebohrungen galten als abgeschlossen, der damalige Vorstand erklärte, dass bereits genug Erz gefunden worden sei, um eine rentable Mine zu betreiben. Der zuständige Chefgeologe bedang sich jedoch noch eine zusätzliche Bohrung aus und setzte sie so an, dass sie direkt in eine neue, bis dato unbekannte Lagerstätte eindrang und "Pebble" auf einen Schlag zur weltgrößten unentwickelten zusammenhängenden Gold-Kupfer-Molybdän-Lagerstätte machte - und dies in einem politisch und wirtschaftlich stabilen Land, was für viele Rohstofflagerstätten nicht gilt. Allein die Kupfervorräte reichen aus, um ein Viertel des US-Bedarfs für 50 Jahre zu decken.

350 Mrd. Dollar Gesamtwert

Doch ein solches Projekt bekommt natürlich viel Gegenwind - wer will schon eine Megamine in der Nachbarschaft? Der Widerstand kommt dabei vor allem von Umweltschützern und Fischern, denn diese Region Alaskas gilt als ertragreiches Lachsrevier. Die Sorge ist dementsprechend groß, dass an einem Ort, wo jährlich bis zu 1,1 Mill. Pound (1 lbs = 454 Gramm) Kupfer, 900 000 Unzen Gold und 54 Mill. Pound Molybdän aus der Erde geholt werden sollen, auch die Fischereiindustrie zu leiden hat. Insgesamt werden in den beiden Abbaugebieten "Pebble 1" und "Pebble 2" 94 Mill. Unzen (je 31,1 Gramm) Gold vermutet. Zudem liegen dort 72 Mrd. Pound Kupfer und 4,8 Mrd. Pound Molybdän. Konservative Schätzungen beziffern den Wert allein des Goldes und des Kupfers auf rund 350 Mrd. Dollar.

Die Bedenken der Kritiker versucht NDM mit umfangreichen Umweltprojekten zu zerstreuen, bisher mit Erfolg. Insgesamt knapp 100 Mill. Dollar hat das Unternehmen bisher für diese Forschungen ausgegeben. Zudem wird von Regierungsseite Unterstützung signalisiert. Nach bisherigem Planungsstand ist eine Genehmigung für die Megamine auf dem 400 Quadratkilometer großen Gelände in drei Jahren möglich, sodass 2015 oder 2016 mit der Förderung begonnen werden könnte. Geplant ist die Kombination aus einer Tagebau- und einer Untertagebaumine, in der ohne chemische Aufbereitung die Rohstoffe gewonnen werden können.

Gebaut werden soll dort zudem ein Tiefseehafen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, denn bisher wirkt das Gelände wenig einladend: Eine unwirtliche Tundra-Region mit einer paar verlorenen Hütten und einem Flugplatz - warum der Geologe, der das Feld erstmals entdeckte, als Namenspate für die Fläche ausgerechnet den angeblich schönsten Golfplatz der Welt, "Pebble Beach Resorts" in Kalifornien, auswählte, wird ewig sein Geheimnis bleiben!

Eine Kursfantasie für den NDM-Titel speist sich aus zwei Quellen: Da ist zunächst die schiere Größe der Lagerstätte. Interessanter ist aber die Übernahmefantasie, die in "Pebble" steckt. Denn NDM besitzt nur 50 % des Projekts. Die andere Hälfte hat das Unternehmen 2007 an den Bergbauriesen Anglo American abgetreten. Für diesen 50 %-Anteil hat sich Anglo jedoch verpflichtet, gut 1,5 Mrd. Dollar in die Erschließung des Projekts zu investieren - was für NDM den Reiz hatte, dass man selbst keine Mittel mehr aufwenden muss. Sollte nun durch die Genehmigung das grundsätzliche Risiko aus der Mine herausgenommen worden sein, dann dürften sich Konzerne wie Rio Tinto und Anglogolds wieder mit großem Interesse dem "Pebble"-Projekt widmen. Bereits beim Einstieg von Anglo American hatte es eine Art Beauty Contest gegeben, bei dem sich die Branchengrößen mit dem Thema auseinandersetzen durften.

Bieterwettstreit erwartet

Wie schwergewichtig das Projekt ist, weiß man auch bei NDM und hält die 17 vor zwei Jahren unterlegenen Bieter stets auf dem Laufenden über das aktuelle Projekt, sodass sie jederzeit auf dem aktuellen Stand sind, sollte wieder ein Anteil angeboten werden. Einen Teil davon hat sich bereits Rio Tinto gesichert, die 19,6 % an NDM hält, ein weiterer Großaktionär ist mit 11 % Mitsubishi, die nach Aussagen des NDM-Managements schon Interesse an einer Ausweitung ihres Anteils bekundete. Und bei dem kleinen Unternehmen aus Vancouver träumt man deshalb schon von einem heißen Bieterwettstreit: "Glauben Sie, dass sich Anglo American einfach so einen zusätzlichen Großaktionär ins Boot setzen lässt, nachdem man selbst schon 1,5 Mrd. Dollar in die Erschließung investiert hat?", fragt etwa Ron Thiessen, President und CEO von NDM, der selbst 2,3 % an NDM hält.

Die Aktie des in Toronto gelisteten Unternehmens (Marktkapitalisierung 640 Mill. kan. Dollar) hat in den zurückliegenden zwölf Monaten eine heftige Berg-und-Tal-Fahrt hinter sich. Derzeit notiert der Titel bei 7,61 kan. Dollar, das 52-Wochen-Hoch erreichte die Aktie Anfang Februar bei 9,60, den Tiefstand im Zuge des weltweiten Kurseinbruchs im Oktober 2008 bei 1,92 kan. Dollar. Analysten zeigen sich optimistisch: Die vier Experten, die das Unternehmen beobachten, stufen den Wert allesamt mit "Kaufen" ein.

Börsen-Zeitung, 17.07.2009, Autor Frank Bremser, Frankfurt, Nummer 134, Seite 17, 841 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2009134183&titel=Uebernahmefantasie-bei-Northern-Dynasty
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Unternehmensbereich: Northern Dynasty Minerals Ltd.
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