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Redaktion

Geld oder Brief
Von Angelika Engler, Madrid

Auch Krisenzeiten lassen Wunder zu: Noch vor wenigen Monaten stand der spanische Bau- und Immobilienkonzern Sacyr Vallehermoso mit einem hohen Schuldenberg und dem Ende des Immobilienbooms in Spanien am Rande der Belastbarkeit. Kürzlich bekam der mit 3,3 Mrd. Euro bewertete Ibex-35-Wert aber den Zuschlag für eines der weltweit größten und prestigeträchtigsten Bauprojekte: die Erweiterung des Panama-Kanals für ganz große Frachtschiffe. Sie soll 2,2 Mrd. Euro kosten und 2014 abgeschlossen sein.

Diesen lukrativen Auftrag sicherte sich Mitte Juli ein von den Spaniern geführtes Konsortium. Zu diesem Erfolg, der dem Konzern neue, aber Analysten zufolge schwierig zu beziffernde Perspektiven eröffnet, summierten sich fast zeitgleich zwei weitere milliardenschwere Großaufträge in Italien. Der Aktie von Sacyr Vallehermoso verlieh das neuen Schwung, verglichen mit dem Jahresbeginn kletterte sie inzwischen um fast 70 % und machte damit das Gros der Verluste aus dem Jahr 2008 wieder wett. Die Aktie notiert allerdings weiterhin deutlich unter dem Allzeithoch vom November 2006 bei 47,51 Euro, hält aber auch Abstand von dem im Februar 2000 markierten Allzeittief von 4,02 Euro.

Aktionär im Glück

Das Schicksal drehte sich nun also zugunsten von Sacyr-Chef und -Aktionär Luis Del Rivero, der 13,7 % der Anteile kontrolliert. Er sieht sein Ego mit dem Zuschlag für das Panama-Projekt nach einer Serie selbst eingebrockter Pleiten und Pannen, vom gescheiterten "Sturm" auf Spaniens Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) bis hin zum Rauswurf aus dem Kapital des französischen Bauunternehmens Eiffage, endlich wieder bestätigt. Im vergangenen Herbst versuchte der ehrgeizige Präsident unter dem Druck der internationalen Kreditkrise noch verzweifelt und vergeblich, das 2006 mit einem Kredit von 5,2 Mrd. Euro erworbene Aktienpaket von 20 % am spanischen Ölkonzern Repsol YPF an die russische Ölfirma Lukoil zu verkaufen.

Die Rettung aus den Finanznöten brachte schließlich der Infrastrukturfonds von Citi, Citi Infrastructure Partners, der mit Sacyr Vallehermoso Ende 2008 den Kauf der Kapitalmehrheit an der Autobahnkonzessionärin Itínere in Italien paktierte. Der Deal entlastete bereits im ersten Halbjahr 2009 die Bilanz und spülte 1,7 Mrd. Euro in die Kassen. Der einst 18 Mrd. Euro hohe Schuldenberg schrumpfte nun bis Ende Juni bereits auf 11,6 Mrd. Euro. Unter dem Strich bilanzierte Sacyr zudem einen Nettogewinn von 413 Mill. Euro nach einem Vorjahresverlust von 101 Mill. Euro, obwohl das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) krisenbedingt um 31 % auf 238 Mill. Euro sank.

YPF schafft Fantasie

Dem Unternehmen und seinem Aktienkurs kommt ferner das neu aufgeflammte Interesse an Repsol zugute. Diverse Ölfirmen aus China und Indien haben offenbar Interesse an der Argentinien-Tochter YPF, und jedweder Teilverkauf würde auch den spanischen Baukonzern entlasten. Allerdings zeigte schon das Hin und Her um Lukoil, dass die Politik ein gewichtiges Wörtchen mitredet und die unternehmerische Freiheit einschränkt. Del Rivero, mit sichtbar gestärktem Selbstvertrauen seit dem Itínere-Deal, erklärte das Paket an Repsol mittlerweile sogar wieder für "strategisch" und nahm damit das aufgehängte Verkaufsschild wieder ab. Dabei dürfte aber auch eine Rolle spielen, dass derzeit niemand dazu bereit scheint, die geforderten 26 Euro pro Repsol-Aktie zu zahlen, die Del Rivero seinerzeit hinblättern musste und die den aktuellen Aktienkurs um stolze 56 % übertreffen.

Kampf um Anerkennung

Das Panama-Projekt nun könnte Del Rivero auch auf internationalem Parkett Anerkennung bringen und künftige Aufträge bescheren. Immerhin kommen 88 % der Einnahmen, die sich im ersten Halbjahr 2009 auf 3,3 Mrd. Euro (+ 24 % gegenüber Vorjahr) summierten und vornehmlich aus den beiden Hauptsparten Bau (- 12,5 % auf 1,7 Mrd. Euro) sowie Wohnimmobilien und Bauland (+ 118 % auf 1,2 Mrd. Euro) stammen, immer noch aus dem derzeit rezessionsgeplagten Heimatmarkt.

Doch die Aufgabe ist nicht ohne: Schließlich trat das Sacyr-Konsortium mit einer äußerst knappen Kostenkalkulation an, die die Angebote der beiden Mitbewerber um 750 Mill. Euro bzw. sogar um 2 Mrd. Euro unterbot und sogar unter der von Panama selbst gesteckten Kostengrenze von 2,5 Mrd. Euro lag. Sacyr wird zu zeigen haben, sich in diesem engen Korsett auch bewegen und eine Rendite erzielen zu können. Analysten fällt es schwer, den Effekt dieses Zuschlags auf die Bilanz zu kalkulieren, weil die Spanier ihre Beteiligung am Konsortium nicht offengelegt haben.

Banesto Bolsa schätzt, dass die Panama-Arbeiten fünf Jahre lang 173 Mill. Euro jährlich einbringen werden. Das entspräche 9 % des bis März erzielten Umsatzes. Sacyr selbst sieht sich auch ohne die neuen Projekte mit Auftragsbüchern im Volumen von derzeit fast 7 Mrd. Euro trotz Krise gut im Baugeschäft.

Analysten zeigen Skepsis

UBS und Bank of America stufen die Aktie, die am Donnerstag oberhalb von 11 Euro und damit deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch bei 13,48 Euro notierte, als überbewertet ein. Sie verfüge über eine Prämie gemessen am Nettowert der Aktiva von 18 %, die nicht gerechtfertigt sei. Goldman Sachs indes erhöhte das Kursziel noch vor der Panama-Nachricht im Juni um fast 100 % auf 11,70 Euro, während der spanische Broker Ahorro Corporación das Ziel auf 13 Euro setzte.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2009 liegt mit 21 deutlich über jenen der Konkurrenten ACS (10,8) und Acciona (17,12). Die Dividendenrendite gehört mit 1,4 % zu den weniger großzügigen innerhalb des Ibex 35. Alles in allem raten Analysten von einem derzeitigen Engagement ab. Nach Daten von JCF Group spricht sich die Mehrheit für Halten (vier), Untergewichten (vier) oder Verkaufen (sechs) aus. Neue und positive Fakten scheinen angesichts der Schuldensituation des Konzerns sowie der weltweit unsicheren Konjunkturentwicklung erforderlich.

Börsen-Zeitung, 31.07.2009, Autor Angelika Engler, Madrid, Nummer 144, Seite 17, 869 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2009144204&titel=Grossauftraege-stuetzen-Sacyr-Vallehermoso
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