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Redaktion

Die gute Nachricht für unsere Leser vorweg: Die Gehälter der Bankangestellten werden nicht bei bestenfalls 5 000 Euro gedeckelt, wie es in Diskussionen in der Politik und an den Stammtischen schon mal gefordert wird, um die "Bankster" zur Räson zu bringen. Und das 13., gegebenenfalls auch 14. oder x-te Monatsgehalt darf grundsätzlich ebenfalls weiterhin gezahlt werden.

Ansonsten aber ist Schluss mit lustig. Vergütungsexzesse, die entscheidend dazu beigetragen haben, das globale Finanzsystem fast kollabieren zu lassen, große Player in den Abgrund zu stürzen oder an dessen Rand zu bringen, die Weltwirtschaft in die Rezession zu treiben und die Steuerzahler mit einem Billionenaufwand für Rettungsaktionen zu belasten, sollen der Vergangenheit angehören - zumindest in Deutschland. Wie andere Länder damit umgehen werden, ob sie womöglich gerade bei dieser Thematik den Standortwettbewerb über eher lasche Spielregeln neu beleben werden, darauf darf man gespannt sein. Aktuelle Signale etwa aus London sind insofern alles andere als ermutigend.

In Deutschland jedenfalls packt die Finanzaufsicht BaFin mit ihren neuen Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) zwar nicht den Durchschnittsbanker, wohl aber die Vorstände und die "risk taker" - jene, die hohe Risikopositionen begründen können - dort, wo es am meisten wehtut: am Geldbeutel. Und das ist grundsätzlich gut so. "Aggressive Vergütungssysteme", also solche, die das Erzielen kurzfristiger Renditen mit Boni honorieren, ohne auf die langfristigen Folgen zu achten, darf es künftig nicht mehr geben. Schädliche Anreize zur Begründung unverhältnismäßig hoher Risikopositionen sollen so vermieden werden. Ein Aktienhändler beispielsweise, der für sein Institut Risiken eingeht, soll nicht nur im Erfolgsfall am Gewinn partizipieren, sondern im Misserfolgsfall auch am Verlust.

Auch ohne dass es im Kreditgewerbe nun zu einer staatlichen Lohnregulierung kommt: Die MaRisk, die weitreichende neue Vorschriften zur Risiko- und Liquiditätssteuerung einführen, sich obendrein auf die Corporate Governance erstrecken (z. B. direktes Auskunftsrecht des Aufsichtsrats gegenüber der internen Revision) und somit insgesamt weit mehr sind als nur die Aufarbeitung des populären Themas "Banker-Boni", bedeuten unter den diversen Reaktionen auf die Finanzkrise die bis dato konkreteste und potenziell tiefgreifendste Intervention in die Geschäfts-, Risiko- und auch Personalpolitik der deutschen Banken.

Nicht unbedingt unsittlich

Wundern muss sich darüber niemand, am wenigsten die betroffene Branche, deren Repräsentanten ja längst Gier und Verantwortungslosigkeit in den eigenen Reihen kritisiert haben. Mal davon abgesehen, dass bekanntlich einige der schärfsten Kritiker der Elche früher selber welche waren, sind diese Distanzierungen insofern durchaus glaubwürdig, als die politischen und aufsichtlichen Reaktionen auf die Ausschweifungen einer Minderheit grundsätzlich natürlich die Allgemeinheit treffen - auch viele jener geschätzt 97 % aller Mitarbeiter von Banken und Sparkassen, die ihren Job stets redlich und zuverlässig erledigt haben.

Politik und Aufsicht sollten nun freilich das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Variable Vergütungsbestandteile - vulgo: Boni - sind nichts grundsätzlich Unsittliches. Es muss auch künftig erlaubt sein, besonderen Einsatz und hervorragende Leistungen entsprechend zu honorieren - sogar in staatlich gestützten Banken, die mindestens ebenso auf qualifizierte und engagierte Mitarbeiter auf allen Ebenen angewiesen sind wie vergleichsweise gesunde Institute.


Börsen-Zeitung, 15.08.2009, Autor Bernd Wittkowski, Nummer 155, Seite 8, 482 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2009155090&titel=Schluss-mit-lustig
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