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Redaktion

Geld oder Brief
Von Andreas Heitker, Düsseldorf

Der Duisburger Stahl- und Werkstoffhändler Klöckner & Co. (KlöCo) schreibt im Geschäftsjahr 2009 rote Zahlen. Das hat der Finanzvorstand und designierte Konzernchef Gisbert Rühl in dieser Woche noch einmal auf einem Investorentag bekräftigt. Dennoch beurteilen Branchenexperten die weitere Entwicklung des MDax-Konzerns immer optimistischer. Rund 80 % der Analysten geben mittlerweile wieder eine Kaufempfehlung für die KlöCo-Aktie ab - obwohl die Papiere heute schon mehr als viermal so teuer sind wie noch vor einem halben Jahr und obwohl der Kurs derzeit schon knapp am 52-Wochen-Hoch von knapp 18 Euro kratzt.

Die rund einjährige Leidenszeit scheint Klöckner spätestens mit dem gerade angebrochenen Schlussquartal 2009 endgültig hinter sich zu haben. Die Informationen verdichten sich, dass KlöCo kurz vor der größten Akquisition seiner Unternehmensgeschichte steht und damit endgültig wieder auf den Ende 2008 ausgesetzten Expansionskurs zurückkehrt.

Nach Angaben von Klöckner-Finanzchef Rühl laufen zurzeit die Verhandlungen um den Kauf eines europäischen Wettbewerbers mit einem Umsatzvolumen von ungefähr 500 Mill. Euro. Die Übernahme könnte noch in diesem Jahr oder Anfang 2010 abgeschlossen werden. Im nächsten Jahr steht dann der Kauf eines weiteren Distributeurs in Nordamerika auf dem Programm.

600 Mill. Euro für Zukäufe

KlöCo hat sich für seinen erneuten Akquisitionskurs in den vergangenen Monaten eine "Kriegskasse" von etwas über 600 Mill. Euro zugelegt. Die Hälfte dieser Summe kommt aus einer Wandelanleihen-Emission vom Juni und der jüngsten Kapitalerhöhung im September. Die feste finanzielle Basis, auf der Klöckner jetzt steht, hat aber auch viel damit zu tun, wie der Duisburger Traditionskonzern auf den Ausbruch der Krise reagiert hat. KlöCo hat seither sein Umlaufvermögen um die Hälfte gesenkt und dadurch im ersten Halbjahr einen hohen Cash-flow von rund 470 (i. V. 3) Mill. Euro erwirtschaftet. Die Schulden wurden innerhalb eines Jahres um satte 83 % gedrückt, und stellen heute mit knapp 120 Mill. Euro keine große Belastung mehr da. Und das Kostenprogramm wurde deutlich ausgeweitet, sodass die bisher angekündigten Einspareffekte von 100 Mill. Euro für 2009 sogar noch übertroffen werden könnten. Die Hälfte des Kostenziels wurde durch den Abbau von rund 1 500 Arbeitsplätzen erreicht. 15 % der Stellen wurden gestrichen.

Wenn jetzt die Geschäfte in der Werkstoffdistribution langsam wieder anziehen, werden wohl längst nicht alle Unternehmen der Branche hiervon profitieren können. Das vermutete der zum Monatsende ausscheidende KlöCo-Chef Thomas Ludwig bereits im Sommer: "Die Knappheit auf der Finanzierungsseite wird den Konsolidierungsprozess beschleunigen", sagte Ludwig. Die Preise für Zukäufe sind auch deshalb zurzeit wohl eher moderat. Bei den geplanten Akquisitionen rechnet Finanzvorstand Rühl mit einem Kaufpreis, der lediglich das Vier- bis Sechsfache der durchschnittlichen Ergebnisse vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der übernommenen Unternehmen entspricht. Schon 2010 sollten sich die Zukäufe positiv im KlöCo-Ergebnis niederschlagen und die Profitabilität des ganzen Konzerns erhöhen. Sie sollten, so die Hoffnung, auch das Produktportfolio des Konzerns weiter verbessern. Dies könnte eventuell auch helfen, die Abhängigkeit des Geschäfts von der Bauindustrie noch weiter zu verringern.

2010 zurück in Gewinnzone

Klöckner hat für das zweite Halbjahr zwar schwarze und für das Gesamtjahr 2009 immer noch rote Zahlen angekündigt, aber bislang keine konkrete Prognose genannt. Derzeit gehen Analysten im Schnitt von einem Umsatzeinbruch um gut ein Drittel auf 4,3 Mrd. Euro, einem Verlust auf Ebitda-Ebene von 54 Mill. Euro und vor Steuern von 179 Mill. Euro aus. Die Konsensschätzung für das bereinigte Ergebnis je Aktie liegt momentan bei - 2,28 Euro.

Im kommenden Jahr sollte es dem Unternehmen nach Ansicht der Analysten gelingen, wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. KlöCo selbst hatte auf dem Investorentag in dieser Woche für die kommenden Jahre wieder ein Umsatzwachstum von jeweils mehr als 10 % in Aussicht gestellt sowie zumindest ab 2011 eine Rückkehr zur angestrebten unterjährigen Ebitda-Marge von über 6 %.

Die Lage auf den Stahlmärkten sieht Klöckner trotz dieser Aussichten aber noch längst nicht als stabil an. Der Sturm, so sagte Konzernchef Ludwig im August, scheine langsam abzuklingen. Aber auch jetzt, zwei Monate später, macht sich bei KlöCo noch kein kräftiger Nachfrageeffekt bemerkbar, weil die Kunden ihre Läger noch nicht wie erhofft wieder auffüllen. Das Unternehmen stellt sich zudem darauf ein, dass die Stahlpreise im ersten Vierteljahr 2010 noch einmal unter Druck geraten könnten, weil die Hütten dann wieder mit stärkeren Kapazitäten gefahren werden.

Chefwechsel vorgezogen

Unsicherheiten über den künftigen Kurs in der Duisburger Zentrale sind im Markt nicht zu spüren, auch wenn KlöCo seinen ursprünglich zum Jahresende geplanten Wechsel an der Unternehmensspitze nun überraschend zwei Monate vorzieht. Wenn Ludwig das Zepter Ende Oktober an den zehn Jahre jüngeren Rühl übergibt, ist ein hohes Maß an Kontinuität zu erwarten. Schließlich sitzt der Hobbygolfer bereits seit Mitte 2005 als Finanzchef mit Ludwig an einem Tisch, hat mit ihm zusammen 2006 den Börsengang und die komplette Refinanzierung des Unternehmens organisiert. "Ich werde nicht alles umkrempeln", kündigte Rühl schon bei seiner Berufung an.

Ludwig tritt nach sechs Jahren an der Vorstandsspitze zwar mit roten Zahlen ab, kann sich aber zugute halten, dem Konzern zusammen mit Rühl in der Krise eine neue finanzielle Basis gegeben und ihn damit mittelfristig zukunftssicher ausgerichtet zu haben. Klöckner & Co. ist für neue Wachstumssprünge bereit. Für Rühl geht es künftig darum, die Chancen der anstehenden Konsolidierung richtig zu nutzen. Das Vertrauen des Marktes hierfür hat er bereits, wenn man die Reaktionen und die Kursentwicklung der vergangenen Tage nach seinem Auftritt beim Investorentag richtig deutet.

Börsen-Zeitung, 09.10.2009, Autor Andreas Heitker, Düsseldorf, Nummer 194, Seite 17, 865 Wörter

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