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Redaktion

Kommentar
Angesichts des - so Großbritanniens oberster Währungshüter Mervyn King - "atemraubenden" Umfangs der staatlichen Rettungspakete für den Bankensektor darf sich niemand darüber wundern, dass das Thema "Zerschlagung von Großbanken" immer wieder hochkocht. Die von den Statistikämtern publizierten Zahlen zur Belastung der öffentlichen Kassen im vorigen Jahr repräsentieren ja nur einen kleinen Teil der weltweit bis dato aufgelaufenen Unsummen an Kapitalhilfen, Garantien und sonstigen Risikoabschirmungen. Wobei niemand weiß, wie viel davon endgültig verloren ist oder über kurz oder lang zurückgegeben wird (wie hierzulande bereits ein großer Teil der an Commerzbank und BayernLB gewährten Garantien) oder ob sogar Nachschüsse über den bisherigen Rahmen hinaus fällig werden.

Fest steht: Die ganze Chose ist zu teuer. Nicht allein, weil die Kosten der Rettungspakete die Steuerzahler überfordern, sondern weil das kollektive Versagen von Banken, Notenbanken, Ratingagenturen & Co. die Weltwirtschaft mindestens an den Rand des Abgrunds gebracht hat - mit umso höheren Folgekosten. Logischerweise wollen die Staaten kein weiteres Mal erpressbar sein von Banken, die durch ihren Absturz das System mit sich reißen würden und daher angeblich "too big to fail" sind.

Also große Banken zerschlagen? Der Prozess ist längst im Gange. Wenn die EU-Auflagen für die Genehmigung von Beihilfen realisiert sind, werden etwa die Commerzbank und einige Landesbanken fast auf Bonsai-Format geschrumpft sein. Den teilverstaatlichten britischen Großbanken drohen ebenfalls tiefe Einschnitte. Das geht bis hart an die Grenze zur Kaputtsanierung, wenn auch gesunde, ertragbringende Teile abgespalten werden müssen. Richtig ist zweifellos, Überkapazitäten aus dem Markt zu nehmen, wo Banken ihre Existenzberechtigung weitgehend aus volkswirtschaftlich nutzlosen bzw. extrem schädlichen "Ersatzgeschäften" herleiten. Für solche Adressen muss künftig tatsächlich - mit den Worten von BaFin-Chef Jochen Sanio - das "Requiescat in pace" gesprochen werden. Ob eine Bank "zerschlagungswürdig" (und bei Bedarf dann hoffentlich auch zerschlagungsfähig) ist, hängt indes zumindest nicht primär von der Größe ab. IKB und Sachsen LB beispielsweise sind bzw. waren keine Großbanken. Sie wären bei Mervyn King wohl durchs Zerschlagungsraster gefallen - und hätten dennoch fast das System zum Einsturz gebracht.


Börsen-Zeitung, 23.10.2009, Autor Bernd Wittkowski, Nummer 204, Seite 1, 327 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2009204002&titel=Bonsai-Banken
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