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Geld oder Brief
Von Gottfried Mehner, Hamburg

So hatte sich Evotec die Aufnahme in den TecDax gewiss nicht vorgestellt. Der Kurs brach am ersten Tag der Indexzugehörigkeit um 9,9 % auf exakt 2 Euro ein. Gewiss, die Börse hatte insgesamt einen schlechten Tag. Aber die Aufnahme hätte schon etwas freundlicher verlaufen können. Immerhin: Gestern konnten sich Evotec wieder um 4 % erholen.

Die Aktien des in der medizinischen Wirkstoffforschung tätigen Biotechnologie-Unternehmens ersetzen seit Mittwoch die Papiere von IDS Scheer. Bei dem Softwareberatungshaus war im Zuge der Übernahme durch die Software AG der Streubesitzanteil unter 10 % gesunken, und damit waren die Voraussetzungen, die das Regelwerk der Deutschen Börse für einen Verbleib im TecDax vorgibt, nicht mehr erfüllt. Hier gilt: Fällt der Streubesitzanteil unter 10 %, darf der Wert keinem Index der Dax-Familie angehören.

Comeback im TecDax

Gewisse Hoffnungen auf den TecDax-Aufstieg durfte sich auch Xing machen. Aber dass alles auf Evotec zulief, stand schon frühzeitig fest. Für Evotec ist es ein Comeback. Das Unternehmen gehörte schon 2003 dem TecDax an. Als sich aber der Biotech-Hype abschwächte und Wind- und Solarhersteller nach vorn stürmten, fiel Evotec in der Bewertung, die aktuell bei 224 Mill. Euro liegt, zurück und verlor deshalb im Jahr 2007 den Platz im Index. Insofern dürfte es bei Evotec nicht die große Aufregung, wohl aber eine stille Befriedigung über die Rückkehr in den Index geben. Schließlich dürften ab sofort auch Indexfonds diesen Wert nachfragen.

An der Börse fällt Evotec regelmäßig durch ellenlange Ad-hoc-Mitteilungen auf, die Lesern ohne tiefgründige medizinische Kenntnisse nur schwer zugänglich sind. Häufig geht es dabei um "Meilensteinzahlungen" für erledigte Forschungsaufträge oder neue und verlängerte Forschungskooperationen mit Pharmaschwergewichten wie etwa Boehringer Ingelheim, die japanischen Ono oder die amerikanische Biogen. Auftragsforschung leistet Evotec auch für Novartis und Pfizer.

Daneben fällt der Anfang 2009 angetretene neue Vorstandsvorsitzende Werner Lanthaler mit regelmäßigen Directors'-Dealings-Mitteilungen auf. Er deckte sich vor allem in den Sommermonaten, als Evotec im Bereich von 0,75 Euro notierten, kräftig ein. Bis zu einer mitteilungspflichtigen Höhe hat das aber noch nicht gereicht. Bei Evotec sind seit Jahren Roland Oetker mit 11,07 % und die TVM V Life Management engagiert, deren Anteil kürzlich unter 10 % gerutscht ist und nun bei 9,7 % liegt. Der Rest ist Streubesitz.

Mit neuer Ausrichtung

Gegründet wurde das Unternehmen 1993 durch die Wissenschaftler Manfred Eigen, Karsten Henco, Ulrich Aldag, Freimut Leidenberger, Heinrich Schulte, Rudolf Rigler und Charles Weissmann. Der Gang an die Börse erfolgte 1999.

Evotec machte sich zunächst einen Namen mit Screening-Apparaten, die die Wirkstoffforschung beschleunigen sollten. Diese Sparte (Tools & Technologies) wurde aber 2006 für 23 Mill. Euro an die US-Firma Perkin Elmer verkauft. Damit vollzog das Unternehmen einen Schwenk vom Technologieanbieter zum Dienstleister und engagierte sich verstärkt in der Auftragsforschung, wobei die eigenen Apparate eingesetzt wurden. Aber auch eigene Wirkstoffkandidaten sollten entwickelt werden, bislang allerdings ohne den großen Durchbruch. Ein Mittel zur Raucherentwöhnung (EVT 302) floppte in einem klinischen Doppelblindtest. Zuvor war auch die Auslizensierung eines Schlafmittels (EVT 201) gescheitert.

Hoher Jahresverlust

Solche klinischen Fehlschläge treffen große und kleine Unternehmen. In der Wirkstoffforschung ist das der Alltag. Das macht die Entwicklung wirksamer neuer Medikamente so teuer. Die Forschung auf eigene Rechnung ist dabei immer ein Balanceakt. Man muss sie sich auch leisten können.

Evotec hatte 2008 einen operativen Verlust von 73,2 Mill. Euro erzielt. Dabei hatten sich Goodwill-Abschreibungen allein mit 27,6 Mill. Euro bemerkbar gemacht. Den Forschungsaufwand hatte das Management gleichwohl um 15 % auf 42,5 Mill. Euro ausgeweitet. Der Jahresverlust erreichte schließlich gewaltige 78,3 Mill. Euro.

An der Börse und im eigenen Aktionariat sah man den Cash-Verbrauch mit Sorge. Ende 2008 schied schließlich der Vorstandsvorsitzende Jörn Aldag aus. Nach einer zweimonatigen Vakanz an der Unternehmensspitze trat dann Nachfolger Werner Lanthaler an. Er kommt vom österreichischen Biotech-Unternehmen Intercell, das erfolgreich einen Impfstoff gegen die japanische Enzephalitis entwickelte. Intercell war 2005 an die Börse Wien gegangen.

Risiken eliminiert

Bei Evotec nahm Lanthaler umgehend die Risiken aus dem Geschäftsmodell und richtete das Unternehmen in Richtung Auftragsforschung für Dritte aus. Durch einen Personalabbau und eine Verschlankung der Verwaltung wurde die Reichweite der vorhandenen Liquidität von 65 Mill. Euro bis über das Jahr 2012 hinaus gestreckt.Evotec hofft unverändert, zumindest einen möglichen Wirkstoffkandidaten selbst zur Marktreife bringen zu können. Vorhanden sind gegenwärtig rund eine Handvoll Wirkstoffkandidaten, die in Partnerschaften oder im Alleingang weiterentwickelt werden könnten.

Um dabei voranzukommen, erwarb Evotec kürzlich für 2,8 Mill. Euro 70 % der Anteile an der indischen RSIPL. An diese Gesellschaft war vor Jahren eine Substanzbibliothek von Evotec verkauft worden.

Neutrale Sicht

Bei den Analysten ist Evotec inzwischen weitgehend aus dem Fokus geraten. Zuletzt wurde das Unternehmen im August von Piper Jaffray analysiert. Bei einem Kursziel von 1,40 Euro gab es damals die Empfehlung "Neutral". Eine gleichlautende Empfehlung hatte auch Sal. Oppenheim vergeben. Dort gab es allerdings nur eine Bewertung zum Netto-Cash-flow, und das bedeutet lediglich 0,75 Euro je Aktie. Nach der TecDax-Aufnahme dürfte es künftig aber wohl wieder deutlich mehr Analysen zu Evotec geben.

Börsen-Zeitung, 30.10.2009, Autor Gottfried Mehner, Hamburg, Nummer 209, Seite 17, 805 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2009209213&titel=Evotec-zurueck-im-Rampenlicht
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