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Redaktion

Geld oder Brief
Von Eduard Steiner, Moskau

Wird er, oder wird er nicht? Und wenn ja, dann schon bald oder doch erst in ein paar Jahren? Für Diskussionsstoff sorgten in den letzten eineinhalb Monaten widersprüchliche Meldungen über eine mögliche weitere Teilprivatisierung des größten und staatlichen Ölkonzerns Rosneft. Der russische Vizepremier Igor Schuwalow hatte Ende September eine neue Privatisierungswelle angekündigt und als prominentestes Beispiel für die angeblich 5 500 ausgewählten Staatsbetriebe auch Rosneft genannt. Mittlerweile scheint fix: 2010 ist es nicht so weit, wie das Wirtschaftsministerium festhielt. Und ob überhaupt große Staatsaktiva wie Rosneft noch in den Privatisierungsplan 2010-2013 aufgenommen werden, werde weiter diskutiert, verlautete aus der Regierung.

Das Schicksal von Rosneft scheidet abermals die Geister. Ganz so, wie es die Geschichte des Konzerns, an dem der Staat 75,16 % des Kapitals hält, die vergangenen Jahre über tat. Lange im Schatten der Branchengrößen Yukos und Lukoil, hatte der kometenhafte Aufstieg zum Branchenprimus 2004 mit einem zweifelhaften Coup begonnen. Damals hatte sich Rosneft die Hauptaktiva des vormals größten Ölkonzerns Yukos einverleibt. Als Mastermind der Zerschlagung von Yukos gilt Igor Setschin, prominentester Vertreter der dirigistischen Hardliner im russischen Establishment, Vizepremier und Aufsichtsratschef bei Rosneft.

Größter Börsengang

Der Skandal ist längst Geschichte. Selbst den Börsengang Mitte 2006 konnte er nicht behindern. 10,7 Mrd. Dollar spielte Rosneft damals für etwa 15 % der Aktien ein. Am größten Börsengang in der russischen Finanzgeschichte hatten sich neben 115 000 russischen Kleinaktionären auch ausländische Konzerne beteiligt, darunter der chinesische Ölkonzern CNCP.

Die Chinesen waren es auch, die Rosneft schon 2004 zum Kauf der Yukos-Aktiva und gegen Zusicherung von Öllieferungen 6 Mrd. Dollar zur Verfügung stellten. 2008 wurden weitere 15 Mrd. Dollar Vorauszahlung für 20 Jahre Öllieferungen vereinbart. Damit sei auf Jahre hin genug Geld zur Refinanzierung der Konzernschulden vorhanden, ließ Rosneft-Vizepräsident Peter O'Brien kürzlich wissen. Mit 18,95 Mrd. Dollar steht kaum ein russischer Konzern so tief in der Kreide wie Rosneft.

Die teuren fremden Aktiva freilich haben den Konzern groß gemacht. Heute verfügt er über 1,8 Mrd. Tonnen nachgewiesener Ölreserven. 2008 förderte er 113,8 Mill. Tonnen, was 2,5 % der weltweiten Ölförderung und einem Fünftel der russischen Ölförderung entspricht.

Höherer Free Float

"Es wäre zweckmäßig, den Free Float beizeiten zu erhöhen", sagte O'Brien Ende Oktober. Weil die Zeit aber nicht dränge, scheine es wichtiger, "zuerst die Fragen, die mit der Reform der Steuergesetzgebung verbunden sind, zu lösen und erst dann die Möglichkeit eines Aktienverkaufs zu dem Preis, der das reale Potenzial des Konzerns abbildet, zu prüfen".

Der Staat bewahrt sich sein zweites Lieblings-Asset neben dem Gaskonzern Gazprom vorerst also für schlimmere Zeiten auf. Rosneft selbst hofft indes, das Schlimmste der Krise schon hinter sich zu haben. Im Vorjahr war der Ölpreis binnen weniger Monate von 147 auf 32 Dollar je Barrel abgestürzt. Im Verein mit der gedämpften Nachfrage führte dies bei Rosneft im ersten Halbjahr 2009 zu einem Rückgang des Reingewinns um 46,6 Prozent auf 3,7 Mrd. Dollar. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich um 49,9 % auf 5,9 Mrd. Dollar, der Umsatz um 48,8 % auf 19,2 Mrd. Dollar. Insgesamt lag das Ergebnis weitgehend im Rahmen der Expertenprognosen. "Im Allgemeinen ist zu sagen, dass Rosneft die Talsohle der Krise durchschritten hat", meint Sergej Sacharow, Analyst beim Broker Alemar.

Auch wenn der gesamte Sektor Branchenexperten zufolge noch nicht aus der Krise ist: Die Förderung übertrifft in letzter Zeit die Prognosen. Ein Viertel kam von Rosneft. Der Rekord verdankt sich unter anderem der sibirischen Lagerstätte Vankor, die Rosneft im August in Betrieb genommen hat. Mit 520 Mill. Tonnen birgt die Lagerstätte die fünffache Jahresförderung des Konzerns, dazu 95 Mrd. Kubikmeter Gas, was dem Jahresgasbedarf Deutschlands entspricht. 2014 soll die neue Lagerstätte ein knappes Viertel der Konzernproduktion liefern. Mit der neuen Regierungsidee einer Befreiung von der Fördersteuer in dieser westsibirischen Gegend würde allein Rosneft bis 2014 - ausgehend vom jetzigen Ölpreis - mehr als 8 Mrd. Dollar sparen, wie Denis Borisow, Analyst bei "Solid", vorrechnet.

Während manche Experten bereits von weiteren Höhenflügen künden, bleiben die russischen Ölfirmen vorsichtig. Für 2010 erwarten sie keinen weiteren Preisanstieg, planen bislang allerdings auch keine Revision des Investitionsprogramms. Über das Ihrige gibt sich Rosneft bislang übrigens bedeckt. Alexander Burganski, Analyst bei Renaissance Capital, geht davon aus, dass die Ölfirmen 2010 etwa 10 % mehr investieren werden.

Erster Zukauf nach Krise

Rosneft jedenfalls hat mit dem ersten großen Zukauf nach der Krise begonnen und soeben die Lizenz für ein westsibirisches Lagerfeld mit Reserven von 22,79 Mill. Tonnen Öl erworben. Und Rosneft ist neben Gazprom auch der einzige Konzern, der aufgrund des mehrheitlichen Staatsanteils und fünfjähriger Offshore-Erfahrung die neuen engen Kriterien für die Zulassung zu den ambitionierten russischen Offshore-Programmen erfüllt. Allein auf Sachalin hat Rosneft bisher 13 Mrd. Dollar in die Bohrung im Meer gesteckt.

Auf dem Markt ist Rosneft 59,4 Mrd. Euro wert. Aktuell notiert die Rosneft-Aktie an der Moskauer Börse RTS bei 8,56 Dollar auf einem 52-Wochenhoch. Die Meinungen der Analysten gehen freilich auseinander: Von 24 Analysten raten neun zum Halten der Aktie und sieben zum Verkaufen. Nur acht Häuser empfehlen den Einstieg. Morgan Stanley erhöhte jüngst das Kursziel von 6,20 auf 10 Dollar. Troika Dialog empfiehlt einen Kauf mit Kursziel 9,10 Dollar, die Deutsche Bank mit Kursziel 9,46 Dollar. Bank of Moscow sieht als Kursziel hingegen 5,76 Dollar und stuft auf "Sell", ebenso Unicredit Securities mit Kursziel 5,22 Dollar.

Börsen-Zeitung, 13.11.2009, Autor Eduard Steiner, Moskau, Nummer 219, Seite 17, 869 Wörter

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Unternehmensbereich: Rosneft Oil Company
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