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Redaktion

Geld oder Brief
Von Giovanni Binetti, Mailand

Es wird schwer für Fiat. Auf das bereits schwierige Jahr 2009 folgen weitere zwölf Monate der Krise. Im Allgemeinen steht es mit der Autobranche nicht zum Besten. Italiens führender Vertreter des Sektors musste nun einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Die Regierung in Rom strich kurzerhand die Abwrackprämie - wohl auch, weil Fiat sich vom Staat nicht in unternehmerische Entscheidungen hineinreden lassen wollte. Zuvor hatten vor allem Regierungschef Silvio Berlusconi und sein Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Claudio Scajola, offen den Erhalt von Arbeitsplätzen als Gegenleistung gefordert.

Fest steht, dass Fiat von italienischen Kaufanreizen besonders profitiert hätte, haben die Turiner in der Heimat doch einen Marktanteil von rund 30 %. Allerdings legte sich Fiat auch vorzeitig fest, in Italien effizienter werden zu wollen. Dazu gehört nach Überzeugung von Chief Executive Officer (CEO) Sergio Marchionne auch die Schließung einer Produktionsstätte im sizilianischen Termini Imerese. Schon allein die Lage jenes Werks birgt im internationalen Wettbewerb Nachteile. Hinzu kommt, dass die Produktivität der italienischen Werke insgesamt zu wünschen übrig lässt. Zuletzt stellte Fiat in der Heimat mit knapp 22 000 Mitarbeitern 645 000 Fahrzeuge her. Zum Vergleich: In Brasilien produzierten 8 700 Fiat-Mitarbeiter 700 000 Fahrzeuge, im polnischen Tychy bauten 5 800 Beschäftigte 600 000 Autos.

Abwärts seit Jahresbeginn

Die Aktie reagierte mit einem deutlichen Minus auf das Nein der Regierung. Der Aktienkurs fiel zwischenzeitlich auf fast 8 Euro. Seit Jahresbeginn war das ein Rückgang um fast 22 %. Damit lief das Papier deutlich schlechter als die Branche und als der italienische Gesamtmarkt. Am ehesten verzeichnete noch Volkswagen einen ähnlichen Wertverlust, fast minus 17 % seit Anfang 2010. Die französische PSA Peugeot Citroën etwa kam gleichzeitig mit einem Kursabschlag von nicht einmal 5 % davon. Die 50 wichtigsten börsennotierten Unternehmen aus Europas Autosektor, zusammengefasst im Dow Jones Euro Stoxx 50 Automobiles, verbuchten ein Minus von etwas mehr als 9 %. Der Leitindex der Mailänder Börse, FTSE/MIB, verlor rund 10 % an Wert.

In der Kursschwäche von Fiat spiegelte sich die Ankündigung Marchionnes wider, das Ausbleiben neuer Abwrackprämien werde den Konzern massiv belasten. Schon mit Kaufanreizen befürchtete Fiat einen Rückgang der Nachfrage in Westeuropa um 12 %, ohne werde die Auto-Nachfrage stärker zurückgehen. In Italien sei ein Rückgang um ein Fünftel zu befürchten. Marchionne sagte, in der Heimat würden wohl 350 000 Fahrzeuge weniger abgesetzt als 2009.

Ebenfalls negativ wirkte sich auf den Fiat-Kurs der vorläufige Jahresabschluss für 2009 aus. Unterm Strich stand ein Nettoverlust von 848 Mill. Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 1,7 Mrd. Euro erwirtschaftet worden war. Ab Mitte 2009 betrachtet lief es für die Fiat-Aktie besser. Sie legte 12 % zu, während ein VW-Papier, das zuvor von Spekulationen nach oben getrieben worden war, ein Minus von 73 % verbuchte. PSA lief mit einem Plus von 20 % besser. Der europäische Branchenindex büßte 2 % ein, und der FTSE/MIB legte weniger deutlich zu als Fiat.

Über drei Jahre betrachtet verlief Fiats Entwicklung mit einem Minus von 51 % in etwa im Gleichschritt mit dem italienischen Markt. Auch PSA gab in dieser Größenordnung ab. Hier hat die VW-Aktie mit einem Abschlag von 23 % die Nase vorn. Der Auto-Index von Dow Jones lag zuletzt rund ein Viertel unter dem Niveau von vor drei Jahren.

Trübe Aussichten

Die Aussichten sind für die Fiat-Aktie eher trübe. Schon die Prognosen, welche die positiven Effekte einer italienischen Abwrackprämie beinhalteten, waren von Analysten nicht gerade positiv aufgenommen worden. Der Konzern stellte für 2010 einen Umsatz zwischen 52 und 53 Mrd. Euro in Aussicht. Zuletzt wurden gut 50 Mrd. umgesetzt, nachdem es 2008 noch fast 60 Mrd. Euro gewesen waren. 2010 soll der Handelsgewinn, der einem operativen Ergebnis ohne Sonderfaktoren entspricht, bei rund 15 Mrd. Euro liegen. Das wären etwa 50 % mehr als zuletzt, nachdem das Handelsergebnis 2009 um mehr als zwei Drittel zusammenschrumpfte. Das Nettoergebnis soll Ende dieses Jahres wieder positiv sein und bei 200 bis 300 Mill. Euro liegen.

Wie die Prognosen jetzt aussehen, ist noch unklar. Erst am 21. April dürfte der Konzern für Klarheit sorgen. Dann will er seinen Geschäftsplan bis zum Jahr 2014 vorstellen. Dieser dürfte auf eine Senkung der Kapazitäten in Europa und eine höhere Effizienz abzielen. Welche Synergien sich Fiat von der Partnerschaft mit der früheren Daimler-Tochter Chrysler erwartet, soll im April konkretisiert werden.

Schwierig wird es für Fiat - und für die Aktionäre - in diesem Jahr allemal. Das zeigte schon die Reaktion des Konzerns auf die Auftragseingänge im Januar: Er kündigte zwei Wochen Kurzarbeit für alle Beschäftigten in Italien an. Dabei wirkten sogar noch die zum 31. Dezember abgelaufenen Abwrackprämien nach. Die mit diesen Prämien erworbenen Pkw können noch bis Ende März angemeldet werden.

Expansion bietet Chancen

Dennoch bietet eine Anlage in Fiat auch noch Chancen, etwa wenn der Geschäftsplan bei den Investoren einschlägt oder der Konzern mit Neuigkeiten aufwartet, was die internationale Aufstellung betrifft. So legte die Aktie in den vergangenen Tagen zu, weil erwartet wurde, dass Fiat eine strategische Partnerschaft mit dem russischen Autokonzern Sollers (früher SewerstalAuto) bekannt gibt. Das geschah nun am Donnerstag.

Auch daher empfiehlt derzeit kaum ein Analyst Fiat zum Verkauf. Allerdings sind auch Kaufempfehlungen rar. Zumindest bis April ist Zurückhaltung angebracht.

Börsen-Zeitung, 12.02.2010, Autor Giovanni Binetti, Mailand, Nummer 29, Seite 17, 845 Wörter

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